Rishengchang – Wechselbank im alten China

In Pingyao gab es im 19. Jahrhundert um die 40 Bankhäuser. Das bedeutendste war die Rishengchang Bank.( 日升昌票号)

Plan der Rishengchang Bank

Plan der Rishengchang Bank

Der Plan der Wohnanlage zeigt die Größe und Bedeutung der Bank. Zwei Eingänge führen von der Weststraße (oben) in den Komplex. Urprünglich war dies ein Tuchfärberladen, der dem Geschäftsmann Li Daquan gehörte. Im 18. Jahrhundert war der Besitzer des Ladens reich geworden. 1823 wurde hier die Rishengchang Bank eingerichtet, die erste private chinesische Bank, die sich mit Krediten, Überweisungen und Sparkonten beschäftigte. Man legte besonderen Wert auf Ehrlichkeit und korrekte Geschäftsführung. Der erste Manager (Geschäftsführer) war Lei Lutai, der seine Mitarbeiter mit einem ausgeklügelten System von Belohnung und Strafen führte. Schnell wurde mit ihm die Bank zur bedeutendsten in China. Zahlreiche Filialen entstanden im ganzen Land und erleichterten so den Geldtransfer.

China Radio International zur Geschichte von Rishengchang:
Rishengchang war eigentlich ein großer Familienbetrieb, der sich hauptsächlich auf den Farbenhandel spezialisiert hatte. Überall im Lande verfügte Rishengchang über Filialen und Lieferanten. Mit der Entwicklung des Farbengeschäfts ging es immer häufiger auch um überregionalen Geldtransfer. Um dabei ebenso Zeit zu sparen wie die Risiken des Geldtransports über weitere Strecken zu minimieren, haben die landesweit verstreuten Filialen der Farbengeschäfte auch begonnen, Geldüberweisungen zu bearbeiten. Und das geschah so: In der Filiale von Rishengchang im Ort A wurde ein Betrag eingezahlt, und diese Einzahlung wurde auf dem Postweg bestätigt. Mit dieser Bestätigung ging der Empfänger im Ort B in die Filiale von Rishengchang und bekam dort sein Geld ausgezahlt, ohne dass bares Geld bewegt werden musste. Rishengchang entwicklete also eine Art hausinternen Scheckverkehr. Derartige Geldüberweisungen waren ursprünglich vertrauenswürdigen Bekannten vorbehalten und gebührenfrei. Aber nach und nach fanden die geschäftstüchtigen Shanxier, dass diese Dienstleistung sehr gefragt war und dass man damit Geld verdienen konnte, und zwar neben dem Farbenhandel. So wurde aus dem ursprünglichen Farbenhandel Rishengchang mehr und mehr ein Geldinstitut.

Nachdem es eine Zeit lang während der Qing-Dynastie keine Banknoten mehr gab, beruhten Geldgeschäfte auf Silber und Gold. Doch die Banknoten wurden wieder eingeführt. Man kann in Pingyao auch eine alte Gelddruckerei besichtigen.

In dem fast 1.300qm großen Komplex kann man die alten Büros besichtigen, mehr über die Geldgeschäfte erfahren. Auch eine Küche gibt es mit riesigen Woks und alten Kochgeräten. (Das finde ich viel interessanter als Kassenschalter und Büros.)

In den hinteren Höfen wohnten die Angestellten. Außerdem gab es Ruheräume für wichtige Kunden. Zur Bewirtung dieser Geschäftsleute gehörte neben Tee und Delikatessen auch die Opiumpfeife.

Über der ganzen Anlage hatte man früher ein metallenes Netz gespannt, an dem kleine Glöckchen hingen. Eindringlinge sollten so früh entdeckt werden können. Schließlich lagerte in der Bank immer eine große Menge an Silber, Gold und Banknoten. Es gibt in Pingyao auch alte Geldtransport-Unternehmen zu besichtigen, die in einem der Höfe Übungsplätze für die Wachmannschaften boten. Auf Sicherheit wurde großen Wert gelegt.

Während ihrer Blütezeit hatte die Rishengchang Bank Filialen in 35 chinesischen Städte und tätigte Geschäfte in ganz Ostasien und sogar bis nach Amerika. Mit der zunehmenden Bedeutung westlich orientierter Banken, verlor Rishengchang an Geschäft und wurde schließlich 1932 geschlossen.

Impressionen

Weitere Informationen:

China Radio International: Rishengchang Bank

Mein Artikel zu Pingyao

 

 

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