Tausendjährige Eier

Tausendjährige Eier sind eine chinesische Delikatesse, an die man sich als Westler erstmal gewöhnen muss. Das Auge isst mit, sagt man. Und das hat keinen Spaß an dem fast durchsichtig scheinenden Eiweiß und den gelbgrünen Dottern. Letztere können je nach Sorte hart oder aber auch halbweich sein, was sie nicht attraktiver macht. Doch hat man sich erstmal überwunden, stört sich auch an dem leicht chemischen Geruch nicht, dann sind Tausendjährige Eier eine Köstlichkeit. Sie schmecken meist leicht salzig, etwas undefinierbar, lecker!

Verpackung von Tausendjährigen Eiern, in Hannover gekauft.

Verpackung von Tausendjährigen Eiern, in Hannover gekauft.

Diese Eier, die durch Fermentierung konserviert werden, werden auch Hundertjährige Eier genannt. Beides spielt auf die Zubereitung an, die einige Wochen dauert. Auf Englisch (Amerikanisch) habe ich die Bezeichnung „Century Eggs“ gefunden. Mittlerweile kann man sie auch im Asia-Laden bekommen. Dort ist der gängige Name „Schwarze Eier“. Auf Chinesisch heißen sie Leder-Eier (皮蛋  pídàn). Manchmal werden sie auch Pinien-Eier genannt, weil man zur Herstellung Asche aus Piniennadeln verwendet. Daher übrigens auch der manchmal etwas chemische Geruch. Allerdings gibt es in China auch Menschen, die zur Beschleunigung des Prozesses tatsächlich Chemikalien einsetzen.

Diese Art der Konservierung von Eiern ist in China sehr alt. Man erzählt, ein Bauer in Hunan habe per Zufall einige Eier im Schlamm gefunden, diese vorsichtig gekostet und für gut befunden.

Man kann die Herstellung mit Käse vergleichen. Auch bei Käse entsteht durch die Fermentierung der Milch ein lange haltbares Produkt. Der Geruch von Käse ist bei manchen Sorten gewöhnungsbedürftig. Das ist bei den Eiern nicht anders.

Es gibt einige Anleitungen, wie man die Eier selbst herstellen kann. Doch die deutschen Rezepte neigen dazu, den Prozess abzukürzen. Ich würde die auch nicht selbst herstellen, sondern immer im Asia-Laden kaufen. Das mache ich allerdings nicht oft. Aber wenn ich unterwegs in China bin, freue ich mich, wenn ich sie auf einem Frühstücks- oder Vorspeisenbuffet entdecke. Dann gehört ein solches Ei zum Entsetzen eventueller Mitreisenden für mich zum Frühstück.

Tausendjährige Eier auf dem Budffet

Die Reste der Tausendjährigen Eier auf einem Frühstücksbuffet in China

Tausendjährige Eier – Rezept

Die Eier, vorzugsweise Enteneier – seltener Hühnereier, sollten nicht mehr als 5 Tage alt sein. Sie sollten befruchtet sein, dicke Schalen und keinerlei Bruchstellen haben.

Zutaten:

Rohe Enteneier
Salz
Wasser
Asche von Kiefernnadeln (Asche von anderem Holz geht auch)
Zitronensaft
Getreidespelzen (am besten vom Reis)
Tontopf

Zubereitung:

Mische Asche und Salz in einem Verhältnis von 5 zu 1. Dazu Wasser und Zitronensaft geben, bis eine feste, gerade noch knetbare Masse entsteht.

Die Eier abwaschen und mit einer gleichmäßigen Schicht aus dem Brei überziehen. Es dürfen keine Lücken entstehen. Die Eier anschließend in den Getreidespelzen wenden, damit sie nicht aneinander kleben.

Dann schichtest Du die Eier in den Tontopf, der anschließend fest verschlossen wird. Nach 3 Tagen sollen die Eier umgeschichtet werden. Das heißt, die unteren kommen nach oben. Das machst Du nun alle 3 Tage, ungefähr 2 Wochen lang.

Danach dürfen die Eier noch einen Monat lang in Ruhe vor sich hingären

Zum Essen werden die Eier vorsichtig gepellt.

Tipp: Das Wasser kann man auch durch grünen Tee aromatisieren.
Dass man statt des Wassers den Urin von Pferden nimmt oder gar von unschuldigen Knaben, ist eine Legende.

Man isst die Eier in Viertel oder Achtel geteilt und tunkt sie in Sojasoße oder (chinesischen) Essig. Dazu einige Scheiben eingelegten Ingwer.

Man kann die Eier für allerlei leckere Gerichte verwenden:

Tausendjährige Eier in einer leckeren Rolle.

Tausendjährige Eier in einer leckeren Rolle.

11 Kommentare

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  • Ingo

    Hallo Ulrike, ich bin heute durch Zufall auf deinen Blog gestoßen, weil ich nach dem Original Mapo Doufu Rezept gegoogelt hatte. Ja und nun lese ich schon seit einer Stunde deine Artikel durch. Gefällt mir sehr gut! Bist du auch auf Gerichte/Lebensmittel in Asien gestoßen, die dein Europäischer Magen nicht verkraften konnte? Da gibt es doch z.B. auch einen Fisch, den die Thailänder eingraben und der dann erstmal vor sich hingammelt. Soll eine Delikatesse sein. Man muss doch sicher als Europäer auch ziemlich aufpassen, wenn man auf dem Land bestimmte Delikatessen verpeist. Wie erging es dir da im Laufe deiner Reisen? Das wäre jetzt doch wieder ein blog Thema. 😀 Viele Grüße Ingo

    • Ulrike

      Hallo Ingo,
      Danke für Deine lieben Worte. Sicherlich gibt es so einiges, was man nicht unbedingt essen mag. Nichtverkraften, möchte ich nicht sagen. Ich probiere eigentlich gerne alles mögliche. Ich hab mal in Chengdu etwas gegessen, was absolut nicht schmeckte. Es wurde uns als eine besondere Delikatesse von einer älteren Frau angepriesen. Aber ichhabe nie herausgefunden, was das war. Ich persönlich mag u.a. Rote Bohnen-Paste und Seegurken gar nicht. Aber wenn ich es essen würde, würde ich das auch verkraften, Hundefleisch hab ich auch schon gegessen. Meine einzige heftige Lebensmittelvergiftung hab ich mir in China mit einer einfachen Nudelsuppe von einem Imbiss geholt. Es gibt auch verschiedene Artikel von mir zum Thema Essen: Zum Beispiel https://bambooblog.de/2014/02/25/chinesen-essen-alles-tipps-fur-unterwegs/
      Ich hatte am meisten Probleme, wnen das Essen viele Knochen enthält. Also hab ich ganz schnell die Schriftzeichen für Fleisch in Würfeln oder Streifen gelernt. Das mit dem Fisch in Thailand kannte ich noch nicht. Da gibt es auch sowas ähnliche in Island… Muss ich nicht haben. Dazu gibt es in Ländenr wie Thailand viel zu viel richtig leckeres zu essen.
      Beste Grüße
      Ulrike

  • Oha, das ist aber wirklich nur was für Mutige! Hier zu Hause gelte ich schon als krass, weil ich Soleier esse, die ja auch länger durchgezogen sind. Ob ich mich an die tausendjährigen rantrauen würde? Ich glaub schon. Aber ich würde mir dabei schon sehr heldenhaft vorkommen. 😀

    • Ulrike

      Ich verstehe das vollkommen. Aber es lohnt sich, sich zu überwinden. Ja, und der Geschmack geht auch in Richtung Soleier.

  • Danke, dass du hier die Zubereitung der Tausendjährigen Eier so detailliert schilderst. Da bei mir aber das Auge sehr mit isst, werde ich diese chinesische Köstlichkeit wahrscheinlich nicht ausprobieren, obwohl ich keineswegs heikel bin. 😉

  • Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, ob wir diese Eier bei unserer Reise nach China gegessen haben.
    Der beste Mitreisende von allen aber nickte eben als ich fragte.

    • Ulrike

      Wie schön, wenn man auf ein zweites Gedächtnis zurückgreifen kann! Und? weiß der beste Mitreisende noch, wie geschmeckt haben?

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