Emeishan: Baoguo Tempel

Der Baoguo Tempel (Bàoguó Sì, 报国寺) bildet das Tor zum Emeishan. Rundherum befinden sich einige für den Besuch des Berges wichtige Stellen: Die Bushaltestelle für die Minibusse, die dem Besucher einige Kilometer Wanderung auf dem Weg zum Gipfel ersparen, die Touristinformation und ein Museum. Außerdem ist der Tempel der Sitz der Buddhistischen Gesellschaft am Emeishan. Deshalb ist der Baoguo Si sicherlich einer der meistbesuchten Tempel am Emeishan. Trotzdem ist der Besuch sehr zu empfehlen. Es ist ein lebhafter Tempel, der von Pilgern, Touristen, Mönchen und Nonnen nur so wimmelt.

Baoguo Tempel (Bàoguó Sì, 报国寺)

Der Name des Tempels wird bei DuMont als “Tempel für den Dienst am Eigenen Land” übersetzt. Hmm hmmm, sehr komplizierte Übersetzung! 报 Bao ist übrigens auch das Wort für Zeitung, Beispiel 人民日报 Renmin Ribao -Volkszeitung. Das ist aber hier nicht die Bedeutung. In Verbindung mit dem Wort 国 Guo bedeutet es “sich für sein Land einsetzen”. Da Bao auch bedeutet “etwas an eine höhere Stelle melden”, denke ich, dass es hier darum geht, dem “Himmel” von der Größe und dem Guten im Lande zu berichten.

Ursprünglich wurde der Tempel Huizong Halle genannt und sollte Daoismus, Konfuzianismus und Buddhismus in sich vereinen. Zu dem Komplex gehörte einst auch ein Tempel, der zum Andenken an einen gefährlichen Tiger, den man in dieser Gegend im 16. Jahrhundert erlegt hatte, gebaut wurde. Dieser Tempel, der Fuhu-Tempel, liegt ein paar Hundert Meter weiter oben am Berg.Baoguo Tempel Hof

Die Gebäude aus dem Ming-Zeit (1368 – 1644) wurden mehrfach umgezogen und schließlich an dem heutigen Platz neu errichtet. 1703 erhielt der Tempel seinen heutigen Namen “Baoguo Si”. Dieser Name steht auch auf einer Tafel, die der Kaiser Kangxi (1654 – 1722) beschrieben hat und die heute hoch verehrt wird. Chinesische Kaiser, vor allem der Qing-Dynastie, haben den Emeishan einige Male besucht.

In den 5 Hallen (das Tor, die Maitreya Halle, die Mahavira Halle, die Sieben Budhha Halle und die Samantabhadra Halle) ziehen sich einen mit Wald bewachsenen Berghang hinauf. Viele Treppenstufen verbinden die Höfe und Hallen. In den Hallen findet man dem Kenner wohlbekannte Kunstwerke, vor allem Kalligrafien.

Der Tempel-Besuch

Beim Besuch des Baoguo Tempel eröffnet sich ein ganzer Kosmos buddhistischer Hallen mit buddhistischen Heiligen. Die vielen Details lassen sich manchmal erst auf den zweiten Blick erkennen. Zarte Malereien an den Toren, fein gearbeitete Statuen und dunkle Bronze-Glocken lassen mein Herz höher schlagen, als ich ehrfürchtig von Halle zu Halle weitergehe.

Buddha Maitreya

Eine Reihe  gelb gewandeter Mönche marschiert, Gongs schlagend, an mir vorbei. In einer Halle versammeln sich junge Menschen, Männer und Frauen, alle in gleiche graue Jogging-Hosen und Hemden gekleidet. Unter der Führung eines Mönches singen sie unablässig ein Mantra und wandern einmal durch die Reihen der Kissen. Ich werde freundlich zum Mitmachen aufgefordert. Doch ich wehre ab. Ein Mann mit einer Kamera begleitet das Schauspiel und nimmt alles auf. Eigenartige Gruppe – Pilger?

Je weiter ich nach oben komme – die Hallen liegen an einem Berghang – desto ruhiger wird es. Die Treppen werden mühsam. Die schwüle Luft macht mir zu schaffen. Aber ich finde die Atmosphäre so schön und habe auch viel Zeit, da hätte ich mich sicherlich sowieso auf eine der Bänke gesetzt und einfach die Ruhe, die Düfte, die Umgebung genossen.

Überall begegne ich im Tempel den Elefanten, denn dies ist das Heilige Tier am Emeishan. Putzige, teilweise sehr volkstümlich gestaltete Elefanten-Figuren bewachen die Hallen und Treppen. Merkwürdigerweise sind es häufig von der Gestalt her afrikanische Elefanten (große Ohren). Auch die zahlreichen Schmetterlinge, groß und leuchtend, faszinieren mich.

Als ich langsam die feuchten Stufen hinabsteige und zum Eingang zurück kehre, kommen mir weitere Menschenmassen entgegen. Ich wende mich nach rechts und folge der Straße. Von den Bäumen tropft die Feuchtigkeit. Ich gehe langsam und bedächtig. Ein junges Mädchen bietet mir ihren Stock. Ich lehne ab. So nötig habe ich den nicht! Doch an einer Stelle, wo eine Treppe mit alten teilweise gebrochenen Stufen zu einem weiteren Tempel führt, verzichte ich auf den Besuch. Mir erscheint es ein wenig riskant, die feuchten ungleichen Stufen zu begehen. Eigentlich schade, aber was soll’s?!

Zu meinem Reisebericht über den kurzen Trip nach Chengdu: Reisebericht 2

Mein Weg hinauf in die schöne Natur am Emeishan: mehr


Info (Stand Januar 2017)

Eintrittspreis RMB 8-
Öffnungszeiten: 6:00 – 18:30 Uhr (Hochsaison 15. Januar bis 14. Dezember)

Um den Baoguo Tempel zu besichtigen, muss man nicht die happigen Preise (RMB 185) für den Emeishan zahlen.


ImpressionenBaoguo Tempel
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