Peking Houhai: Alt und neu

Houhai 1988
Die Gegend um die kleinen Seen nördlich des Beihai-Parks wird Houhai genannt. Die hinteren Seen. Als ich hier 1988 zum ersten Mal neugierig die schmalen Gassen, die sog. Hutongs, erkundete, war es ruhig. Graue, fensterlose Mauern, manche Tür reich verziert. Manchmal ertönte der laute Ruf des Tofu-Verkäufers. An den Ecken kleine Läden, Obst, Zigaretten, Schnaps und Telefongespräche. Eine eigene kleine Welt.

Noch weiter nördlich standen der Glocken- und der Trommelturm mitten in dem grauen Dächermeer. Vom Glockenturm hatte ich damals einen guten Blick in die Höfe der alten Siheyuans, den 4-Seiten-Höfen. Vollgestopft mit Holzlagern, Ziegeln, Vorratskrügen, Fahrrädern, Hühnerställen. Ein Leben in Enge mit vielen Menschen in kleinen Zimmern.

1988

1988

Zwischen Glocken- und Trommelturm befand sich ein lebhafter Gemüse- und Kräutermarkt.

Wie sehr hat sich alles geändert!

Damals hat man geglaubt, dass diese alten Hutongs, wie die Gassen genannt werden, bald verschwinden würden. Es sind in Peking auch Tausende alte Stadtviertel abgerissen worden. Wie konnte man auch diese endlos großen Filetstücke mitten in der Stadt so lassen?! Natürlich gab man dem Wunsch nach glitzernden Shoppingmalls und funkelnden Hochhäusern für Verwaltung, Banken und Hotels nach.

Houhai 2011-2015
Doch es gibt sie noch: Die Pekinger Altstadtviertel, die Hutongs. In manchen Ecken noch ganz ursprünglich und in anderen bunt und lebendig. So wie in den Vierteln rund um Houhai. Hier reiht sich Restaurant an Restaurant, Bar an Bar. Ganze Straßen sind dem Verkauf von Souvenirs gewidmet. Alte Wohnhöfe sind renoviert. In manchen kann man sogar übernachten.

Nur wenige Schritte muss man gehen, um die alten grauen Gassen zu finden mit ihren öffentlichen Toiletten, die man schon von weitem am Geruch erkennt, mit den alten Häusern, die heute nicht mehr so gedrängt voll sind. Doch immer noch gibt es die Häuser, deren Fenster statt Glas Papier aufweisen. Es gibt jetzt fließend Wasser! Strom, Fernseher. Aber keine Parkplätze. Denn die Gassen sind so eng, dass kein Auto durchkommt. Nur die Fahrräder und die Touristen-Rickschas.

Als ich im September 2015 dort durch die Straßen wanderte, sah ich kaum westliche Touristen. Die meisten, denen ich begegnete, waren junge Chinesen, fröhliches Party-Volk. Den Menschen geht es gut. Denn sie können sich das teure Bier in den netten Bars leisten: 40,- RMB für 0,3 l Tsingtao-Bier oder Yanjing-Bier. Mir hat es ja fast die Lust an einem Bier verschlagen. Schließlich kontte ich am Kiosk ein Bier für 3 – 4 RMB bekommen. Im Restaurant in der Nähe meines Hotels kostete das Bier 8,- RMB. Aber ich hab es mir trotzdem gegönnt. Und mit Spaß und Freude auf das bunte Treiben geguckt.

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2 Kommentare

  • Schöne Eindrücke, vor allem natürlich die von früher, echt nicht wiederzuerkennen!

    Da bin ich neulich auch durchgekommen, aber die Ecke war mir ehrlich gesagt zu hipstermäßig 😉 Wir sind da “nur schnell durch”, um zu Prinz Kung zu kommen, über den ich in Kürze was schreibe.

    Westliche Touristen habe ich da übrigens in Massen gesehen und das nur ein paar Wochen nach dir.

    • Ulrike

      Ich war am frühen Nachmittag. Da war insgesamt noch nicht viel los. Kann auch sein, dass wegen des Feiertags am 3.09. wenige Westler in Peking unterwegs waren.Auf Prinz Gong bin ich schon gespannt. Da war ich zum ersten und einzigen Mal 1988. Houhai finde ich mittlerweile auch nicht mehr so interessant. Aber ich könnte Dir für Peking noch was empfehlen. Hutong-Mäßig… demnächst

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