Zhuge Liang – ein chinesischer Held

Zhuge Liang 诸葛亮 (181 – 234) , bekannt auch unter seinem Rufnamen Kongming, war ein weiser Stratege und Politiker. In der Zeit der Drei Reiche (208 – 280) gelang es Liu Bai mit der Hilfe von Zhuge Liang, das Gebiet des heutigen Sichuan zu erobern und das Reich Shu-Han zu gründen. Liu Bai wurde für kurze Zeit Kaiser des Reiches. Zhuge Liang war sein Berater und wird wegen seiner Genialität heute wie ein Gott verehrt. Häufig wird er in entsprechenden Tempeln zusammen mit Liu Bai untergebracht.

Statue von Zhuge Liang im Park von Dujiangyan

Zhuge Liang im Park von Dujiangyan

Jedes Kind in China lernt heute mindestens ein  oder zwei Geschichten von Zhuge Liangs Heldentaten kennen. Nicht nur seine Heldentaten sind berühmt, sondern ihm werden auch einige bedeutende Erfindungen zugeschrieben: Zum Beispiel hat er die Kongming-Lampe erfunden, einen mit einer Kerze angetriebenen Heißluftballon, der als Signalgeber bei Schlachten benutzt wurde.

Besonders interessant: Seine Strategien zielten meistens darauf ab, den Gegner nicht mit Gewalt und Blutvergießen zu überwältigen, sondern mit List. Für die Chinesen wirkt er heute vor allem dadurch beeindruckend, weil er auch mit zunehmender Macht volksnah und korruptionsfrei blieb,

Besonders in Sichuan wird man Zhuge Liang häufig begegnen, sei es als Statue oder als Hinweis an Sehenswürdigkeiten. Der Wuhou Tempel in Chengdu ist Zhuge Liang gewidmet. Auch in der Provinz Shaanxi gibt es einen Wuhou-Tempel (bei Hanzhong).

Hier zwei Geschichten über den genialen Taktiker

“Geborgte” Pfeile

Der Minister Zhou Yu forderte Zhuge Liang heraus, indem er ihm befahl, innerhalb von 10 Tagen 100.000 Pfeile herzustellen, die dringend für eine Schlacht benötigt wurden.

“3 Tage reichen völlig aus!”, meinte Zhuge Liang dazu und stimmte zu, dass er fürchterlich bestraft werden würde, wenn er das nicht schafft. Zhou war wohl ein wenig eifersüchtig auf die Erfolge von Zhuge und tat alles, um den Erfolg zu verhindern. So gab er den Befehl an seine Truppe raus, dass niemand Zhuge unterstützen dürfe und auch kein Material für die Pfeile zur Verfügung stellen dürfe.

Mittlerweile hatte Zhuge natürlich gemerkt, dass Zhou ihn hereinlegen wollte. Er bat Lu, einen Beobachter von Zhou, ihm 20 Boote zu leihen. Diese stattete er heimlich mit Soldaten aus Stroh aus, die von Weitem wie echt aussahen. Außerdem waren die Boote mit Soldaten bemannt, die für die Fortbewegung sorgten.

An einem Tag, als dichter Nebel über dem See lag, fuhren die Boote aneinander gebunden los, auf den Gegner zu. Die wenigen echten Soldaten an Bord stimmten ein großes Kriegsgeschrei an und schlugen die Trommeln. Derweil saßen Zhuge und Lu im hintersten Boot, beobachteten, was geschah, tranken Wein und amüsierten sich.

Der Gegner dachte, dass dies ein Überraschungsangriff war und sammelte seine Truppen um sich. Sie sahen kaum was und schossen ihre Pfeile auf die schattenhaften Boote im Nebel. Die Strohsoldaten waren schnell gespickt mit Pfeilen. Nach einer Weile ließ Zuge die Boote kehrt machen, damit auch die andere Seite noch viele Pfeile abbekam.

Schließlich kehrten die Boote zurück. Die lebendigen Soldaten verhöhnten den Gegner mit lauten Rufen: “Danke für die viele Pfeile!” Später im Lager sammelte man die Pfeile aus den Strohpuppen ein. Es waren mehr als 100.000!

Den Feind mit einer verlassenen Stadt bekämpfen

Während eines Feldzugs nach Norden, als Zhuge Liang die Stadt Chang’an (das alte Xi’an) erobern wollte, hatte er zunächst Pech. Er verlor die Schlacht um die Stadt Jieling. Xicheng, wo sich Zhuge aufhielt, war fast ganz verlassen. Nur eine Handvoll Zivilisten war noch da. Die Armee des Feindes nahte mit großer Übermacht.

Zhuge Liang befahl, all Stadttore zu öffnen. Die verbliebenen Leute sollten in Ruhe die Straßen fegen. Er selbst saß hoch oben auf einem der Tore, spielte auf der Guzheng, einer chinesischen Zitter, an seiner Seite zwei Kinder. Ein Bild des Friedens und der Sorglosigkeit!

Als der Gegner vor den Toren stand und die Ruhe und Gelassenheit spürte, war er verwirrt. Wenn Zhuge so ruhig war, dann stimmte etwas nicht und es drohte Gefahr. Man befahl die Umkehr der Truppen. Die Stadt war gerettet.

Wie konnte das funktionieren? Zhuge Liang erklärte seinen verwunderten Offizieren später, dass der Gegner, Sima Yi, ein Mann voller Misstrauen war, der schon viel von den beeindruckenden Taktiken gesehen hatte. Sima Yi wollte kein Risiko eingehen und hatte einen Hinterhalt vermutet. Damit hatte Zhuge gerechnet. Mit einem anderen Gegner, so sagte er, hätte diese Taktik nicht funktioniert.

Zhuge Liang und ich

Ich bin Zhuge Liang wohl zum ersten Mal 1987 begegnet, als ich mir den Wuhou Tempel in Chengdu angeschaut habe. Aber da hat mir der chinesische Held nichts bedeutet und den Tempel fand ich eher langweilig.

Als ich 1993/94 in Peking Chinesisch lernte, kam auch der Moment, wo ich mich im 2. Semester mit der Geschichte von den Strohpuppen und den Pfeilen beschäftigen musste: Lesen, übersetzen, verstehen. Seitdem hab ich immer wieder von dem chinesischen Helden gehört und gelesen.

Als ich dieses Jahr (2016) seine schöne Statue in Dujiangyan sah, fühlte ich mich seltsam vertraut, als ob ich einen alten Bekannten wiedersehe.

Von Zhuge Liang sollte jeder, der nach China reist, mal gehört haben.

 

 

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