Was macht glücklich auf Reisen?

Das Thema “Was macht glücklich auf Reisen” bewegt die Bloggosphäre seit langem. So gab es 2014 eine Blogparade dazu. Ein Anlass für mich, intensiv darüber nachzudenken. Jetzt habe ich also diesen Artikel wieder hochgeholt und möchte ihn wegen seiner Zeitlosigkeit noch einmal zur Diskussion stellen. Auch ist heute (20.03.) der Tag des Glücks

Seitdem war ich wieder in China, habe ein intensives Glücksgefühl erlebt. Und der Höhepunkt eines Ausflugs nach Rom oder Paris sind die Besuche in Museen für Ostasiatische Kunst. Wenn ich durch eine Ausstellung chinesischer Kunst, von erlesenem Porzellan  oder mit Artefakten aus der chinesischen Frühzeit gehe, dann habe ich oft das Gefühl, alte Freunde wiederzusehen. Natürlich begrüße ich diese “alten Bekannten” mit einem Lächeln.

Das Glück auf Reisen liegt also für mich auch darin, dass ich mich auskenne, dass China meine zweite Heimat geworden ist. Natürlich schaue ich mir gerne auch Neues an, bummele über fremde Märkte, schaue mir die örtlichen Sehenswürdigkeiten an. Ein Kaffee auf dem Montmarte, ein Salat in einem römischen Restaurant mit Blick auf alte Häuser und Kirchen: All das erfüllt mich mit großer Freude.

Doch was hindert mich, auch hier in Hamburg solche Glücksmomente zu suchen und zu finden. Und ist das nicht auch “Glück auf Reisen”? So erlebe ich mit den Museumsbesuchen in Hamburg, den Sehenswürdigkeiten in Hannover, einem Ausstellungsbesuch in Hildesheim das Glück unterwegs.

Ich brauche keinen Palmen gesäumten Strand unter blauem Himmel, um glücklich auf Reisen zu sein. Im Gegenteil, solche Reisen langweilen mich. Ich brauche keine Liste mit den “10 ultimativen Sehenswürdigkeiten für XYZ”, die ich dann glücklich abhaken kann. Nein, das “Glück unterwegs” finde ich ganz alleine, Und am liebsten in China.

Absolut glücklich auf Reisen: Ulrike in Chengdu

Mein Artikel vom 11.03.2014:

Blogparade von 2014 “Was macht glücklich auf Reisen?” von reisemeisterei . Ich denke nach: Ja, das ist ein Thema für mich! Denn so genau weiß ich das gar nicht. Was macht mich glücklich auf Reisen?

Da muss ich zuerst mal anmerken: Ich bin nicht überall gleich glücklich. Das Reisen als solches ist für mich noch kein Glücksgrund. Und eine Reise in die Türkei oder nach Mexiko gefällt mir, doch dieses Glück, was einen mit einem leicht irren Lächeln strahlend durch die Gegend laufen lässt, finde ich dort nicht.

Was macht glücklich auf Reisen? Das finde ich in China.

Das ist empirisch getestet, das hat mir mein Fernweh nach China gezeigt, das mich sporadisch überfällt, wenn ich nicht in China unterwegs bin. Die Maya-Pyramiden in Yucatan? Der freundliche türkische Hirte? Die wilden Orchideen in Irland? Die weiten Strände in  Holland? Achja, das macht mich schon irgendwie glücklich. Aber es bleibt immer die Sehnsucht nach China.

Glücksmomente unterwegs

Glücksmomente unterwegs

In China kann fast keine Situation so schrecklich sein, dass mein Lächeln ganz verschwindet. Selbst vor 4,5 Jahren in Xi’an, als ich so fror, meine Füsse in vom Schnee nassen Schuhen steckten, als ich mich mitten in der Stadt verirrt hatte, mir die Erschöpfung meine Chinesisch-Kenntnisse genommen hatte, selbst da zeigt ein Foto mich mit einem Lächeln. Gut, meine Probleme hatten sich gerade gelöst, mir war wieder warm und ich wusste wieder, wo ich war. Trotzdem: Eigentlich ist es kein Vergnügen in China, von der Polizei zum Hotel gebracht zu werden.

Foto mit Polizist

Was macht mich in China so glücklich? Ich kann rumlaufen, jedem ein Lächeln und ein fröhliches Hallo schenken. Meine persönlichen Highlights sind die Menschen, denen ich in China begegne. Sie sind so ohne Scheu. Es ist so einfach, mit ihnen in Kontakt zu treten. Ob es der daoistische Mönch ist, der ehemalige chinesische Botschafter für Kanada, die Marktfrau im Nirgendwo oder der aufgekratzte chinesische Tourist: Mit allen kann ich reden, lachen, scherzen, häufig ganz ohne Sprache.

Glücksmomente in China

Glücksmomente in China

Ich muss mal nachdenken: Habe ich jemals eine wirklich schlechte Erfahrung mit Chinesen gemacht? Der Taxi-Fahrer, der mich betrügen wollte, nahm es sportlich, als ich zu ihm in meinem besten Chinesisch sagte: „Du machst wohl Witze!“ Die Leute, die mir etwas andrehen, mich über’s Ohr hauen wollten, habe ich einfach stehen lassen. Ach, es hat immer wieder diese Momente gegeben, wo ich keine Lust hatte, in China zu reisen. Aber das ist lange her. Das war, als es noch die Momente gab, wo man auf diese sozialistische Menthalität des gleichgültigen „geht nicht! Will nicht! (Auf Chinesisch: Mei You!)“ stieß. Und Chinesisch sprechen zu können, die großartige Kultur, die Andersartigkeit zu verstehen, hilft natürlich.

Was außerdem macht mich glücklich auf Reisen?

Eine Nacht drüber geschlafen, weiter nachgedacht. Alles, was ich oben geschrieben habe, stimmt und ich lasse es so stehen. Doch es ist mir noch eine andere Variante für meine Antwort eingefallen.

Auf Reisen macht mich das gleiche glücklich wie Zuhause. Ich brauche nicht zu reisen, um mich über einen tollen Sonnenuntergang zu freuen, glücklich an einer duftenden Blume zu schnuppern oder mit zufälligen Bekanntschaften ein paar Worte zu wechseln. Doch eins gibt es hier nicht, geht gar nicht: Alle anlächeln und jedem ein „Hallo“ zurufen. Jede Rückkehr bringt mich beim Blick ins sauertöpfische oder auch gleichgültige Gesicht eines Schaffners, einer Verkäuferin, eines U-Bahn-Gegenübers ganz schnell wieder auf den Boden der deutschen Realität zurück. Ein fröhliches „Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!“ von der Kassierin im Supermarkt nebenan ist so selten, das hüte ich den ganzen Tag wie einen kostbaren Schatz.

Wer weitere Gedanken zu “glücklich auf Reisen” lesen möchte, schaue bei der Reisemeisterei vorbei.

13 Kommentare

  • Das klingt toll und ist super, wenn du auf deinen China Reisen das totale Glück findest! 🙂 Mit geht es ein bisschen mit Chile so, da zieht es mich einfach immer wieder hin.

    • Ulrike

      Danke! Da ich hier in Hamburg mittlerweile sehr intensiv mit Chinesen zusammenarbeite, kann ich dieses Glücksgefühl immer ein wenig verlängern.
      Ja, ich glaube, ichhabe mal in einem früheren Leben in China gelebt. Wieist das bei Dirund Chile?
      LG
      Ulrike

  • azzurrodiary

    Wow, Deine Chinasehnsucht. Toll. Mir ging es ganz ähnlich mit Russland. Ich denke wenn man die Sprache spricht, nimmt man viel mehr vom Land und den Menschen wahr. Ich habe diese Freiheit der Bewegung in der Fremde immer sehr genossen, die mir die Sprache gegeben hat.

    • Danke für Deinen Kommentar. Die Sprache hilft natürlich. Doch ich bin schon in China mit großer Begeisterung gereist, als ich noch kein Wort Chinesisch konnte. Russland ist auch toll!

  • Pingback: Montag – Glücksmomente (KW24) | bambooblog hamburg

  • Wie schön, dass du ein Land gefunden hast, in dem du rundum glücklich bist! Ich wünsche dir noch viele tolle Reisen durch China!

  • Pingback: Aufruf zur Blogparade: Was macht glücklich auf Reisen? | Reisemeisterei

  • Das klingt sehr schön und positiv, du hast dein Land gefunden. Das finde ich sehr gut und wichtig. Auf China bin ich auch gespannt, wir werden es besuchen. Nur das wann steht noch nicht fest. Vielleicht sollte ich vorher etwas Kantonesisch lernen, das hilft bestimmt. Wie lange hast du dafür gebraucht, wo hast du gelernt?

    • Danke! Wohin fahrt Ihr denn in China? Kantonesisch soll schwieriger sein als Mandarin. Ich habe neben sehr viel Selbststudium während meiner Reisen ein Jahr in Peking an der Uni Mandarin gelernt. Da ich hier in Hamburg viel mit Chinesen zusammenarbeite, habe ich auch noch nicht so viel vergessen. Melde Dich, bevor Du nach China reist. Vielleicht kann ich Dir noch ein paar Tipps geben.

      • Die Asienreise ist erst in 2 – 3 Jahren geplant. Mandarin kann ich einige Worte. Wird das denn überall gesprochen?

      • Mandarin ist ein wenig so wie Hochdeutsch. In den Städten sollte es überall Menschen geben, die Mandarin verstehen. Kantonesisch wird nur im Süden gesprochen.

      • Kanji-Zeichen können sie ja überall lesen. Hoffe ich. Leider sind die ja nicht immer gleich geblieben, da in China und Japan zum Teil verändert. Aber ich sehe das ganz gelassen.

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