Backpacker: Hände weg vom Alkohol unterwegs!

Zusammen mit anderen Backpackern warte ich auf den Bus nach Südthailand 1992

Zusammen mit anderen Backpackern warte ich auf den Bus nach Südthailand 1992

Im Zusammenhang mit der Blogparade von Thomas, an der ich auch teilgenommen habe, (“Welcher Reisetyp seid Ihr?”) bin ich auf einige erschreckende Beschreibungen des Typs „Backpacker“ gestoßen. Da wird der Backpacker als rücksichtsloser Mensch geschildert, der sich gerne besäuft und “die Sau rauslässt”. Da ich mich selbst überwiegend zu den Backpackern zähle, hat mich das sehr aufgewühlt.

 

 

Backpacker – was ist das?

Doch hier zunächst einmal die Definition des Begriffes von Thomas:

Backpacker
Rucksack auf und los, oft für viele Wochen oder Monate – unterwegs in den entlegensten Ecken der Welt. Bei der Unterkunft wird auf den günstigsten Preis geachtet – das Geld muss ja für viele Wochen reichen. Und das Budget ist oft knapp – also muss an allem gespart werden. Da schläft man dann schon mal im Hostel und teilt sich den Schlafsaal mit vielen anderen Reisenden.
Auf jeden Fall steht das unabhängige Reisen im Vordergrund, gerne auch abseits der großen Touristenströme. Outdoor wird natürlich im Zelt übernachtet, egal wie das Wetter draußen ist.

Dazu dann die Worte von Matthias von traveling-shapy.de

Den Backpacker sind auch: der Junge der in Australien unter Alkohol- und Drogeneinfluss gepaart mit seinem jugendlichen Leichtsinn das Auto seines Farmchefs gegen einen Baum gesetzt hat und nun monatelang arbeiten muss um die Schulden loszuwerden. Die Mädels in Guatemala, die barfuss auf der Straße herumschreien da der Taxifahrer ihnen angeblich einige Cent zu wenig rausgegeben hat oder der Kerl in Laos, der morgens nicht mal aufstehen kann ohne sich ein Bier aufzureißen.

Hier der Text, der mich so besonders aufgewühlt hat und mich zu diesemArtikel “Hande weg vom Alkohol unterwegs” inspiriert hat:

Ariane vom Blog “Heldenwetter” schreibt unter anderem:

Der Begriff “Backpacker” – und mein Problem damit
“Backpacker” ist einfach ein anderes Wort für jemanden, der individuell verreist, schreibt Florian in einem Gastpost auf Planet Backpack. Wikipedia sagt, ein Backpacker ist jemand, der nur einen Rucksack als Gepäckstück hat und selbstbestimmt zu verschiedenen Orten reist. Da müsste ich mich also dazuzählen, und einen Rucksack habe ich in den meisten Fällen auch auf dem Rücken. Dennoch fällt es mir schwer, mich als Backpackerin zu bezeichnen – da ich diese ganze Community drum herum eher meide als suche. Das liegt daran, dass mir viele eingefleischte Backpacker, denen ich begegnet bin, einfach sehr sehr unangenehm in Erinnerung geblieben sind. Sei es der Australier im billigsten Hostel Cuscos, der den ganzen Tag nur damit beschäftigt war, illegale Drogen zu konsumieren und sich darüber zu freuen, dass diese in Peru so günstig sind, seien es die Horden an Briten, die im Zug zwischen Bled und Zagreb ohne Rücksicht auf ihre Mitreisenden nervige Musik auf volle Lautstärke drehten und die Sitze zur Hüpfburg umfunktionierten oder die beiden deutschen Mädels in Lima, die sich abfällig und absolut unreflektiert über Land und Leute äußerten und hinterher auf ihren Facebook-Profilen davon erzählten, wie sehr sie das wunderbar mystische Peru doch beeindruckt hat – inklusive Reproduktion aller Klischees und Vorurteile. Sehr deutlich wurde mir die Backpacker-Community vor allem zwischen Massen an partybegeisterten Europäern in Cusco, wo eine richtige Touri-Parallelwelt aufgebaut wurde – “Weißen”-Discos dürfen Einheimische zum Beispiel gar nicht betreten.

“Backpacker” – für mich hat sich das zum Synonym entwickelt für Leute, die im Ausland nur nach Spaß suchen, nicht hinter die Kulissen gucken, vielleicht ein paar Sehenswürdigkeiten erkunden wollen oder das gezwungenermaßen tun, aber rein gar nichts von Kultur oder Geschichte des Landes mitnehmen, und die vor allem im Ausland Dinge machen, für die sie sich zu Hause schämen würden. Rücksichtnahme ist oft ein Fremdwort. Während sie sich über die Pauschalurlauber beschweren, die ja den ganzen Tag nur am Pool liegen, verbringen sie selbst den Großteil des Tages im Hostel und lernen nur andere Reisende kennen, anstatt Zeit mit Einheimischen zu verbringen. Auf der Suche nach dem Allerexotischsten landen sie an genau den Orten, an denen die allermeisten Reisenden sind. Für mich ist das eine Art moderner Kolonialismus – ohne großes Interesse an den Hintergründen eines Landes beutet man es für seine Zwecke aus, spricht nicht mit Einheimischen, sondern maximal mit anderen Reisenden über sie, es findet keinerlei Austausch und meistens nicht einmal individuelle Reflektion statt und es wird keine Rücksicht auf andere genommen.

Ich weiß, das klingt hart, und auf keinen Fall möchte ich alle, die sich als Backpacker bezeichnen, in einen Topf werfen, ganz im Gegenteil. Es ist mir nur in den vergangenen Jahren aufgefallen, dass man in Backpacker-Hostels, auf Partys, die explizit als “Backpacker-Partys” ausgeschrieben sind, oder in typischen “Backpacker-Bars”, eigentlich überall, wo “Backpacker” draufsteht, sehr oft solche Menschen antrifft.

Backpacker = ungehemmter Alkohol- und/oder Drogen-Konsum? Ariane schränkt ihre Aussage gleich wieder ein:

Selbstverständlich meist nicht unbedingt in der Überzahl, der Großteil der Backpacker ist schließlich sympathisch und vernünftig, aber auch wenn in einem Hostel zwanzig nette Leute sind, schon zwei oder drei der Sorte, die ich oben beschrieben habe, vermiesen mir den Aufenthalt. Außerdem verreisen solche Leute gefühlt gerne in Horden, was es schwierig macht, sie auf Partys oder in Hostels zu umgehen.

Nach einigem Nachdenken muss ich zugeben, dass ich solche Leute und Situationen auch schon öfter unterwegs erlebt habe. Da gab es Leute, die Drogen nahmen. Oder die berühmt-berüchtigten Fullmoon-Parties in Thailand. Ich habe es nicht in dem Ausmaß kennen gelernt, dass ich nun nicht mehr „Backpacker“ genannt werden möchte. Doch es ist schon erschreckend, wie viele Menschen sich unterwegs zudröhnen, auf den Alkohol unterwegs nicht verzichten können. Und muss das in einem südostasiatischen Land sein?CKG Bankett 3 Glaeser

Da möchte ich jedem nur zurufen:

Hände weg vom Alkohol unterwegs!

Die Gründe, die in meinen Augen für einen Alkoholverzicht unterwegs sprechen:

  • Warum reist man nach zum Beispiel Thailand, wenn man sich den Kopf vernebelt? Mit einem Brummschädel sieht man wenig vom Land. Es entgehen einem die schönsten Erlebnisse.
  • Die meisten Einheimischen meiden Menschen, die alkoholisiert sind oder unter Drogen stehen.
  • Man hat keine Kontrolle mehr über sich. Als Betrunkener bietet man Dieben und Räubern ein einfaches Spiel. Man wird vertrauensselig und unvorsichtig.
  • Schon mal ein asiatisches Gefängnis von innen gesehen? Das ist kein Spaß! Drogenbesitz und –konsum sind schwere Verbrechen in Asien. Das ist manchmal nicht mit ein paar Monaten/Jahren im Gefängnis erledigt, sondern kann sogar mit dem Tod bestraft werden. Wie ich vom Alkohol auf Drogen komme? Auch wenn man sich „nur“ volllaufen lässt, kann es passieren, dass einem Drogen ins Gepäck gesteckt wird. Oder man hat nicht so viele Hemmungen, mal etwas auszuprobieren.

Ich hab immer einen großen Bogen um diese Sorte Backpacker gemacht. Das ging bis zum Umzug in ein anderes Hostel. Zum Beispiel in Bangkok:

Zurück in Bangkok möchte ich nur noch schlafen und mich ausruhen. Ich habe mir diesmal ein Bett in einem Dreibett-Zimmer des My-House-Guesthouse genommen. Ein Bett gehört einem Kanadier, der ganz nett ist. Den Inhaber des dritten Bettes lerne ich erst so gegen 5:00 Uhr morgens kennen, als er zusammen mit einem anderen Mann ins Zimmer kommt. Sie machen ziemlich viel Krach und rauchen zu allem Überfluss Ganja – Marihuana. Ich sage ganz entschieden, dass sie sich verziehen sollen. Der eine meint, dass er gar nicht weiß, wohin er soll, denn unten im Restaurant dulden sie nicht, dass er raucht. Ich mache ihm klar, dass ich das ganz bestimmt auch nicht dulde. Der Kanadier, der von dem Lärm schließlich wach wird, stimmt mir zu. Verärgert ziehen die beiden ab. Am nächsten Morgen ziehe ich um.

Unterwegs als Backpacker habe ich nur sehr, sehr wenig alkoholische Getränke zu mir genommen. Ich hatte immer Angst, die Kontrolle zu verlieren oder leichtsinnig zu werden. Schließlich kannte ich meine Mitreisenden kaum.

Ein besonders schlimmes Erlebnis mit einem drogenabhängigen Backpacker hatte ich in Südchina: John und die Drogen

Ich habe einfach die Erfahrung gemacht, dass ich viel mehr Freude am Reisen habe, wenn ich mich mit klarem Kopf auf den Weg mache. Wenn ich weitestgehend auf Alkohol unterwegs verzichte. Dann sind die Farben leuchtender, die Menschen freundlicher und der Weg nicht so mühsam.

Das heißt nicht, dass ich ganz und gar auf ein Glas Wein verzichte. Besonders eine organisierte Gruppenreise bietet den Vorteil, dass man nette Leute kennen lernt, die einem ein wenig Sicherheit vermitteln. Ein lustiger Abend gemeinsam mit einem Glas guten Weins ist ein Highlight.

Aber besaufen? Nie! Wenn ich als Backpacker in China unterwegs bin, trinke ich gerne ein Bier zum Essen. Das hat dort übrigens weniger Alkohol als das deutsche Bier. Bei Einladungen und Business-Banketts, bei denen gerne Schnaps getrunken wird und häufig mit irgendwelchen Trinksprüchen angestoßen wird, kann ich mich auf mein Frau-sein berufen. „Als Frau trinke/vertrage ich nur wenig Alkohol“. Dieses Argument verstehen die Chinesen, denen zum Teil ein wichtiges Enzym zum Abbau von Alkohol fehlt. Deshalb trinken manche Chinesen wenig oder werden in kürzester Zeit fürchterlich betrunken.

Ich finde, dass das Reisen ohne Alkohol unterwegs mehr Spaß macht als mit.

Trotzdem bin und bleibe ich überwiegend eine Backpackerin, vielleicht mit einer Tendenz zum Flashpacker.

Fröhliches Jioazi-Machen in einem Backpacker-Hostel in Chengdu. Das war einfach großartig! Das Bier hin und wieder ist als "Alkohol unterwegs" erlaubt.

Fröhliches Jiaozi-Machen in einem Backpacker-Hostel in Chengdu. Das war einfach großartig!

15 Kommentare

  • Nun, generalisieren nach dem Motto “Auf keinen Fall Alkohol im Ausland” muss man das ja nicht. Denn wer sich selbst im Griff hat kann sicherlich auch mit seinem gesunden Menschenverstand abschätzen, wie weit er (oder sie) gehen darf. Nur was natürlich nicht geht: Nach dem Motto “Hier kennt mich niemand, also darf ich mich mal so richtig einen draufmachen” im Ausland die Sau raushängen lassen. Gerade in vielen arabischen Ländern ist Alkohol ja übrigens ohnehin unüblich. Und da schadet es niemandem, auch mal einheimische Getränke (wie zum Beispiel den leckeren Pfferminztee) zu probieren!

    • Ulrike

      Ach, irgendwie hats Du ja recht! Aber es ist dochso, dass, wenn man erstmal die ersten zwei Gläser getrunken hat (Schnaps o.ä.), die Versuchung schnell groß wird, weiterzumachen. Bier und Wein geht ja noch. Aber die harten Sachen würde ich grundsätzlich weglassen.

  • Pingback: 10mal Sicherheit für unterwegs

  • Pingback: Backpacker - die andere Seite

  • Hui, ich stoße erst jetzt darauf! Interessanter Artikel, danke für die Erwähnung 🙂 Ich bin ohnehin keine Person, die sich gern übermäßig zudröhnt, aber auf Reisen, wenn ich die Personen, mit denen ich unterwegs bin, nicht kenne, finde ich das noch viel leichtsinniger und unverantwortlicher. Habe ich noch nie gemacht.

    • Ulrike

      Ja, besser ist das! Hab gerade einen ganz fürchterlichen Artikel über die Fullmoon-Party auf Koh Phangan gelesen. Ne, das kann doch nicht wirklich Spass machen…

  • Zuhause trinke ich kaum Alkohol, unterwegs in der Regel gar nicht. Und genau wie du sagst Ulrike: Ich möchte ja mit allen Sinnen Land und Leute erleben. Außerdem halte ich nichts von exzessivem Konsum: Sei es Alkohol oder sonst was. Mit “Backpacker” assoziierte ich heute leider genau das, was Ariane beschreibt. Neben eigenen Erfahrungen (Und dazu zähle ich auch Begebenheiten wie knapp bekleidete, FlipFlop-tragende junge Frauen und Männer, die grölend durchs van Gogh-Museum in Amsterdam gezogen sind. Es gibt so etwas wie Etikette oder?) sind es vor allem die Bilder, die viele Rucksackreisende von sich selbst zeichnen. Auf Blogs, FB & Co. ist die Rede von Party, Party, Party, Land & Leute werden nur in den üblichen “Meine top 5 Tipps für…” mehr als oberflächlich (und meist sogar noch falsch dargestellt) abgehakt. Ich glaube vom Begriff “Backpacker” muss man sich verabschieden. Ob mit oder ohne Rucksack, die eigentlichen Kriterien für Reisende sind vielleicht: Kulturell interessiert oder nicht? Und: Kultiviert oder nicht? Ich glaube, viele wissen überhaupt nicht mehr, was “Kultur” eigentlich ist. Sonnige Grüße, Jutta

    • bambooblog

      Eine interessante Antwort! Bäh: grölende Menschen im Museum sind mir ein Graus! Ich hab das aber noch nie so schlimm erlebt…
      LG Ulrike

  • P.S. War allerdings eine Busreisegruppe mit eher gehobenem Altersdurchschnitt, keine Backpacker 🙂

    • bambooblog

      Solche Erlebnisse können richtig Spaß machen! Aber Du hast recht: Der Verlust der Kontrolle wäre auch mein schlimmster Albtraum.

  • Ich kann nicht sagen, dass ich im Urlaub Alkohol meide. Aber ich trinke nie zu viel, nie würde ich die Kontrolle verlieren wollen. Ich hatte aber auch schon echt nette Erlebnisse, etwa bei der Reisegruppe in dem völlig abgelegenen Viertel von Rom, wo es kein einziges richtiges Restaurant gab. Es gab nur so eine Art Kiosk-/Eiscafé-Lokal, in dem es auch verschieden Pizzen und Nudeln gab. Die Pizza war unerwartet klasse und wir haben dem Wirt den ganzen Rotwein leergetrunken, sodass er schließlich Tetrapaks öffnen musste 😀 Wir waren alle lustig, aber niemand war betrunken 🙂

  • Alkohol meide ich generell. Der Geruch von Bier und Wein, weckt Übelkeit in mir. Auch das Verhalten Betrunkener beider Geschlechter. Leider gibt es auch in Japan (immer mehr) Jugendliche, die bis zur Bewusstlosigkeit trinken. Ein offenbar weltweites Phänomen. Wer sich im Urlaub betrinkt, sollte auch die Risiken kenne. Die reichen vom Raub, bis zur Vergewaltigung. Dazwischen liegt die Blamage.

    • bambooblog

      Du hast so recht! Ich hab da auch kein Verständnis für. Hier in Hamburg gibt es fats jeden Sonntag junge Leute, die in Bahnhofsmission kommen, weil man ihnen alles abgenommen hat, als sie auf der Reeperbahn feierten. Kann man nicht auch Spaß haben ohne Unmengen von Alkohol?
      LG
      Ulrike

  • Moin,

    ich kann Dir nur zustimmen: Finger weg von allem Zeug! (ohne moralische Instanz),

    Ich selber trinke auf unseren Reisen gerne mal ein Bier, am Abend, auf dem Campground am Grill. Naja, soweit man den amerikanischen Versuch zu Brauen als Bier bezeichnen kann. Aber sonst? Betrinken? Never!

    Aber, ich mache das zu Hause auch nicht. Wir haben oft kein Alkohol im Haus und auch wenn wir ausgehen, ein Glas Wein oder ein Bierchen beim Essen und gut ist.

    Zu den Backpackern und der Szene kann ich nicht viel sagen, da wir noch die eine typische Backpacker-Unterkunft von innen gesehen haben. Daher kann ich kein Urteil darüber abgeben.

    LG Thomas

    • bambooblog

      Ja, stimmt, das hab ich ganz vergessen: Zuhause trinke ich auch nicht viel. Zusammen mit Freunden kann es aber auch schon etwas mehr als ein Bier sein. 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.