Allah auf der Kirchturmspitze – Al Nour Moschee Hamburg

Der Tag der offenen Moschee führte mich 2016 zu einer ganz ungewöhnlichen neuen Moschee, die sich in meiner Nachbarschaft befindet, der Al Nour Moschee in Hamburg Horn.Al Nour Moschee Hamburg

Die Al Nour Moschee

Eigentlich ist die Moschee eine kleine Sensation: Ein ehemaliges Kirchengebäude, das seit 2003 aufgegeben war, wird nun eine Moschee. Grundsätzlich ist das nicht vorgesehen, dass aus einer Kirche eine Moschee wird, auch wenn dies im Laufe der Geschichte schon oft vorgekommen ist (man denke nur an die Mezquita–Catedral Cordoba oder die Hagia Sophia in Istanbul). Doch die ehemalige Kapernaum Kirche wurde zunächst an einen Investor verkauft. Von dem dann die Al Nour Gemeinde das Gebäude schließlich kaufte. Natürlich ging das nicht ohne lange Diskussionen. 2013 war es dann soweit, Man begann mit den Umbau- und Renovierungsarbeiten, die noch lange nicht abgeschlossen sind.

Ich war schon 2013 auf einer Info-Veranstaltung der Al Nour-Gemeinde. 2014 habe ich die alte Moschee besucht, die in einer unschönen Tiefgarage untergebracht ist. Da ist der ehemalige Kirchenbau ein großartiger Fortschritt. Das Gebäude mit dem flachen Hauptgebäude und dem schlichten Turm, Architektur der 1960er Jahre, eignet sich in meinen Augen sehr zur Moschee. Auf dem ehemaligen Kirchturm glänzt nun der arabische Schriftzug “Allah”. In den Hauptraum wurde eine Empore eingebaut, der als Gebetsraum für die Frauen dienen soll.

Daniel Abdin begrüßt die Besucher

Daniel Abdin begrüßt die Besucher

Der Tag der offenen Tür in der Moschee war gut besucht. Daniel Abdin führte in einer lebhaften Ansprache in die Ziele und die weiteren Vorhaben der Al Nour-Gemeinde ein. Mir war es fast zu viel Multi-Kulti. Immer wieder betonte er die gute Zusammenarbeit mit christlichen Gemeinden. Ja, er begrüßte sogar jemanden von Scientology. Menschen aus mehr als 30 verschiedenen Ländern besuchen die Gebete in der Moschee. Da wird es an Freitagen schon mal recht voll. Gepredigt wird auf Arabisch und auf Deutsch. Erst nach mehrfacher Rückfrage äußerte sich Daniel Abdin dazu, dass die Al Nour-Gemeinde zum sunnitischen Islam gehört. Aber das sei gar kein Problem, es würden auch Shiiten und andere herzlich willkommen sein. Man gucke nicht auf die Herkunft, sondern freue sich, vereint im Glauben an den einen Schöpfergott gemeinsam zu beten.

Die bunten Glasmosaiken der ehemaligen Kirche

Die bunten Glasmosaiken der ehemaligen Kirche

Das Paradies im Islam

Ich selbst hatte mir diesmal vorgenommen, nicht die ewige Frage nach dem Kopfttuch zu stellen, sondern wollte mehr über die Paradies-Vorstellungen im Islam wissen. Dazu wollte ich gerne mit einer Frau sprechen. Ich fand mit Hilfe von Herrn Abdin eine kompetente Ansprechparnerin. Doch jetzt, nachdem ich noch ein wenig im Internet recherchiert habe, finde ich ihre Antwort ziemlich enttäuschend. Sie zog sich immer wieder auf folgenden Koran-Vers und eine alte Auslegung (Hadith) zurück:

Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete,
dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, sagte: „Allah sagte: „Ich habe für Meine rechtschaffenen Diener das vorbereitet, was kein Auge gesehen hat, und kein Ohr gehört hat, und niemals als Herzenswunsch in die Vorstellung eines Menschen einfiel.“ Leset nach, wenn ihr wollt: „Doch niemand weiß, welche Augenweide für sie als Lohn für ihre Taten verborgen ist.”” (Qur`an Surah As-Sagda (32):17)

Kein Wort davon, dass im Koran sehr präzise die Freuden des Paradies beschrieben werden. Ausweichen, als ich danach frage, was es mit den 72 Jungfrauen auf sich hat. Trotzdem hat mir das Gespräch geholfen, denn ich habe nun auch weiter recherchiert.

Tag der offenen Moschee 2016

In der Mittagspause gab es leckere Häppchen, Vorspeisen aus Syrien. Herrlich! Gut gewürzt, lecker! Mir fiel auf, dass ausschließlich Männer das Buffet bestückten und bei der Auswahl halfen. Naja, das fällt mir jetzt erst auf, sonst hätte ich gleich vor Ort gefragt, warum  das so ist.al-nour-haeppchen

Im  Laufe des Nachmittags ergaben sich noch einige interessante Gespräch, u.a. anderem mit einer Frau von der Caritas. Oder mit weiteren Muslimas, die doch leicht irritiert waren, als ich sagte, dass ich als Buddhistin nicht an einen Schöpfergott glaube. Man versuchte sehr eindringlich aber vergeblich, mich zu überzeugen.

Insgesamt war es ein interessanter Tag, eine tolle Möglichkeit, in eine fremde Welt hineinzuschnuppern und mit den neuen Nachbarn ins Gespräch zu kommen.al-nour-decke

Mehr zur Al Nour-Moschee und Gemeinde in Hamburg findet Ihr hier

Falls ich hier etwas nicht korrekt wiedergegeben habe, bitte ich um  Entschuldigung. Korrigiert mich bitte!

Zu meinen Erlebnissen beim Tag der offenen Moschee 2014: mehr

2 Kommentare

  • Ich finde es super, dass du immer so offen und neugierig bist und versuchst mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Ich habe auch versucht, Bekannten Fragen zum Islam zu stellen. Aber das wurde immer als Angriff verstanden (obwohl gar nicht so gemeint), es wurde ausgewichen und stattdessen die Schlechtigkeit des Christenstums thematisiert. Schade.

    • Hmm, ich glaube, gerade aus so einem Tag der offenen Moschee, wo auch viele Verter der christlichen Kirchen anwesend waren, können sie sich keine entsprechenden Äusserungen leisten. Ich fand die Anworten, die ich bekam, sehr stereotyp, manchmal wurde mir auf meine Fragen ausweichend geantwortet.Ich war diesmal sehr enttäuscht.
      LG
      Ulrike

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