Ein Zoobesuch in China – besser nicht!

Ihr liebt Zoos? Wollt die niedlichen Großen Pandas sehen? Also ist ein Zoobesuch in China geplant?

GEHT NICHT!

Das große Tor des Pekinger Zoo von 1908

Das große Tor des Pekinger Zoo von 1908

Chinesen haben ein eigenartiges Verhältnis zu Tieren. Tierliebe und Tierschutz haben einen anderen Stellenwert als in Europa. Tierliebe bedeutet heute häufig, die Hunde, Katzen, Hamster nett herzurichten und als Spielzeug zu benutzen.

Zoos in China dienten lange Zeit einfach der Zurschaustellung exotischer und fremdartiger Tiere. Das war in Europa bis vor Kurzem auch nicht anders. Ich erinnere mich noch an triste, kleine Betonkäfige für die Affen im Zoo Hannover in den 1970er Jahren. Wenn ich mit meiner Großmutter in den 1960er Jahren in den Wuppertaler Zoo ging, dann stand auch immer ein Besuch bei Nilpferd Lina auf dem Programm. Durch eine besondere Beziehung zum Zoo durften wir Kinder das dicke Nilpferd mit Brot füttern. Dass das riesige Tier in einem Becken lag, in dem es sich kaum umdrehen konnte, fiel uns Kindern nicht auf.

So, denke ich, ist es auch mit den Chinesen. Sie freuen sich an den Tieren, staunen über ihre Fremdheit und Besonderheit. Und wie Kinder wollen sie natürlich sehen, dass sich das jeweilige Tier bewegt und sich in ganzer Pracht zeigt. Nicht weit weg in einem ausgedehnten Gehege, sondern ganz nah. Da wird gerufen, geklopft und man hofft auf eine besondere Bewegung, einen aufregenden Augenblick. Kein Gedanke wird an die kahlen Käfige mit dem öden Betonfussboden verschwendet. Es soll sogar Zoos geben, in denen lebendige Tiere an Löwen und Tiger verfüttert werden.

Ich habe 1988, als ich zum ersten Mal in Peking war, natürlich auch den Zoo besucht. Als ich 1987 in Chengdu war, wollte ich die Großen Pandas sehen. Jedes Mal ergab sich das gleiche trübe Bild: Kleine, viel zu kleine Käfige, wenig Ausstattung für die Tiere zum Spielen und sich zu bewegen. Ich musste jedes Mal die Zähne zusammen beißen, um nicht in Tränen auszubrechen.

2011 wollte ich gucken, ob sich im Pekinger Zoo etwas verändert hat. Schließlich wurde ich als Produktmanagerin bei einem China-Veranstalter oft gefragt, ob man sich in Peking die Pandas ansehen kann. Oder ob man, wenn man mit Kindern unterwegs ist, auch den Zoo besuchen kann.

„Nein! Das kann man nicht!“

Jedenfalls nicht in Peking. Ja, es hat sich einiges zum Positiven geändert. Die Pandas verfügen über Platz und Bewegungsmöglichkeiten. Doch die Menschenmassen vor den Gehegen sind eher abschreckend. Geht man ein paar Schritte weiter, so findet man die Betonkäfige mit schmutzigen Glasscheiben. Sie sind größer als früher, aber nicht wirklich schön. Ich bin nicht mehr weiter in den Zoo hinein gegangen.

Wenn die Käfige und Gehege einigermaßen ok sind, so sind es die Besucher, die einen zur Weißglut reizen können. Da wird nach wie vor geklopft, gerufen und mit den Händen gefuchtelt. Ein Tier, das sich nicht bewegt, ist uninteressant.

Eine Begegnung im Pekinger Zoo:

Auf dem Schild steht "Nicht an die Scheiben klopfen!"

Auf dem Schild steht “Nicht an die Scheiben klopfen!”

Ein Mann in bäuerlicher Kleidung schaut begeistert in die Kinderstube eines Schimpansen. Der kleine Affe sitzt auf dem Betonfussboden, hat ein paar Spielzeuge um sich herum. Aber er guckt nur traurig nach draußen. Am Käfig sind außen Schilder angebracht: Nicht mit Blitz fotografieren! Nicht gehen die Scheibe klopfen! Besonders letzteres macht der Mann ausgiebig mit einer leeren Plastikflasche. Als ich ihn auf das Schild, das direkt in seiner Augenhöhe vor ihm hängt, aufmerksam mache, lässt er von seinem Tun ab. Andere rücken nach. Doch der Mann ist begeistert, eine Westlerin hat ihn angesprochen! Die kann Chinesisch! Mit der muss man sich sofort unterhalten! Ich verstand kaum ein Wort. Als er mir hartnäckig folgte und auf mich einredete, verließ ich geradezu fluchtartig den Zoo.
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Der Pekinger Zoo
Eröffnet 1908, In den letzten Jahren der Qing-Dynastie bewohnt von rund 700 Tieren, die zu einem großen Teil aus Deutschland stammten. Jahre lang wurde er sehr vernachlässigt. Zum Zeitpunkt der Gründung der Volksrepublik 1949 lebten nur noch 17 Tiere im Zoo. Dann gab es irgendwann auch wieder Geld für den Zoo. Er wurde kontinuierlich ausgebaut. Heute leben im Pekinger Zoo rund 5000 Tiere, darunter Mandschurische Tiger, Goldaffen, Sika-Hirsche, Kleine und Große Pandas. Es gibt auch ein großes Aquarium. Man kann sehr viel Zeit in diesem Zoo verbringen. Aber man wird enttäuscht werden, wenn man seine Erwartungen an artgerechte Haltung zu hoch ansetzt. Mehr Infos

p.s. Der Peking-Zoo soll in den nächsten Jahren verlegt werden: Drücken wir die Daumen, dass damit auch eine Verbesserung der Tier-Haltung verbunden ist!

Panda Innengehege

Panda Innengehege

Vor dem Innengehege der Großen Pandas

Vor dem Innengehege der Großen Pandas

Peking Zoo Peking Zoo

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Es mag nun mehr und mehr schöne besuchenswerte Zoos in China geben. Schließlich gibt es große Tierschutzvereine, die sich allergrößte Mühe um Aufklärung und Verbesserung der Lebensumstände der Tiere geben. Aber ich weiß wirklich nicht, in welchen Zoo man in China gehen kann, ohne dass es einem das Herz zerreißt. Bei Shanghai soll es einen Safari-Park geben, der sehr gut ist. Nun, das hab ich so geschrieben, weil mir das Leute, die dort gewesen sind, gesagt haben. Nach einem Blick auf die Webseite des Shanghai Wild Animal Parks rate ich zur Vorsicht! Die Tiershows dort sind reine Zirkus-Vorführungen. Ich mag keine dressierten Tiere. Es gibt auch noch einen Shanghai Zoo, der eher so wie der in Peking ist.

In Guilin wurde ich aufmerksam auf eine andere Seite des chinesischen Tierschutzes: Dort gibt es einen großen privaten Park, in dem man viele Tiger hielt, um aus ihnen einen Bestandteil des Tiger Balm und auch anderer Medizin zu gewinnen. Das ist nun in China verboten. Doch was macht man mit den Tigern? Es sind so viele, dass der Inhaber des Parks pleite ging. Man bemüht sich in Guilin um Alternativen. Ich weiß leider nicht, was aus den Tigern geworden ist. Im Übrigen wird im Sieben-Sterne-Park eine fragwürdige Show geboten, in der Tiger Männchen machen und mehr. In anderen Parks in China ist es üblich, den Tigern und anderen Raubkatzen, lebende Tiere als Futter zu bieten.

Die zahlreichen Panda-Aufzuchtstationen sind zu empfehlen. Das putzige Nationaltier Chinas wird geschützt. Man bemüht sich um Nachzuchten. Erfolgreiche Auswilderungen sind auch schon gelungen.

Chengdu Panda

In der Panda-Aufzuchtstation von Chengdu

Eine solche Panda-Aufzuchtstation kann man bequem in Chengdu besuchen. Das Gelände ist groß. Wunderbare Bambuswälder säumen die Wege. Die Gehege der Pandas und auch anderer Tiere sind großzügig und sauber. Überall gibt es Hinweisschilder, dass man ruhig sein möge. Tierpfleger stehen bereit, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Unbedingt empfehlenswert! Dazu später mehr. Hier ein paar Impressionen aus Chengdu: Man gibt sich wirklich viel Mühe um artgerechte Haltung und Aufklärung. Panda-Aufzuchtstatio

Fazit:  Einen Zoobesuch in China sollte man sich vorher gut überlegen!

 

11 Kommentare

  • Das mit dem Andiescheibeklopfen erlebt man in deutschen Zoos leider auch immer noch. Meistens bei Kindern, die von ihren Eltern nicht gestört werden. 🙁

  • Wir waren 2000 im Zoo von Guangzhou….und haben ihn völlig schockiert wieder verlassen.

    • bambooblog

      Das kann ich verstehen. Zoos in China, aber auch anderswo in Asien, sollte man nur besuchen, wenn man aus verlässlicher Quelle weiß, dass das Erlebnis nicht zu erschreckend wird.

  • Ich mag keine Zoos und Tiergärten… In der Raubtierabteilung im Berliner Zoo, die meiner Meinung nach viel zu klein gestaltet ist, marschierte voller Unruhe – oder Verzweiflung – ein alter Löwe hin und her, hin und her, unablässig. Und dann warf er mir einen Blick zu, der mich bis ins Mark erschütterte, und da schwor ich mir, nie wieder einen Zoo oder Tiergarten zu betreten.

    • bambooblog

      Wir haben es doch gut in Deutschland. Da gibt man sich sehr viel Mühe mit den Tieren. Ich stehe auf dem Standpunkt, dass Zoos notwendig sind. Zum einen wegen der Arterhaltung und Forshcung, zum anderen , weil man nur das wirklich liebt, was man kennt. Und auch dazu sind Zoos da, dass man die Tiere kennen und lieben lernt. Und damit ein Interesse daran hat, die Tiere zu schützen. LG Ulrike

  • Die Panda-Aufzuchtstation in Chengdu fand ich auch sehenswert. Dort gibt es übrigens auch den Kleinen Panda (mancher hat sich vielleicht schon gewundert, warum der bekannte schwarz-weiße Panda oft der “große Panda” genannt wird).

    • bambooblog

      Ich glaube, der Kleine Panda ist hier den meisten bekannt, da er in vielen deutschen Zoos zu sehen ist. Vielleicht besser bekannt als Katzenbär.

  • Zoos mag ich nicht. Ausnahme: wenn vom Aussterben bedrohte Tiere Artgerecht gehalten werden.

    • bambooblog

      Ich liebe Zoos! Besonders den in Hannover und den in Wuppertal. Aber Zoos in Asien sind meistens ziemlich schrecklich. Den von Singapur würde ich gerne mal sehen.

    • bambooblog

      Ja, manchmal bin ich auch ganz hin und her gerissen. Aber ich liebe Zoos! Das kommt von meiner Großmutter, die immer mit uns Kindern in den Wuppertaler Zoo gegangen ist.

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