Chinesen essen alles – Tipps für unterwegs

Updated und ergänzt 26.10.16

„Chinesen essen alles, was schwimmt, außer Holz. Sie essen alles was fliegt, außer Flugzeuge. Und sie essen alles was Beine hat, außer Tische und Stühle.“ So lautet das gängige Vorurteil über Chinesen. Bei der Google-Suche wird einfach ergänzt, dass Chinesen Hunde essen, Affenhirn oder gar Babies.

Google-Suche

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Dem Mythos mit dem Affenhirn ist der bekannte Sinologe und Autor Kai Strittmatter nachgegangen und kam zu dem Ergebnis, dass es sich eben um genau das handelt: einen Mythos. Genaueres kann man hier nachlesen:
Wird in China Affenhirn gegessen? Der Artikel stammt aus dem Jahr 2013.

Chinesen essen alles

Auf einem Nachtmarkt in Peking: Gerne werden dort Skorpione und Kakerlaken am Spieß angeboten.

Strittmacher schreibt darin zum Schluss:
Die überwältigende Mehrzahl der Chinesen ist von solchen Gerichten ebenso abgestoßen wie der durchschnittliche Europäer. Der Staat bestraft den Handel mit Wildtieren mittlerweile härter als früher. Und viele junge Chinesen lassen sich ihren Idealismus nicht nehmen: Sie kämpfen in Vereinen und online für Tierschutz und gegen die »Missbrauchsküche«. Die öffentliche Meinung haben sie auf ihrer Seite. Als die Shenzhener Zeitung Daily Sunshine im Frühjahr ein Dossier über das Verhältnis von Mensch und Tier in China druckte, da war das ein Appell an die Leser: »Lasst Euren Magen nicht zum Tierfriedhof werden.«„

So viel zu den Vorurteilen. Was aber erlebt der Reisende unterwegs?

Chinesen essen alles: Hundefleisch und andere Exoten

Ich werde oft gefragt: „Hast Du schon mal Hund gegessen?“ Ja, ich habe mal Hund gegessen. Ich fand das Fleisch etwas trocken und nicht besonders schmackhaft. Die Chinesen verbinden mit dem Hundefleisch die Vorstellung von Yin und Yang. Im Winter überwiegt das kalte Yin und das kann u.a. mit dem warmen Yang des Hundefleisches ausgeglichen werden. Deshalb ist Hundefleisch besonders im Winter beliebt. Doch Leute, die sagen: „Ich fahre nicht nach China, weil ich da ja aus Versehen Hundefleisch essen könnte!“, kann ich beruhigen. Aus Versehen Hundefleisch oder auch Katzen-, Affen-, Rattenfleisch zu essen ist relativ unwahrscheinlich, denn auch für Chinesen stellen diese Tiere besondere Delikatessen dar und diese Mahlzeiten sind sehr teuer.

Hasenköpfe, eine lokale Spezialität in Chengdu

Hasenköpfe, eine lokale Spezialität in Chengdu

Mein Tipp: Wenn man die Speisekarte nicht lesen kann, sollte man niemals das teuerste Gericht auf der Speisekarte bestellen.

Wikipedia:
In Korea, China und Vietnamwerden regelmäßig Hunde gegessen; und diese Tatsache wird auch von zumindest einem Teil der Bevölkerung als normal empfunden. Allerdings gilt Hundefleisch in allen drei Ländern als Spezialität und ist teuer.

Auch die Chinesen wenden sich vermehrt gegen das Hundefleisch essen: mehr

Essen im Restaurant

Beim Essen fand ich es anfangs in China am problematischsten, dass meine Methode, einfach auf irgendwas in mittlerer Preisklasse zu zeigen, dazu führte, dass ich manchmal große Portionen Knochen erhielt, an denen einige Fleischfetzen hingen. Deshalb waren dies die ersten Schriftzeichen, die ich wirklich gelernt habe:

 sī   Seide: Im Zusammenhang mit Essen bedeutet das Schriftzeichen feine Fleisch- oder auch Gemüsestreifen, fein wie Seide

(肉) (ròu)dīng Fleischwürfel. Auch hier kann man sicher sein, Fleisch ohne Knochen zu bekommen.

Mehr Fotos: Essen ist in China ein Genuß
und
Wie läuft so ein chinesisches Essen ab? Was sollte man wissen: Chinesisch essen

In Xi'an wurde der einfachen Nudelsuppe ein Denkmal gesetzt

In Xi’an wurde der einfachen Nudelsuppe ein Denkmal gesetzt

In China essen die einfachen Menschen meistens eine Schale Reis oder Nudeln mit etwas Gemüse und, wenn das Geld reicht, mit ein wenig Schweine- oder Hühnerfleisch. Mit dem zunehmenden Wohlstand steigt auch der Verzehr von Fleisch. In manchen Gebieten, vor allem in den einst von Nomaden besiedelten, wird auch viel Lammfleisch gegessen.

Vegetarisch essen in China

Es gibt ein großes Angebot von Fisch, Gemüse und Obst, das zu fantastischen Gerichten verarbeitet wird. Vor allem die Liebe der Chinesen zur Verwendung von frischen Produkten ist überall spürbar. Meistens wird das Gemüse nicht völlig zerkocht und kommt knackig frisch auf den Tisch. Da sollte man meinen, dass es viele vegetarische Gerichte und die entsprechenden Vegetarier gibt. Doch das ist immer noch weitgehend unbekannt oder vielleicht auch unbeliebt. Wenn man gemeinsam essen geht und ein Restaurant aufsucht, dann ist das etwas Besonderes und dann muss etwas Besonderes bestellt werden, da muss einfach Fleisch her.

Immer noch sind vegetarische Restaurants eher die Ausnahme, obwohl es eine reiche Tradition des Vegetarismus gibt, die in den buddhistischen Klöstern entwickelt wurde. Auch der Begriff „Vegetarische Ernährung 素食 sùshí” ist nicht weit verbreitet.

Kartoffel-Imbiss am Wegesrand

Kartoffel-Imbiss am Wegesrand

Mein Tipp: Als Vegetarier erreicht man am schnellsten sein Ziel, wenn man in einem Restaurant sagt:
Ich bin Buddhist, Ich esse kein Fleisch
我 相信 佛教, 我不 吃 肉 ) wǒ xiāngxìn  fójiào, wǒ bù chī ròu

Eine Möglichkeit ist es, bei den großen buddhistischen Tempeln und Klöstern nachzuschauen. Meistens gibt es entweder im Tempel selbst oder in seiner Umgebung ein gutes vegetarisches Restaurant.

Obstmarkt in Urumqi

Obstmarkt in Urumqi

Exotische Genüsse

Zu meinen exotischen kulinarischen Erfahrungen in China gehören Quallensalat (wie saure Glasnudeln), Seegurke (absolut ekelig), Gänseschlund, Suppe aus Innereien, Hühnerfüße. Ich persönlich fand nicht die Auswahl an exotischen Gerichten in Restaurants belastend, sondern die Märkte in Kleinstädten abseits der Touristenpfade, in denen das Fleisch offen in der freien Luft auslag, dem Zugriff der Fliegen wehrlos ausgesetzt. Nach dem Besuch eines solchen Marktes mutierte ich immer wieder für mindestens einen Tag zum Vegetarier.

In der Markthalle von Yangshuo

In der Markthalle von Yangshuo: getrockneter Tintenfisch

Märkte in China

Märkte in China sind sowieso eine zweischneidige Erfahrung. Einerseits das bunte Bild der vielen verschiedenen Gemüse und Früchte, dazu die freundlichen Menschen, auf dem Lande in ihren bunten Trachten, andererseits das Angebot an Fleisch in allen Phasen zwischen lebendigem Tier und Kleingehacktem. Dazu die Maden, Würmer und gerösteten Ameisen. Jede Gegend hat ihre eigenen Spezialitäten. Ich war einmal mit einer Reisegruppe in der Markthalle von Yangshuo in Südchina. Zuerst von allen ein staunendes Ahh und Ohh, nach dem Anblick der Fleischstände der vorsichtige Rückzug der empfindlicheren Gemüter. Doch als einer von den Mutigen die Stände im Hintergrund entdeckt hatte, wo das Hundefleisch verkauft wurde, trauten sich auch die wieder neugierig zu staunen, die gerade noch entsetzt zurück geschreckt waren.

Chinas Märkte: Die schönen Bilder

Chinas Märkte: Die harten Fotos

Also macht Euch nicht so viele Sorgen ums Essen, wenn Ihr durch China reist. Chinesen essen alles? Achwas! Das meiste ist recht harmlos und einfach nur lecker. Und wenn es gar nicht mehr geht, dann gibt es mittlerweile fast überall ein Pizza-Hut oder einen McDonald’s.

Pizza-Hut in Lijiang

Pizza-Hut in Lijiang

21 Kommentare

  • Ich fand das essen in Peking auch sehr schmackhaft. Es ist mit einem Chinatrestaurant hier in Deutschland absolut nicht zu vergleichen. Es werden ganz andere Geschmacksknospen bedient. An Obst kann ich einen reifen weißen Pfirsich empfehlen. Wirklich sehr lecker!

    • Danke, Lisa!
      Wie gut, dass wir hier in Hamburg wirklich gute China-Restaurants mit authentischem chinesischen Essen haben!
      Pfirsiche sind sehr, sehr lecker. Aber leider bin ich dagegen allergisch.
      LG
      Ulrike

  • Ich fand das Essen in China auch sehr lecker. Allerdings kommen wir die Gewürze auch sehr bekannt vor, da ich als Kind in Asien gelebt habe.

    Das seltsamste was ich chinesisch gegessen habe war Seegurke (wobei ich die gar nicht so schlimm fand) sowie Entenhirn und Entenlunge!

  • Wir haben in China immer exzellent gespeist und natürlich sind uns dabei auch Exoten untergekommen.
    Hühnerfüße oder ein wie Schwarzwurzeln aussehendes “Gemüse”, dass sich als Schweinesehne entpuppt.
    Geschmeckt hat beides.
    Der Schnaps vom großen Glas auf der Theke, in dem allerlei Getier eingelegt war, schmeckte wie Terrarium riecht.
    Nur bei den gegrillten Käfern auf dem Nachtmarkt, da habe ich gekniffen. 😉

    Insgesamt also kein Vergleich – zum Glück – mit dem, was einem hier als Chinaküche verkauft wird.

    • IN der Regel isst der Chinese auch nicht gerade oft exotisches wie Kakerlaken. Aber Hühnerfüsse sind ja ganz normal in China. Und die muss ich weder in China noch in Deutschalnd im Restaurant essen. Schnaps, in dem Tiere eingelegt sind, trinke ich nicht. Mir reicht schon der “normale” chinesische Schnaps.
      Für mich ist der große Unterschied zwischen Chinesisch Essen in China oder in Deutschland die Frische in China und die verkochten Gemüse in pampiger Soße in Deutschland…
      Aber wir in Hamburg haben das Glück, authentische chinesische Küche erleben zu können, auch mit Schweineohren.
      LG
      Ulrike

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  • Hallo Liebe Ulrike,
    gerade wünsche ich mir ich hätte deinen Blog am Anfang des Monats bereits gekannt, bevor ich nach China reisen durfte (arbeitsbedingt für 1 Woche).
    Zu diesem Beitrag hier kommentiere ich weil ich von meiner Erfahrung ganz kurz berichten möchte.
    Für mich war es der erste Besuch in China und vor meiner Abreise habe ich von allen, wirklich allen Seiten immer wieder gehört “pass blos auf was du da isst”, “iss nichts an Ständen, wer weiss was das ist”, ” am Besten du gehst zu den Fastfoodketten” (gefolgt von der Frage nach einer Postkarte).
    Meine Meinung dazu: Absoluter Blödsinn!
    Wir haben nach dem Motto “wenn es gut aussieht wird man es schon essen können” bestellt und gegessen, in erster Linie im Strassenverkauf weil meine Fähigkeit eine Speisekarte in chinesischer Schrift zu lesen nicht vorhanden ist.
    Unser erstes essen war etwas was ich im Nachhinein als “Peking Nudeln” identifiziert habe und wir noch oft in anderen Variationen gegessen haben.
    Auch ansonsten wurde unser Mut immer belohnt (auch am letzten Abend an dem wir uns alleine an eine Speisekarte getraut haben).
    Für mich hat der Besuch eines Landes immer sehr viel mit den kulinarischen Erlebnissen zu tun, wo sonst lernt man die Kultur und die Menschen besser kennen als beim probieren der lokalen Speisen.

    Nur beim Frühstück, da ging es mir wie dir… Lieber doch ein Toast, frisches Obst und Kaffee aus dem Hotel. Wenn der Start in den Tag schlecht läuft gibt es eine Katastrophe für mich.

    Mein Fazit zu China: Da möchte ich gerne wieder hin, privat und urlaub machen.. und dabei weiterhin meinem Bauchgefühl und der Optik trauen wenn ich mir mein Mittagessen “jage”.

    Liebe Grüße
    Wednesday/Katrin

    • Liebe Katrin, du hast das vollkommen richtig gemacht! Aufpassen muss man vor allem dann, wenn man das Gefühl hat, dass das Essen nicht heiß genug gemacht wird.
      Wenn Du das nächste Mal nach China reist, frage mich vorher. Ich kann Dir da sicherlich noch Tipps geben.
      Liebe Grüße
      Ulrike

  • Wow, das liest sich so gut, dass ich förmlich anfange, all die Sachen zu riechen. 🙂 Ich war noch nie in China und werde wahrscheinlich auch nie hinkommen. Durch Deine Berichte erhalte ich jedoch ein gute Vorstellung, wie es dort sein könnte. Und Deine Tipps (zB zu sagen, dass man Buddhist ist, um kein Fleisch serviert zu bekommen) werde ich beherzigen, wenn ich wider Erwarten doch mal in diesem Land ankomme. 😀

    • Ja, das ist wirklich sehr lecker. Ich hab schon mit Gisel darüber gesprochen, dass wir die chinesische “Gourmet-Reise” zunächst mal nach Hamburg machen können. Da kann ich euch alles vom chinesischen Frühstück bis zu Peking-ente authentisch in wirklich original chinesischen Restaurants bieten.
      LG
      Ulrike

  • Betrachterauge

    Ich muss gestehen, trotz aller Versuche, ausschließlich chinesisch in Peking zu essen und uns komplett zumindest in der Frage zu integrieren, gingen wir am Ende des Tages zur Pizzeria 🙂 Ein Monat war definitiv nicht ausreichend, sich an das Essen zu gewöhnen.

    • So kann das sein. Ich persönlich habe in China fast nie Appetit auf westliches Essen. Nur ein westliches Frühstück muss sein!

      • Betrachterauge

        Und wie lange musstest du dich an das Essen umstellen? Es ging bestimmt nicht nach einem Tag.

      • Chinesisches Essen war überhaupt kein Problem vom ersten Tag an. Aber seit meiner Zeit in Asien vertrage ich kein Vollkornbrot mehr und auch anderes ballaststoffreiches Essen ist nicht mehr ganz unproblematisch. Mir hat mal ein tibetischer Arzt gesagt, ich solle keine Kartoffeln essen. Ich liebe Kartoffeln, habe aber regelmäßig, wenn ich mal welche über einige Tage hinweg esse, Magenprobleme. Obwohl, wenn sie chinesisch zubereitet sind, dann ist alles gut.

      • Betrachterauge

        Wirklich unglaublich 🙂 So was habe ich noch nie gehört.

      • Ich verstehe das nicht ganz: warum sollte chinesisches Essen gewöhnungsbedürftig sein?

      • Betrachterauge

        Es ist anders. Andere Zubereitung, anderer Geschmack, sogar wie der Tisch serviert wird ist ungewöhnlich. Z.B. ein Hühnchen mit Kopf, der einen mit den toten Augen während man isst.

        “Gewöhnungsbedürftig” heißt hier übrigens wortwörtlich “man braucht Zeit, um sich daran zu gewöhnen”. Es ist keine Diplomatensprache, die “man kann es nicht essen” bedeuten würde. 🙂

      • Ich hatte gedacht, Du meinst es “körperlich”. Chinesisches Essen ist in der Regel leicht und gut bekömmlich. Das mit den Hühnerköpfen und ähnliches ist wirklich eher selten. Aber manche mögen die Gewürze nicht. Mich hat eine Freundin in Peking besucht, der das chinesische Essen nicht schmeckte. Dadurch hab ich überhaupt erst italienische und deutsche Restaurants in Peking kennen gelernt.
        ich hab wirklich von Anfang an keine Probleme gehabt. Als ich 1987 auf meiner ersten China-Reise mal einen halben Hühnerkopf in der Reisschale fand, hab ich halt drumrum gegessen. In der Regel ist das Essen in China meistens sehr schön und appetitlich angerichtet.

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