Hühnchen mit Erdnüssen – Gong Bao Jiding

“Hühnchen mit Erdnüssen” ist ein Gericht, das in China als typisches Touristenessen verschrien ist. Aber ich liebe es! Es ist einfach lecker! Schon bei meiner ersten China-Reise 1987 fand ich es köstlich. Nur wusste ich nicht, wie es auf Chinesisch hieß und bekam es entsprechend selten auf den Tisch. Doch auch das lernte ich relativ schnell. Also stand es bei meinem Besuch in Peking 1988 etwas häufiger auf dem Tisch. Es gibt drei Gerichte, die ich in China am liebsten jeden zweiten Tag essen würde:

Hühnchen mit Erdnüssen

Zu einem Touristenmenue gehört Hühnchen mit Erdnüssen einfach dazu (im Vordergrund)

Mapo-Doufu: Tofu mit Hackfleisch
Yu xiang rou: Dieses findet man in deutschen China-Restaurants auf der Speisekarte meistens unter “Rindfleisch mit Paprika”. Die direkte Übersetzung lautet “Nach Fisch duftendes Fleisch”. Davon später mehr!
Und eben das “Hühnchen mit Erdnüssen”

Hühnchen mit Erdnüssen heißt auf Chinesisch
Gong Bao Ji Ding Schriftzeichen

Anfang des 19. Jahrhunderts gab einen Gouverneur mit Namen Ding Bao Zhen in der Provinz Sichuan, der den Titel 宫 保 gōng bǎo Wächter des Palastes trug. Er liebte Hühnchen, aß es am liebsten sehr scharf und mit Erdnüssen. Während der Kulturrevolution (1966 – 1976) war der Name politisch nicht korrekt und der Name wurde rasch geändert in Hongbao Jiding (Rotgebratene Hühnchen-Stücke) oder Hula Jiding (plötzlich scharfe Hühnchenstücke). Der alte Name wurde wieder aufgenommen (rehabilitiert!) in den 1980ern, als Deng Xiaoping seine Reformen begann.

Da ich weiß, dass Erdnüsse ihren Ursprung in Amerika hatten, habe ich auch gleich mal recherchiert, ob Herr Ding diese überhaupt schon gekannt hat. Vielleicht hat man damals andere Nüsse genommen. Es heißt, dass alte chinesische Schriften von der Kultivation der Erdnuss bereits im 14. Jahrhundert berichten. Archäologen haben anscheinend in China Samen der Erdnuss gefunden, die mehr als 6000 Jahre alt sein sollen, also aus der jüngeren Steinzeit. Aber das war wohl eine andere Art. Die Samenfunde bedeuten auch nicht, dass die Chinesen damals die Erdnuss angebaut haben. Das waren auch nicht die modernen Varianten. Die heutigen Erdnüssen, wie sie in der chinesischen Küche verwendet werden, wurden Mitte des 19. Jahrhunderts von amerikanischen Missionaren in China eingeführt.

Interessant! Da Herr Ding bis 1886 lebte, ist es durchaus möglich, dass er Erdnüsse kannte.

Nun zu dem Rezept:
Das Gericht stammt aus Sichuan. Hauptbestandteile sind neben dem Hühnchen und den Erdnüssen scharfe rote Chilis und Sichuan Pfeffer. Also Achtung! Scharf, sehr scharf!

Zutaten (wie immer ohne Mengenangaben, da jeder selbst sehen muss, wie viel er nehmen will. Die chinesische Hausfrau denkt auch nicht darüber nach)

Hähnchenbrust
Frische Erdnüsse (keine gerösteten und gesalzenen)
Lauch oder Frühlingszwiebeln
getrocknete rote Chilischoten (scharf!)
Sichuanpfeffer
Ingwer
Knoblauch
Hühnerbrühe
Reiswein
Kartoffelstärke
Reisessig
Sojasoße
Zucker
Salz
Pflanzenöl

Zubereitung
Alle Zutaten werden klein geschnitten und griffbereit hingestellt.
Die Erdnüsse kann man kurz mit heißen Wasser überbrühen und dann von den braunen Häuten befreien. Muss aber nicht.
Das Hühnchen in Würfel schneiden, mit 2 Esslöffel Reiswein einreiben und mit Kartoffelmehr einstäuben. Beiseite stellen
In einer Schale Lauch, Ingwer, Knoblauch (alles klein geschnitten), Zucker, Essig, Sojasoße, Reiswein, Salz, Hühnerbrühe und Kartoffelmehl zu einer Soße verrühren.
Erdnüsse kurz in Öl anbraten, beiseite stellen
Dann die Hühnchenwürfel anbraten, die klein geschnittenen Chilis und den Sichuan-Pfeffer hinzutun und kurz mit  braten, die Soße in den Topf (oder Wok) und alles zusammen aufkochen. Erdnüsse hinzu, abschmecken, fertig!
Wenn man es nicht ganz so scharf mag, kann man Chilis und Pfeffer auch separat anbraten und dann nur das dadurch aromatisierte Öl nutzen.
Zur Dekoration kann man sich vorher ein paar Frühlingszwiebelröllchen aufheben und über das fertige Gericht streuen.

Es gibt viele Varianten des beliebten Gong Bao Jiding. Man kann zum Beispiel auch Cashew-Nüsse nehmen. Eine interessante vegetarische Variante habe ich in einem Restaurant in Peking kennen gelernt. Statt Hühnchen hatte man dort Tofu genommen, der wie Hühnchen schmeckte. Leider wurde dort nicht nur kein Fleisch benutzt sondern das Gericht insgesamt entschärft im wahrsten Sinne des Worte. Keine einzige Chili-Schote hatte den Weg in den Teller gefunden. Es sah gut aus, schmeckte aber nicht besonders. Ich liebe den scharfen Geschmack von Sichuan-Pfeffer und Chili!

Vegetarisches Gong Bao Ji Ding

Vegetarisches Gong Bao Jiding. Dazu ein alkoholfreies Bier

Eine etwas abweichende Variante gibt es hier in diesem Video: Gong Bao Jiding Anleitung mit Musik! Müsst Ihr unbedingt sehen!

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