Tipps gegen Reisedurchfall

Reisedurchfall ist übel

(überarbeitet und aktualisiert im Februar 2017) Jeder kennt das, jeder hat es schon erlebt – Montezumas Rache, der Fluch des Pharao oder auch einfach und treffend Tourista: Der Reise-Durchfall. Manch eine Reise, ein ersehntes Abenteuer kann sehr davon gestört werden. Manch ein Reisender trägt ständig die Angst in sich: „Wann wird es mich wieder erwischen?“ Ich habe da meine eigenen einschlägigen Erfahrungen und möchte Euch einen Überblick über Ursachen, Vermeidung und Behandlung dazu geben. Die Tipps und Vorschläge basieren auf meinen Erfahrungen in Südostasien und China, sind aber sicherlich auch für andere Länder und Kontinente gültig.

HInweis:
Wenn man eine organisierte Rundreise durch China macht, braucht man sich recht wenig Gedanken um die Hygiene zu machen. Hotels und gute Restaurants kaufen ihre Lebensmittel nicht auf dem Markt ein und bereiten alles unter besten hygienischen Umständen zu. Auch die deutschen Reiseveranstalter wie feel China achten darauf, dass die Restaurant- und Hotel-Auswahl entsprechend vorsichtig getroffen wird.
Hier wird alles schön heiß gemacht. Kein Reisedurchfall in Sicht

Hier wird alles schön heiß gemacht.

Ursachen: 

  • In den bereisten, subtropischen bis tropischen Ländern Asiens, Afrikas und Amerikas treten Bakterien auf, an die die Einheimischen gewöhnt sind. Der Reisende muss sich erst dran gewöhnen.
  • Die ungewohnte Hitze kombiniert mit eiskalten Getränken bringt Magen und Darm in Aufruhr.
  • Bakterien in Speisen und Getränken, z.B. Samonellen und Coli-Bakterien
    Wie kommen die dahin? Die Hygiene-Vorschriften und auch das Wissen über Hygiene sind in manchen Gebieten nicht weit verbreitet. Da wird Gemüse in dem Graben vor dem Haus gewaschen, Unsauberes Leitungswasser ungefiltert zur Bereitung von Eiswürfeln und Getränken verwendet.
  • Scharfe Gewürze: wir Europäer sind nicht an die Schärfe von Chili oder Sichuan-Pfeffer gewöhnt. Alleine der Genuß solcher scharf gewürzter Speisen kann den Magen in Aufruhr versetzen
  • Speisen, die mit ganz viel Öl hergestellt wurden, belasten Magen und Darm
  • Mangelnde Hygiene beim Spülen von Geschirr und Besteck

Wie kommen die Bakterien in die Speisen und Getränke?

  • Mangelnde Hygiene
  • Die Speisen werden nicht heiß genug gemacht
  • Auf den Märkten legt sich der Staub der Straße auf Fleisch und Gemüse, die Menschen beugen sich über die Auslage und testen die Qualität des Angebotes mit den Fingern. Ein „Spritzschutz“ besteht nicht.
  • Fleisch hängt offen in der Sonne, ungeschützt vor Fliegen und Menschen
    Fleischladen in Peking

    Fleischladen in Peking



Was bedeutet Kopfdüngung?

Die Klos, unter denen der Kübel steht, in dem die kostbaren Ausscheidungen aufgefangen werden.

Die Klos, unter denen der Kübel steht, in dem die kostbaren Ausscheidungen aufgefangen werden.

In dörflichen Gegenden in Asien düngt der Bauer häufig mittels Kopfdüngung, also spritzt er das Düngemittel einfach so über Salat, Kohl und Tomaten. Das Düngemittel wird aus der eigenen Toilette und dem Schweinestall gewonnen. Ich habe selbst gesehen, wie wertvoll den Bauern ihr Plumsklo ist, das eifersüchtig bewacht wird. Jeder hat ein eigenes. In einem Ort in Südchina standen diese Bretterbuden alle im Abstand von ca. 10 bis 20 Metern entlang einer Straße. Ein merkwürdiger Anblick!


Kläranlagen
Seien wir ehrlich: Selbst in den etwas besser entwickelten Ländern der Tropen sind effektive Kläranlagen fast unbekannt. Das Abwasser aus Toiletten und Waschanlagen gerät direkt ins Grundwasser oder in die Flüsse. China hat da ein großes Problem mit. Das Wasser für die Leitungen wird ein wenig aufbereitet und mit ganz viel Chemie versetzt. Das mag ja keine Bakterie überleben, aber das viele Chlor ist auch nicht gesund.

 

 

 


Vorbeugen unterwegs

Die klassische Regel für den Aufenthalt in heißen, südlichen Ländern lautet

Boil it – peel it – or forget it!
Kochen, schälen oder vergessen!

Das ist nicht mehr ganz so generell und strickt anzuwenden, denn mittlerweile gibt es auch z.B. in China Erdbeeren und Tomaten, die in Treibhäusern und unter erstklassigen hygienischen Bedingungen gezogen werden.

Trotzdem!

  • Vergewissere Dich, dass das, was Du isst, ganz heiß gemacht wurde. In den Restaurants in China ist das die Regel. Ein Wok bringt Öl und Speisen sehr schnell auf höchste Temperaturen
  • Meide kalte Nudelsuppen und andere kalten Speisen an Foodstalls
  • Meide alles, was so aussieht, als würde es schon lange in den Töpfen vor sich hindämmern ohne zu kochen
  • Sei misstrauisch allem gegenüber, das rot aussieht. Meistens sind solche Speisen unglaublich scharf
  • Keine Tomaten, Erdbeeren und andere Beeren! Kein grüner Salat! Oder nur da, wo Du Dir über die Hygiene sicher sein kannst, im Hotel oder in guten Restaurants also
  • Keine eiskalten Getränke, kalt ja, aber nicht am Nullpunkt, wenn man sich gerade bei mehr als 30° irgendwo aufhält. Keine Eiswürfel
  • Heißer Tee ist das beste Mittel gegen das Schwitzen in heißen Ländern
  • Bei Wasser in Flaschen: Wenn man sie am Straßenrand kauft, unbedingt darauf achten, dass die Flasche original verschlossen ist! Manchmal werden leere Flaschen einfach mit Leitungswasser wieder aufgefüllt und als Mineralwasser verkauft.
    Ordentlich verschlossene Wasserflaschen in einem kleinen Shop in Chengdu

    Ordentlich verschlossene Wasserflaschen in einem kleinen Shop in Chengdu


Warum hilft heißer Tee bei Hitze?

Schwarzer, grüner und vor allem Pfefferminztee helfen bei großer Hitze, dass man nicht so viel schwitzt. Das liegt daran, dass der Körper ständig Wärme erzeugt, um die Körpertemperatur konstant zu halten. Das muss er bei Hitze natürlich nicht so in dem Maße. Aber sobald man ein kaltes Getränk zu sich nimmt, entsteht im Verdauungstrakt eine Kälte, die sofort ausgeglichen wird. Das bedeutet, die Körpertemperatur steigt, Energie wird eingesetzt, um wieder auf normale Betriebstemperatur zu kommen. Das belastet den Körper. Wenn man aber heißen Tee trinkt, wird der Körper entlastet und die Energieproduktion runter gefahren. Man schwitzt zwar immer noch, aber deutlich weniger. Man fühlt sich erfrischt und der Kreislauf wird weniger belastet.


Was hilft, wenn Dich der Reisedurchfall erwischt hat?

Ein normaler Reisedurchfall dauert zwischen 3 und 5 Tagen. Man könnte sich natürlich ausruhen, viel trinken und das Ende abwarten. Das ist auf Reisen meistens nicht möglich und nicht gewünscht.

  • Es gibt Früchte, die bei Durchfall stopfend wirken: Papaya und Banane zum Beispiel
  • Kohlekompretten sollen helfen. Mir nicht!
  • Es gibt Tabletten, die man auch zur Prophylaxe nehmen kann. Lasst Euch von Eurem Arzt oder Apotheker vor der Reise beraten und nehmt die entsprechenden Tabletten mit.
  • Imodium und ähnliches. Das sind wahre Hammertabletten. Ich nehme die nach Möglichkeit gar nicht. Doch fragt euren Arzt oder Apotheker!
  • Diät! Ein, zwei Tage mit einfachem weißen Reis und Tee sollten helfen, den Körper wieder in Griff zu bekommen. Limonaden vermeiden!
  • Cola und Salzstangen helfen zwar nicht direkt gegen den Durchfall, aber versorgen den Körper mit Flüssigkeit und Mineralien
  • Hilft gar nicht: Das Glas Schnaps am Morgen. Das ist eine alte Legende unter Reisenden, die wohl schon aus Kolonialzeiten stammt.
    Ein einfaches Essen in einem Teehaus. Hier droht kein Reise-Durchfall

    Ein einfaches Essen in einem Teehaus in Chengdu. Sieht lecker und gut aus! Kann man essen!

Mir sind all diese Maßnahmen so in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich gar nicht mehr darüber nachdenke. Und es gibt natürlich auch Situationen, in denen man alle Bedenken kurzfristig vergessen muss. Wenn man zum Beispiel eingeladen wird, mit und bei Einheimischen zu essen. Da gilt es, nur im äußersten Notfall das angebotene Essen zu verweigern. Alles andere wäre extrem unhöflich. Von den Menschen ins Haus eingeladen zu werden, mit der Bauernfamilie gemeinsam zu essen, ist ein tolles Erlebnis. Wenn dann freudestrahlend Fisch und Fleisch zu Ehren des fremden Besuchs aufgetischt werden, sollte man sich auch als Vegetarier nicht weigern, zuzugreifen. Das wäre eine schlimme Beleidigung! Doch man kann sich rausreden aus dem Fleisch essen, indem man möglichst überzeugend sagt, dass man Buddhist ist und deshalb kein Fleisch essen darf. Und das am besten, bevor die Gastgeber anfangen, was schönes zu kochen.


Ein nettes Erlebnis in Südchina

Sommer 1993: Ich war in einem Ort, der sicherlich nicht viele Touristen erlebte. Auf der Suche nach einem guten Abendessen hatte ich ein kleines Restaurant mit drei großen runden Tischen gefunden. Es sah sauber und adrett aus. Ich setzte mich an einen Tisch. Ein anderer war von einer Gruppe chinesischer Männer besetzt, die fröhlich miteinander feierten. Eine kurze Verhandlung mit der Wirtin (ich konnte damals schon Chinesisch sprechen) bescherte mir ein Menü aus einer Gemüsespeise und einem Fleischgericht. Ich weiß nicht mehr genau, was. Dazu natürlich eine Flasche Bier. Die freundliche Wirtin brachte mir zuerst das Bier, das sie freundlich lächelnd in ein Glas goß. Eigentlich trinke ich, aus hygienischen Gründen, lieber direkt aus der Flasche. Aber hier war ich nicht schnell genug.

Die Wirtin sah, dass ich meine eigenen Essstäbchen ausgepackt hatte und wies mich darauf hin, dass das bei ihr nicht nötig wäre. Ich war etwas irritiert und verstand nicht gleich. In Südchina wird ja auch ganz anders gesprochen als in Peking. Die Wirtin verzog sich in die Küche und ich griff nach meinem Bierglas. Und zuckte zurück: Servierte man mir hier etwa kochendes Bier? Das Glas war ganz heiß. Ich probierte vorsichtig: Das Bier war schön kühl. Verwundert guckte ich mich um und erkannte nun, was die Wirtin versucht hatte, mir zu erklären: In der Ecke stand ein großer Glasschrank, in dem Geschirr und Besteck heiß gemacht wurden, um es zu desinfizieren! Sachen gibt’s! Später sah ich beim Bummel durch die Straßen des Ortes, dass vor jedem kleinen Foodstall und einfachem Restaurant eine Schüssel auf einem kleinen Feuer stand. In dem mit Wasser gefüllten Topf kochten die Essstäbchen zur Desinfektion. Anscheinend fand gerade eine große Hygiene-Kampagne statt!

Die Straße der Nudelbuden, vor denen die Töpfe mit heißem Wasser und Essstäbchen stehen. 1993

Die Straße der Nudelbuden, vor denen die Töpfe mit heißem Wasser und Essstäbchen stehen. 1993


Fazit:

Eine Mischung aus gesundem Menschenverstand, ein paar Vorsichtsmaßnahmen und ein wenig Medizin helfen am Besten, möglichst gar keinen Reisedurchfall zu bekommen unterwegs.

Macht Euch nicht zu viel Sorgen! Gegen Hepatitis kann man sich impfen lassen und es gibt so viel Auswahl an leckeren Speisen, dass man nicht gezwungen ist, an zweifelhaften Foodstalls zu essen.

Manche behaupten auch, dass man schon von der Angst vor dem Durchfall selbigen bekommt. Ja, auch der ganze Reisestress kann Durchfall verursachen. Also immer schön locker bleiben!

Schaut auch mal hier:

Damit Ihr wisst, was Euch auf chinesischen Toiletten erwartet, verlinke ich mit dem wunderbaren Artikel von Shaoshi in Shanghai: 24 Survival-Tipps für chinesische (Damen-) Toiletten.

Chinesen essen alles, Tipps für unterwegs

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Chinas Märkte – die harten Fotos

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20 Kommentare

  • Hallo Ulrike,
    sehr nützliche Tipps, ich hoffe dennoch, dass ich keinen davon in Kamboscha brauchen werde 😉 geht in wenigen Tagen los und die Reiseapotheke ist schon gepackt..
    VG Simone

  • Hallo Ulrike,

    das Problem kenne ich nur zu gut. Fast im jeden Urlaub habe ich damit zu kämpfen. Nicht nur im Ausland sondern auch wenn wir in Deutschland unterwegs sind. Denke das es in der Zwischenzeit bei mir auch etwas Kopfsache ist, weil ich vorher immer denke “Hoffentlich passiert nichts”. Vielen Dank für deine Tipps. Ich werde sie auf jeden Fall berücksichtigen. 🙂

    Viele Grüße
    Peggy

    • Liebe Peggy,
      Ich freue mich, wenn ich ein wenig helfen konnte. Für mich ist Durchfall auch immer ein zentrales Problem, wenn ich verreise. Meistens auch schon vorher, weil ich mich freue und aufrege.
      LG
      Ulrike

  • Und schon wieder ein Danke für deine tollen Tips. 🙂 Schmöker mich gerade etwas durch.

  • Pingback: Die Erdbeere

  • Pingback: Die Reiseapotheke für China

  • Da hab ich immer total “schiss” vor. Und ich finde es gut, dass du offen darüber schreibst, denn das ist ja sonst eher ein Thema, dem die Leute lieber aus dem Weg gehen. Auf Reisen hab ich immer Tabletten dabei. Safety first! Du kennst dich da nicht aus, weißt nicht, wie weit das nächste Klo entfernt ist oder ob es sauber ist. Aber coole Sachen ausprobieren, möchte man ja trotzdem. Ein Teufeldkreis 😉

    • bambooblog

      Ja, es ist ein Teufelskreis. Ich habe häufig zugunsten meiner Gesundheit auf Leckereien am Wegesrand verzichtet. Und ich habe auch immer entsprechende Tabletten dabei. Aber meine Reiselust hat nie darunter gelitten. 😉

  • Danke für die vielen nützlichen Tipps.

    Ich ergänze mal: ich habe im Reisegepäck immer ein Glas Brühpulver (ja, das ganz einfache, Gemüse oder Fleisch, ganz egal). Heisses bzw. kochendes Wasser habe ich noch immer und überall bekommen und mir tut eine heisse Tasse Brühe im Fall der Fälle wirklich gut (ich denke, das liegt zum einen an der Flüssigkeitszufuhr, zum anderen am Salz, was ich damit trinke)

  • Pingback: 24 Survival-Tipps für chinesische (Damen-)Toiletten | Shaoshi in Shanghai

  • Sehr informativ! Wer hätte gedacht, dass man so viel zum Thema Durchfall schreiben kann! Das verlinke ich in meinem Toilettenartikel!

    Ich finde es interessant, dass man in China schon Anfang der 90er diese Desinfektionsschränke hatte. Hätte ich nicht gedacht.

    Mich erwischt es hier zum Glück nur selten und wenn, dann meistens, weil ich zu kaltes Wasser trinke. So einer eisgekühlten Wasserflasche, an der außen das Kondenswasser runtertropft, kann ich manchmal bei den hohen Temperaturen einfach nicht widerstehen – fatal.

  • Die Sache mit dem Schnaps haben doch sicher die Kolonialbriten erfunden um ihrer Frusttrinkerei einen medizinischen Anstrich zu geben 🙂

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