Nachhaltigkeit unterweg in China – geht das?

Aus meinem Archiv, aber immer noch aktuell: Nachhaltigkeit unterwegs in China

Vor einem Jahr: Antje von mee(h)r erleben schreibt: „Ich möchte euch hiermit zu meiner ersten Blogparade einladen. Zum Thema “Wie wichtig ist euch das Thema Nachhaltigkeit auf Reisen” interessieren mich eure Gedanken und Erfahrungen, Tipps und Ideen.“ Nun habe ich meine Antwort darauf noch einmal überdacht und überarbeitet. Seht hier:

Das Thema “Nachhaltigkeit/Umweltschutz unterwegs” ist eine große Herausforderung für jemanden, der gerne nach China reist. Ich muss auch gleich als erstes gestehen, dass ich mir in der Regel wenig Gedanken um nachhaltiges Reisen mache. Doch die Prinzipien, an die ich mich Zuhause halte, vergesse ich unterwegs auch nicht so einfach. Eigentlich gehe ich mal wieder den „Mittleren Weg“, der mir aus dem Buddhismus vertraut ist: Nicht zu viel aber auch nicht zu wenig. In China kommt hinzu, dass sich auf den ersten Blick niemand, auch kein Einheimischer Gedanken um Nachhaltigkeit macht. Da werden lustig Plastikflaschen in größeren Mengen aus dem Zugfenster geworfen, Plastiktüten und Plastik überhaupt geliebt. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt, ohne an sowas wie Bio-Anbau zu denken.

Ich versuche, mich unterwegs an das Motto “Leave nothing but footprints; take nothing but pictures” zu halten. Wie ich das mache, welche Gedanken mich dabei bewegen, lest Ihr hier:

Ich bin mir unterwegs immer darüber bewusst, wer ich bin:

1991 Südkorea - im kompletten Outfit

1991 Südkorea – im kompletten Outfit

–         Ich bin Gast, also benehme ich mich entsprechend respektvoll.
–         Ich bin reich, jedenfalls in den Augen der Einheimischen in Ländern wie China oder sonstwo in Asien, denn ich habe Zeit und Geld genug, um zu reisen. Ich kann mir einen 60l-Rucksack voll Kleidung leisten, eine Kamera, einen Laptop usw. Mit zunehmendem Wohlstand in China können das die Einheimischen auch. Aber fragt mal den Bauer auf dem Dorf! Touristen sind reich!
–         Ich bin Tourist. Egal, wie sehr ich versuche, mich den örtlichen Gegebenheiten anzupassen, ich bin und bleibe die Fremde, die ungewöhnlich aussieht, merkwürdige Fragen stellt und Fotos macht.

 

 

 

 

 

Fortbewegung: Ich fliege und mache mir kein schlechtes Gewissen daraus. Schließlich ist China für einen kurzen Trip mit dem Fahrrad viel zu weit weg. Aber ich fliege auch, wenn ich in die Türkei oder nach Irland will. Da steht mir das Ziel über dem Weg. Ich verlasse mich darauf, dass auch das Fliegen immer umweltbewusster wird und mache mir weiter keine Gedanken drum.

Thailand 1992 Mit dem Fahrrad unterwegs

Thailand 1992 Mit dem Fahrrad unterwegs

Vor Ort nutze ich öffentliche Verkehrsmittel, und zwar immer das, mit dem ich am einfachsten und schnellsten zu meinem Ziel komme. Oder aber auch das, das mir den größten Erlebnisgewinn gibt: Fahrradtouren sind toll und längere Wanderungen führen mich zu Orten, wo ich nie hingekommen wäre. Doch genau damit habe ich auch so meine Bedenken. Ich fühle mich unwohl, wenn ich merke, dass ich einer der ersten Touristen an einem Ort bin.

Ich genieße es, wenn ich mal in einem schönen Hotel übernachte.

Ich genieße es, wenn ich mal in einem schönen Hotel übernachte. Hier das Mandarin Oriental auf Hainan. Übrigens mit eigener Kläranlage.

Unterkünfte: Irgendwer hat im Zusammenhang mit dieser Blogparade gesagt: Macht mehr Camping! Übernachtet im Zelt! Sorry, aber aus dem Alter bin ich raus. Und in China ist Camping noch sehr wenig bekannt. Ich übernachte gerne in Backpacker-Hostels, ziehe mittlerweile das Einzelzimmer mit Dusche dem Schlafsaal vor. Auf vielen Reisen habe ich auch schon in Luxus-Hotels übernachtet. Gegen die ist eigentlich nichts einzuwenden. Viele der Luxus-Hotels können sich leisten, was Hostels oder private Unterkünfte nicht können: Eine vernünftige  Müllentsorgung, Kläranlagen, Wärmedämmung…

Mit der Karte erst fließt der Strom

Mit der Karte erst fließt der Strom

In vielen Unterkünften, ob Luxus oder Herberge, bin ich auf folgende Umweltmaßnahmen gestoßen: Ein Schild, das darauf hinweist, dass man Wasser sparen soll. Licht und Fernseher funktionieren nur, wenn der Gast im Zimmer ist und seine Zimmerkarte in einen entsprechenden Kasten gesteckt hat. Besonders freue ich mich, wenn darauf hingewiesen wird, dass Bettwäsche oder Handtücher nur auf besonderen Wunsch des Gastes gewechselt werden. Das gibt es mittlerweile auch in Hotels der Luxus-Klasse. Und das gibt es auch in China!

 

 

Essen: Ich esse gerne die lokalen Spezialitäten. Für mich muss es nicht immer Pommes oder Cola geben. Eine Nudelsuppe beim lokalen Bauern ist mir lieber als das 5-Gänge-Menue im Restaurant. Nur beim Frühstück habe ich eine Schwäche: Ich mag das chinesische/asiatische Frühstück nicht. Dazu hier mehr. Aber ich bestehe nicht auf Toast und Kaffee. Mir reicht manchmal einfach ein Stück Fladenbrot oder eine Dampfnudel (Baozi).

Reisen abseits der Touristenpfade: Ich habe immer ein ungutes Gefühl, wenn mal wieder jemand davon erzählt, welche Anstrengungen er unternommen hat, um irgendwo hinzu kommen, wo noch nie ein Tourist/Fremder war. Da wird dann gerne mal angegeben: „Das Dorf da, da kannte man nicht einmal Cola!“
Schrecklich, wenn ich in ein abgelegenes Dorf in Nordthailand komme, mir die Hausfrau stolz Bratkartfoffeln serviert und dazu sagt. „Das hat mir der junge Mann aus Deutschland letzte Woche beigebracht!“ Oder die Frauen und Männer, die unter großen Anstrengungen und Mühen ganze Cola-Kästen in die letzten Gebirgsdörfer Nepals schleppen, weil die vielen Trekker nach Cola verlangen.

Nepal 1992: Annapurna Circuit

Nepal 1992: Annapurna Circuit

Übrigens gab es, als ich in Nepal den Annapurna-Circuit versuchte, eine Empfehlung an alle Trekker, wie sie sich umweltbewusst und nachhaltig in der fantastischen Berglandschaft bewegen sollten. Doch kaum jemand hat sich daran gehalten. Ich bemühte mich, so gut es ging: Trank Tee statt Cola, wusch mich mit kaltem Wasser und benutzte eine Öko-Seife.

Ich halte mich gerne in Städten auf, besuche örtliche Tempel und alte Stadtviertel. Ich betrete nur nach Einladung das private Grundstück einer Familie. So sehr die Neugier mich plagt, aber ich mag nicht hinter jede Haustür gucken. In den Parks und auf der Straße treffe ich die Einheimischen, lache und rede mit ihnen. Auch zwischen Hochhäusern kann man so das authentische China kennen lernen.

Link: 10 Tipps, wie man in China die Touristenmassen vermeidet

Link: Abfallbeseitigung auf dem Yangtze 1991

 

 

 

Yungan-Grotten Oben 1991 / Unten 2011

Yungang-Grotten
Oben 1988
Untern 2011

Umweltschutz in China: Ich schaue schon genau hin: Wie dreckig ist der Yangtze? Was passiert mit dem Müll? Wo wird Wasser verschwendet? Das kann ziemlich deprimierend sein. Aber ich sehe auch die positiven Entwicklungen. Schließlich reise ich seit fast 30 Jahren durch China. Ganz große Fortschritte hat die Aufforstung überall gemacht. Beispiel: Als ich 1988 die Yungang-Grotten bei Datong besichtigte, lagen diese in einer trockenen staubigen Wüste. Eine dünne Schicht von Kohlenstaub über allem von den zahlreichen Bergwerken in dieser Gegend. 2011 war ich wieder dort: Die Berge rundum waren bedeckt mit Bäumen, der Kohlestaub war nicht mehr so aufdringlich. Die Bäume waren noch jung, aber ich konnte mir schon gut die Wälder der Zukunft vorstellen. China ist ein riesiges Land mit großen Problemen. Man hat viele Fehler gemacht. Doch man bemüht sich auf allen Gebieten um ein besseres Leben mit mehr Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein.

Leave nothing but footprints: Präge Deine Gastgeber nicht durch Deine Wünsche und Vorstellungen. Und Dein Name hat auf der Großen Mauer nichts zu suchen!
Take nothing but pictures: Lass die Blumen stehen, kratze nicht an alten Mauern.

Wie bunt und lustig chinesische Abfallbehälter sein können, seht Ihr hier: Papierkörbe in China

14 Kommentare

  • Pingback: Die Liebe zum Detail - Abfalleimer in China

  • Pingback: Weekly Photo Challenge Enveloped / Umhüllt

  • Ich finde es so wichtig sich auf Reisen unauffällig zu verhalten und den Menschen und der Kultur nicht auf den Schlips zu treten. Respekt für die Orte, die man bereist und man bekommt auch Respekt zurück 🙂

    • bambooblog

      Da hast Du völlig recht. Sorry, Deine Kommentare landen anscheinend immer bei mir im Spam-Ordner. Ich weiß nicht, woran das liegt.

  • Ich freue mich sehr über diesen Blogpost, liebe Ulrike! 🙂 Leave nothing but footprints, take nothing but pictures – an diese schöne Reise-Philosophie versuche auch ich mich seit vielen Jahren schon zu halten. 😉

  • Pingback: Blogparade: Wie wichtig ist euch das Thema Nachhaltigkeit auf Reisen? | mee(h)r-erleben.de

  • Toller Beitrag, ich sehe die meisten Dinge aehnlich wie Du. Und danke fuer die Kommentare, die Du hin und wieder bei mir hinterlaesst. Freut mich, wenn der Blog auf fuer Menschen, die mich nicht persoenlich kennen, interessant ist. 🙂

    • Danke für deinen netten Kommentar! Ich finde immer alles, was mit China zun tun hat, interessant und freue mich, wenn ich per Blog sehe, wie andere Menschen China erfahren.

  • Ha, wir haben da eine sehr ähnliche Einstellung zum Thema. Ich versuche mich auch immer an den goldenen Mittelweg zu halten, mich den Einheimischen nicht aufzudrängen und im Hotel nicht die Handtücher etc. zu verschwenden. Und ich versuche genauso, an China auch das Positive zu sehen, obwohl das Land natürlich unbestreitbar seine Probleme hat …

    Fürs Zelten fühle ich mich übrigens auch zu alt 😉 Ich ertrage dieses eklige Klima in so einem Ding einfach nicht!

  • Du schreibst treffend, wie Touristen sich verhalten sollten. Respekt vor dem Land, vor der Kultur. Ich käme nie auf die Idee meinen Namen in eine Mauer zu ritzen. Was ich faszinierend finde, das ist deine Reiselust, dein Mut. Ich persönlich mag keine Backpack-Trips. Und Camping war mir schon immer ein Gräuel. Zwar war ich als junges Mädchen meist im Tomboy-Look unterwegs, aber die tägliche Dusche, das entspannende Bad, war unverzichtbar für mich. Und das ist es noch. Du magst es Reinlichkeitsfimmel nennen 😉

    Was Chinas Umwelt betrifft, so war doch ein Bericht im TV. Gabriel war in China und dort wird deutsche Hilfe gesucht, um die Umwelt nicht länger und noch mehr zu belasten. Und das finde ich gut. Und Japan auch. Chinas “Dreck” zieht leider übers Meer auf die Inseln und sorgt dort für Probleme. Und besonders in Tokio mag man das nicht.

    • Danke für Deinen Kommentar! Ich habe die heißen Bäder in Japan geliebt. Aber jeden Tag baden oder duschen ist nicht wirklich nötig, ja schadet sogar der Haut. Da kann man Wasser sparen. Nachhaltiges Reisen hängt auch immer viel von dem jeweiligen Land ab, in dem man reist. China ist auf einem guten Weg. Auch Japan hat seine eigenen Umweltverschmutzer. Da sollte man nicht immer auf China zeigen.

      • Jedes Land hat seine Problemzone(n), liebe Ulrike. Fakt ist aber, dass wie auch Kanada unter dem Dreck der USA, Japan unter China leidet. Zum Glück findet seit einer Weile ein Umdenken in China statt. Und auch das Industrieland Japan muss sich ändern. Alle Länder eigentlich, sonst wird die Welt bald völlig vergiftet sein.

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