Von der Angst vor der Reise : Als Frau alleine reisen

“Was rätst Du einer Frau, die zum ersten Mal alleine verreisen will?”, wurde ich kürzlich gefragt. “Interessante Frage!”, blockte ich zunächst ab, und dachte nach. Hier nun das Ergebnis.

Viele Menschen, vor allem Frauen, möchten gerne verreisen, haben aber keinen Reisepartner, oder sie wollen am liebsten alleine reisen, wissen aber nicht wie und ob sie das aushalten werden. Selbstzweifel bestimmen für eine zeitlang die Gedanken an die Reise. Kann ich das? Will ich das wirklich? Was kommt da auf mich zu?

Auch mich haben diese Fragen (vor langer Zeit) belastet, bewegt, beunruhigt. Doch es gab ein Prinzip, das über allem stand:

Ich will das sehen und ich werde dahin reisen!

Natürlich habe ich auch nach Reisebegleitern gesucht und Freundinnen gefragt, ob sie mitkommen wollten. Wenn sich da aber nichts ergab, bin ich trotzdem gereist. Hier nun also meine Tipps zum Thema “Als Frau alleine reisen”

Wie kannst Du nun herausfinden, ob das alleine reisen für Dich das Richtige ist?

1. Bist Du zufrieden/glücklich, wenn Du mal einen Abend alleine Zuhause verbringst?
Greifst du nicht sofort zum Telefon, um Dich wenigsten mit einer Freundin unterhalten zu können? Was machst du, wenn Du niemanden erreichst? Fühlst Du Dich einsam, ängstlich, unsicher?
Wenn Du Dir Deine Antworten anschaust, wirst Du schon einen ersten Hinweis finden, ob Du reif für den Urlaub alleine bist.

2. Gehst du auch Zuhause alleine ins Restaurant, ins Museum, ins Theater?
Du willst gerne eine Ausstellung sehen und gehst nicht hin, weil Du niemanden findest, der mit Dir geht? Du fühlst Dich so unwohl alleine im Restaurant, dass das Essen nicht schmeckt?
Unterwegs wirst Du häufig – aber nicht immer – jemanden finden, der mit Dir reist, essen geht, Deine Aktivitäten teilt. Da ist es gut, dieses “alleine ausgehen” mal zu testen und zu üben.

Ulrike allein in einem Cafe in Paris: als Frau alleine reisen

Ulrike allein in einem Cafe in Paris

3. Warst Du schon mal im Schlafsaal einer Jugendherberge?
Wenn Du genug Geld für ein Einzelzimmer hast, ist das natürlich wunderbar. Aber so ein Schlafsaal in einem Hostel unterwegs hat auch den Vorteil, dass es nicht nur preiswert ist, sondern auch eine gute Möglichkeit, andere Reisende kennen zu lernen.

4. Wie pingelig bist Du?
Unterwegs wird Dir so einiges begegnen, was nicht mit den Hygienestandards zuhause übereinstimmt. Wenn Du Dich in einem öffentlichen Klo in Deutschland schon vor einer Bremsspur ekelst oder vor Haaren im Waschbecken, dann solltest Du Deinen Entschluss, in ferne Länder zu reisen, überdenken. Denn da gibt es öffentliche Toiletten, die jeder Beschreibung spotten. Mein schlimmstes Hotel unterwegs

5. Hast Du ein Ziel?
Warum willst du zu einem bestimmten Ort reisen? Gibt es den Ort, das Land überhaupt?
Wenn Du nicht weisst, wo Du hin willst, wird es schwierig mit dem alleine Reisen. Denn schnell machst Du Dich abhängig von den Wünschen möglicher Reisebegleiter. Ein bestimmtes Ziel war für mich immer der größte Ansporn, als Frau alleine zu reisen.

Alleine Reisen kann man üben! Geh mal alleine ins Museum, mach eine Fahrradtour alleine und fühle hinterher mal in Dich hinein: Hat das Spaß gemacht? Hast Du Dich wohlgefühlt? Wenn Dich ein Glücksgefühl packt, weil Du alleine und unabhängig diesen Ausflug gemacht hast, dann ist das ein gutes Zeichen. Der nächste Schritt ist ein Kurztrip in eine Stadt, die Du schon immer mal sehen wolltest. Wie fühlt sich das an? Alles gut überstanden? Immer noch glücklich? Dann steht doch einer großen Reise alleine nichts mehr im Weg!

Eins kann ich Dir versprechen: Du wirst unterwegs immer Leute finden für eine kurze gemeinsame Strecke, für ein nettes Gespräch. Wirklich einsam wirst Du sehr selten sein. Wenn Du den Kontakt zur Bevölkerung suchst, dann versuch es mit Couchsurfing. Auf diese Weise hast du gleich Kontakt, wenn Du irgendwo ankommst. Dann gibt es auch die vielen Hostels überall, in denen man auf Menschen aus der ganzen Welt trifft. Also: Als Frau alleine reisen hat meistens nichts mit Einsamkeit zu tun!

Das Wichtigste bleibt: Wenn Du es wirklich willst, wirst Du es tun!

Hier noch ein kurzes Zitat aus meinem Reisetagebuch “China 1987”. Damit Du siehst, auch mich haben viele Ängste geplagt, bevor ich in ein so absolut fremdes Land reiste. Doch ich wollte dahin, also bin ich dahin! Und das Gefühl, diese Reise geschafft zu haben, all das Exotische, Fremde gesehen zu haben, tatsächlich die Terrakotta-Armee in Xi’an gesehen zu haben, das Gefühl ist unbeschreiblich – pures Glück – für mich!

Start ins Abenteuer
Start ins Abenteuer? Ja, genauso fühlte ich mich! 1 Jahr lang hatte ich mich auf meine Reise nach China vorbereitet, alles gelesen, was mit China auch nur entfernt zu tun hatte. Dann, so ungefähr vor einem Monat war mir bewusst geworden, dass es nun wirklich hieß: Auf nach China! Da hatte ich mein Ticket nach Hongkong. Und mein Visum war schon fein säuberlich in meinen Pass gestempelt.
Mich packte die reine Panik. China – so fremd, so exotisch! Eine Sprache, die ich nicht konnte; eine Kultur, die ich nicht verstand; fremdes Essen und fremde Sitten. Darauf wollte ich mich wirklich einlassen?! Mir fielen die Bemerkungen und Fragen guter Freunde ein, die ich vorher doch immer so leicht abgetan hatte: „Wie kommst Du ohne die Sprache zu können zurecht?“ – „Was machst Du, wenn Du keine Unterkunft findest? – Wie findest Du überhaupt eine Unterkunft?“ – „So ganz alleine – ist das nicht gefährlich?!“
Vier Wochen vor meiner Abreise fing mein Lampenfieber an: nachts fand ich manchmal nur für wenige Stunden Schlaf, der dann noch mit Alpträumen über Nächte im Straßengraben und Mahlzeiten von Skorpionen und Schlangen angefüllt war. Mich packten regelrechte Anfälle von Durchfall. Tagsüber schleppte ich mich ins Büro, in dem es zu der Zeit nur Chaos gab. Eine Krisensitzung folgte der nächsten. Das sorgte auf alle Fälle für Ablenkung. Ich schob jeden Gedanken an China weit von mir. Die Bücher über China lagen unbeachtet in der Ecke. Insgeheim hoffte ich, dass doch noch ein Wunder geschah und ich nicht nach China „musste“.
Doch auch zwei eingewachsene Zehnägel, die 10 Tage vor Abreise schmerzhaft gezogen werden mussten, schienen kein ausreichender Grund zu sein, meine Reise nach China nicht anzutreten. Dem Arzt allerdings sagte ich vorsichtshalber nichts von meinen Reiseplänen. Der hätte mich sonst nicht reisen lassen! Am Morgen des 17. Oktober, meinem ersten Reisetag, passen meine dick verbundenen Zehen wenigstens halbwegs in meine Turnschuhe.

Wie kommt es, dass ich so gerne als Frau alleine reise? Hier findet Ihr die Antwort: Alleine – mit dem Rucksack

Eine umfangreiche Liste von Artikeln zum Thema “Frau – alleine – reisen” findet Ihr auf dem Blog von Ilona: Wandernd – Tipps von und für alleinreisende Frauen (Linkliste)

14 Kommentare

  • Hey Ulrike,

    sehr gute Fragen, die du da stellst – beziehungsweise die du empfiehlst, dass sie sich Leute vor dem ersten Alleinreisen einmal stellen!
    Sehr toll, dass du noch einen so alten Tagebucheintrag hast, der ja wirklich einen guten Einblick bietet. Wie du schon sagst – auch wir Alleinreisenden waren und sind nicht vor Ängsten oder Sorgen gefeilt.
    Wir sitzen letztlich alle im selben Boot, es kommt dann nur darauf an, ob man sich traut, ins Wasser zu springen oder nicht – und ob man das kühle Nass lieben lernt, oder lieber schnell wieder an Land klettert und nie wieder ein Boot betreten mag. Da sind wir dann vielleicht doch alle wieder anders ;-).

    Beste Grüße,
    Marie

    • Hallo Marie,
      du bringst es auf den Punkt! Ich bin Reiseverkehrskauffrau und habe gelernt, meine persönlichen Vorlieben nicht auf meine KUnden zu projizieren. Jeder ist anders,jeder möchte andere Dinge Erleben und sehen. Und wenn dann jemand sein Leben nicht aus seinem Dorf rauskommt und dabei glücklich und zufrieden ist, dann ist das wunderbar! Nur Dich und mich hat eben der Travelbug fest im Griff.
      Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.
      Ulrike
      p.s.: ich habe alle meine alten Reisetagebücher noch, sogar das von der Klassenfahrt nach Rom 1972…

  • Ich verreise immer wieder mal alleine – einfach dann, wenn die einzige Alternative sonst wäre, gar nicht zu verreisen. Wenn ich aber irgendwas besuchen will, dann will ich da hin – auch wenn keiner mitkommt. Das gilt auch für Museen und Theater, für Wanderausflüge und sonstige Veranstaltungen.
    Je nachdem, wo es hin geht, reise ich dann eben wirklich alleine oder ich buche eine Studienreise – das ist für mich die perfekte Kombi aus Sicherheit und Geselligkeit und Rückzugsmöglichkeit.
    Alles in allem würde ich aber (fast immer) lieber mit einem guten Freund reisen, als alleine.

  • Bei mir war der ausschlaggebende Punkt fürs Alleinreisen, dass niemand die Orte bereisen wollte, die mich damals interessierten. Ich gehe überall gerne allein hin. Nur alleine Restaurants besuchen finde ich doof. Zusammen essen ist einfach schöner. Zum Essen gehört in allen Kulturen Geselligkeit, aber das ist nebensächlich. Hostels und Schlafsäle und geteilte Bäder sind definitiv nicht mein Ding, solange es Alternativen gibt : ) Aber wie du schon sagst: Möchte ich oder möchte ich nicht? Der Wille ist entscheidend. Sonnige Grüße, Jutta

  • Da sprichst du viele wichtige Punkte an!

    Wobei das mit der Pingeligkeit ja streng genommen nicht so sehr mit dem Alleinereisen zu tun hat, sondern mit dem Zielland. Ich grusel mich vor fast jeder deutschen öffentlichen Toilette und die Beschreibungen der sanitären Anlagen in so manch fernem Land sind für mich Grund genug, wehmütig zu seufzen und mich damit abzufinden, nur in Gedanken in diese Länder zu reisen.

    Alleine bin ich früher aber trotzdem gereist, das erste Mal mit 19 nach Finnland, wenig später nach Schweden und Island, und ehrlich gesagt vermisse ich es heute manchmal… dieses Abenteuergefühl, diese Freiheit, einfach tun zu können, was man will ohne dass einem jemand reinquatscht…

    • Ulrike

      Du hast recht! Aber wenn man reisen will egal ob alleine oder mit mehreren, dann muss man sich auch mit solchen Dingen wie Hygiene auseinandersetzen.
      Ist denn jetzt “nur” die Hygiene der Grund für dich, nicht zu reisen? Oder reist Du jetzt eben nicht alleine?

      • Oh, habe ich mich unklar ausgedrückt? Doch, doch, ich reise noch, natürlich :)! Und sehr gerne :)! Aber bislang nur in Länder, wo es halbwegs sauber ist ;). Und nicht mehr alleine, denn jetzt ist eben mein Freund dabei. Das ist ja auch schön, aber manchmal vermisse ich das Alleinereisen trotzdem…

        Bzgl. der Hygiene ist es übrigens auch nicht so, dass ich ein supertolles Bad brauche. Ich komme auch mit der Natur gut klar. Aber wenn es eben keine unberührte Natur gibt, sondern nur Siff-Toiletten… das ist mein Horror 😉

      • Ulrike

        Länder, wo es halbwegs sauber ist: Das schränkt das Reisen ganz schön ein. Vor allem, wenn ich an deutsche Raststätten-Toiletten denke…. 😉

      • Die kann man ja gottseidank vermeiden… 😀 .

  • Ich verreise schon seit vielen Jahren so gut wie ausschließlich alleine. Ich habe ein einziges Mal einen damaligen guten Freund auf eine Reise mitgenommen, und bin manchmal regelrecht verzweifelt. Was als Traumurlaub geplant gewesen ist, hat sich aufgrund unserer verschiedenen Ansichten und Vorstellungen und auch leider, leider seinem Herumgezicke bisweilen zu so etwas wie einem Horrortrip entwickelt…

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