17.11.87 Ein Regentag in Yangshuo

Mein China Reisebericht von 1987 geht recht unspektakulär weiter. Es regnet in Yangshuo. Das Wetter macht keine Lust auf Exkursionen. Aber wir, Rudi und ich, sind beschäftigt und lernen auf diese Weise viele nette Backpacker und auch sehr hilfreiche Chinesen kennen.

Lest selbst meinen China Reisebericht:

17.11.87 Regen und die Jagd nach einer passenden Fahrkarte

Am nächsten Morgen machen wir uns gleich daran, für ihn das andere Busticket zu bekommen. Susannah versucht, uns zu helfen. Sie hat tatsächlich noch ein Ticket für meinen Bus. Rudi will es aber über seinen Hotelwirt versuchen, weil er da seine Fahrkarte gekauft hat. Von allen hören wir immer wieder nur ein „No Problem! No Problem!“ Aber als wir nach dem Frühstück das Ticket bei Rudis Hotelwirt abholen wollen, ist es leider doch nicht das richtige. Es gibt anscheinend noch mehr Busse nach Wuzhou/Kanton. Susannah hat in der Zwischenzeit das andere Ticket an einen Hongkong-Chinesen verkauft, der noch bei ihr im Café sitzt. Der junge Mann will sich leider auf keinen Tausch einlassen. Also laufen wir hin und her, verhandeln, bitten, schimpfen, versuchen es mit Bestechung. Nichts hilft. Schließlich finden wir uns damit ab, dass wir in verschiedenen Bussen fahren müssen. Im Restaurant treffen wir zwar weitere Traveller, die auch morgen nach Wuzhou fahren, aber ein Tausch ist aus den verschiedensten Gründen nicht möglich. Als wir mal wieder an der Rezeption von Rudis Hotel stehen, kommt Susannah angelaufen und teilt uns strahlend mit, dass der Hongkong-Chinese uns nun doch sein Ticket verkaufen will. Er könne unseren Bemühungen nicht mehr tatenlos zusehen. Nun hat Rudi zwei Fahrkarten, weil er auch nach weiteren Verhandlungen die alte nicht zurückgeben kann. Wir versuchen, unter den Travellern einen Käufer zu finden, aber auch das gelingt uns nicht.Yangshuo

Auf diese Weise vergeht der Tag. Zwischendurch sitzen wir im Green-Lotus-Restaurant, essen, schwatzen mit den anderen Reisenden. Einmal gehen wir zum CITS, wo eine gute Landkarte von China für 5 Yuan angeboten wird. Weil ich so viele kleine Münzen und Scheinchen angesammelt habe, suche ich alles zusammen, um dieses schmuddelige Geld loszuwerden. Zwei der Scheine sind leider auch etwas eingerissen. Der Verkäufer akzeptiert deshalb das Geld nicht. Aufgerieben durch das Theater mit den Fahrkarten den ganzen Tag lang und das schlechte Wetter, reagiere ich zum ersten Mal in China laut und ärgerlich. Ich schnaube den Verkäufer wütend an, dass ich es unverständlich fände, dass Chinesen ihr eigenes Geld nicht annehmen. Geld, das wir zudem von ihnen bekommen haben. Er sagt dazu nur, dass das Geld dreckig sei. Der junge Mann zuckt zu meinem laut geäusserten Zorn nur die Schultern, packt die Karte wieder weg und meint, es würde nichts nützen, dass ich mich ärgere. Das weiss ich selbst, denn leider ist es nicht möglich, die Landkarte in einem anderen Geschäft zu kaufen. Da ich die Karte unbedingt haben möchte, bleibt mir nichts anderes übrig, als mit einem 10 Yuan-Schein zu bezahlen. Als Wechselgeld bekomme ich einen Haufen schmutziger kleiner Scheinchen.

Im Green-Lotus-Restaurant erholen wir uns bei einem Bier von den Strapazen des Tages. Spät kommt es zu einem kleinen Zwischenfall, als der Wirt von den Schwedinnen am Nachbartisch drei Biere mehr kassieren will, als sie behaupten getrunken zu haben. Zum Schluss stellt sich heraus, dass ein Traveller weggegangen war, ohne seine Zeche zu zahlen. Jemand sagt, dass der Typ das schon öfters getan habe. Der Wirt, der anscheinend alle Ausländer für verwandt oder miteinander befreundet hält, besteht darauf, dass die Schwedinnen die Biere bezahlen. Endlich einigen wir uns darauf, dass wir alle zusammenlegen und zwei Biere bezahlen, so dass der Wirt nur den Verlust eines Bieres trägt.

Während der Auseinandersetzung ist dem jungen Wirt deutlich seine Erschöpfung und mühsame Beherrschung anzusehen. Heute hat er ungefähr 16 Stunden gearbeitet, nur unterstützt von einem Mädchen und seinen Eltern, die das Essen kochen. Darüber hinaus hat er auch einen Halbtagsjob in einer nahen Fabrik. Er sagt selbst, dass er nur drei bis vier Stunden pro Nacht schläft. Immerhin ist dies Restaurant sein eigenes, die Arbeit scheint sich zu lohnen. Doch er ruiniert sich dabei seine Gesundheit.

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