Drachenboot – Fest

Der 20. Juni 2015 ist in China ein offizieller Feiertag: Drachenboot – Fest. Eigentlich ein lokaler Brauch in Südchina, der seit mehr als 2.000 Jahren nachweisbar ist, wurde das Drachenboot-Fest 2008 zum offiziellen nationalen Feiertag für ganz China. Damit wollte man die immer schwieriger werdende Situation der Urlaubstage rundum den Nationalfeiertag (1. Oktober) und Frühlingsfest entschärfen, an denen sich die chinesischen Massen in Urlaub begeben und das öffentliche Leben für ca. 1 Woche fast zum Erliegen kommt.

Dieses Jahr ist bringt dieser Feiertag ein langes Wochenende, denn Feiertage, die auf ein Wochenende fallen, werden am nächsten Werktag nachgefeiert. Also gibt es für die meisten Chinesen ein langes Wochenende vom 20. bis zum 22.06.15 Das hat seine Auswirkungen auf meinen Job: Meine Ansprechpartner bei der Reiseagentur in China haben am Montag frei.

Im Büro habe ich mal rumgefragt, ob das Drachenboot – Fest denn auch in Deutschland von den Chinesen gefeiert wird. Erstaunte Blicke von allen, die schon länger als 10 Jahre in Deutschland leben: Drachenboot-Fest bedeutet allenfalls das Essen der Klebreiskuchen Zongzi. Und: „Das ist doch einfach ein lokales Fest in Südchina.“ Trotzdem finden auch in Deutschland allerdings über den Sommer verteilt Drachenbootrennen statt. Das größte in Hannover, meiner alten Heimat!

Was macht dieses Fest so würdig, dass man es feiert, ja zum offiziellen Feiertag erklärt hat?

Dazu gibt es eine Legende:

Es gab einmal einen Dichter, Qu Yuan (340 – 278 v. Chr.). Er war Minister im Staate Chu. Er trat dafür ein, gegen die Qin zusammen mit den Qi zu kämpfen. Damals gab es noch kein geeintes China, sondern viele kleine Staaten, die sich spinnefeind waren. Deshalb hieß die Zeit auch die Periode der „Streitenden Reiche“ (476–221 v. Chr.). Qu Yuan war in seinem Land bekannt als besonders loyal und ehrlich. Er setzte sich für Frieden und Wohlstand ein. Er wurde von dem neidischen und korrupten Prinzen Zi Lan verleumdet und infolgedessen vom König aus dem Land verbannt. Qu Yuan war so patriotisch, dass er im Exil aus Trauer viele Gedichte schrieb. Die machten ihn sehr berühmt. Aber als er sein letztes Werk vollendet hatte, nahm er einen großen Stein, umarmte diese und sprang mit ihm in den Fluss Miluo, wo er ertrank. Er wollte lieber sterben, als seine Heimat erobert und besetzt durch den Staat Qin zu sehen.

Die Menschen entlang des Flusses waren entsetzt. Die Fischer suchten seine Leiche mit Booten. Sie fütterten die Fische im Fluss, um die Fische von dem Dichter abzulenken und damit sie ihn nicht fressen. Dieses spezielle Futter bestand aus salzigen Eiern und Zongzi, den Klebreiskuchen. Andere Legenden besagen, dass die Fischer sich Sorgen machten, weil die Leiche nie gefunden wurde. Um den Dichter, der möglicherweise noch als unglücklicher Geist sein Unwesen am Fluss trieb, schmissen sie Reis in den Fluss, um den Geist zu beruhigen. Das taten sie jedes Jahr am 5. Tag des 5. lunaren Monats. Aber in einem Jahr erschien Qu Yuan den Trauernden und berichtete, das ein riesiges Monster den Reis gestohlen habe. Der Geist von Qu wies die Leute an, den Reis in Blätter zu wickeln und mit 5farbigem Band zu umwickeln, bevor das in den Fluss geschmissen wurde.

Um an den großartigen patriotischen Dichter zu erinnern, essen auch heute noch die Menschen Zongzi und salzige Eier. Da Qu Yuan am 5. Tag des 5. lunaren Monats starb, wird das Fest auch „Doppelfünf“ genannt. Der Tag fällt in der Regel in den Juni.

Die Drachenbootrennen sollen an die zahlreichen Versuche der Fischer, die Leiche Qu Yuans zu finden, erinnern. Mittlerweile hat sich daraus ein Sport entwickelt, der überall auf der Welt sehr beliebt ist.

Drachenboot-Chronometer

Drachenboot -Chronometer

 

Mehr zu dem in dem Foto gezeigten Drachenboot – Chronometer gibt es hier.

Sehr interessanter und amüsanter Artikel über das Drachenboot – Fest findet Ihr bei Shaoshi. Da gibt es auch das Rezept für die Zongzi

 

5 Kommentare

  • Franz-Josef Knüwer

    Hallo Michael, so kommst Du ja auch mal zu einigen mehreren freien Tagen.
    Sicherlich gibt es bei euch nicht so viele Urlaubstage wie in Deutschland.

    • bambooblog

      Wer ist Michael?
      In China gibt es zwar nicht so viel Urlaub, dafür aber eine schöne Einrichtung: Feiertage, die aufs Wochenende fallen, werden am nächsten Werktag nachgeholt.

      Beste Grüßejavascript:void(0)
      Ulrike

  • Danke fürs Verlinken! Ich habe deinen Artikel bei mir auch aufgenommen, sie ergänzen sich so gut 😀

    Interessant, was deine Kollegen dazu sagen! Nanjing zählt dann wohl südlich genug. Mein Mann erinnert sich, dass sie früher (als das noch kein offizieller Feiertag war) auch schon immer den Nachmittag frei hatten. Und neben Zongzi war auch immer schon das Essen im Kreis der Familie (Eltern und Kinder) sehr wichtig.

    • bambooblog

      Aha! Sehr interessant! Danke gleichfalls fürs Verlinken! Hmm, vielleicht geht die Erinnerung mit dem großen Abstand auch verloren…

  • Pingback: Drachenbootfest – Von Eiern, Pyramiden und einem giftigen Monat | Shaoshi in Shanghai

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