Ungerade Nummer darf fahren? Fahrverbote in Peking zur Smog-Bekämpfung

Der Smog, die Feinstaubwerte sind in Peking ein ernstes Problem. Deshalb hat man zur Smog-Bekämpfung unter anderem Fahrverbote für bestimmte Fahrzeuge erlassen:

We hereby announce that,

According to Circular of the Beijing Municipal People’s Government on Implementing Traffic Management Measures to Restrict Regional Traffic in Rush Hour on Working Days, with approval of Beijing Municipal Government, it is decided to divide all the tail plate numbers of no-driving vehicles in regional rush hours on working days from April the 11th, 2015 … (gekürzt)

IV. From January the 10th, 2016 to April the 10th, 2016, the tail plate numbers of no-driving vehicles from Monday to Friday are 3 and 8, 4 and 9, 5 and 0, 1 and 6, 2 and 7 respectively.

According to Circular of Beijing Municipal Public Security Bureau on Traffic Control of Non-Local Passenger Vehicles to Enter the Capital, the rotation of tail plate number for no-driving vehicles stipulated above also applies to non-local passenger vehicles to enter the capital from 09:00 to 17:00 hours on working days.

(The circular is authentic in Chinese. English is provided for reference only. ) Quelle: Goverment Bulletin

Verstöße sollen die zahlreichen Überwachungskameras, die überall auf Pekings Autobahnen und Straßen verteilt sind, aufdecken. Die gerade mit Fahrverbot zur Smog-Bekämpfung belegten Nummern werden übrigens auch auf vielen Schildern an den Autobahnen angezeigt. Es kann also niemand behaupten, dass er nicht Bescheid wusste.

Und schon sind manche Pekinger kreativ geworden, wie man auf diesem Foto erkennen kann:

gesehen 2015 beim Fahai-Tempel

gesehen 2015 beim Fahai-Tempel

Manchmal frage ich, ob der Erlass neuer Vorschriften, Regeln oder Anweisungen manche Chinesen zu besonderer Kreativität herausfordert.

Besonders zu der Zeit der ersten Olympia-Bewerbung 1993 (für die Spiele 2000) habe ich in Peking erleben können, wie der Besuch einer Delegation des Olympischen Komitees die Bevölkerung (und auch die Regierung) in Aktionismus ausbrechen ließ.

Die Delegation kam im Februar 1993, ein Monat, in dem es kalt und trocken ist. Peking ist dann immer ziemlich staubig und ohne blühende Blumen und grünes Gras. Grünes Gras? Da kann man doch etwas tun. So konnte ich damals selbst beobachten, wie mancher Straßenrand und Mittelstreifen grün eingefärbt wurde. Ja, ganze Kolonnen von Arbeitern gingen mit großen Spritzen durch die Straßen und sprühten grüne Farbe auf die gelben vertrockneten Gräser am Wegesrand.

Die Delegation war nicht beeindruckt. Zu wenig Öffentliche Transportmittel. Schon konnte sich jeder, der wollte, dank großzügiger Subventionen der Regierung ein kleines Auto anschaffen, meistens Suzuki-Minibusse, die bis zu 6 Fahrgästen Platz boten, aber doch recht klein waren. Die Stadt wimmelte bald von diesen “Mianbao-Che’s”, den Brötchen-Autos, wie sie liebevoll genannt wurden.

Sicherheitsgurte? Wozu? Doch auch solche wurden gefordert, damit die Autos internationalen Standards entsprachen. Ganz schnell gab es T-Shirts mit einem schwarzen Streifen quer über der Brust. Ich weiß nicht, wie oft ich aufgefordert wurde, einen Gurt, der so aussah wie ein Sicherheitsgurt, über die Brust zu ziehen und festzuhalten. Vor allem, wenn ein Polizist in Sichtweite war. Ich hab es mit Humor genommen. An schnelles Fahren war in den damals schon dramatischen Staus in Peking sowieso nicht zu denken.

Das alles hat sich sehr verbessert. Die Brötchen-Autos sind fast aus dem Stadtbild verschwunden, die Autos verfügen heute alle über Sicherheitsgurte. Doch neue Herausforderungen, neue Lösungen!

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