Tod einer roten Heldin

Buchrezension Qiu Xiaolong “Tod einer roten Heldin”

Die Geschichte

Der Leichnam der offensichtlich ermordeten Modellarbeiterin Guan Xongying wird in der Nähe Shanghais gefunden. Oberinspektor Chen ermittelt und gerät in ein Durcheinander von Parteiinteressen, Wünschen hoher Kader und reicher Leute. Wenn er der Wahrheit zu nahe kommt, wird er in seinen Ermittlungen behindert. Doch er hat Freunde und Beziehungen, die ihm helfen, weiterzukommen. Schritt für Schritt kommt er der Aufklärung des Falles näher. Auch Liebesgeschichten spielen eine Rolle, nicht nur die von Chen sondern vor allem die des Opfers. Nur langsam baut sich eine Spannung auf, die am Ende zu einer etwas überstürzten Lösung führt.

Der Autor Qiu Xiaolong

Qiu Xialong wurde 1953 in Shanghai geboren. Nach dem ende der Kulturrevolution 1976 studierte er Englisch und Literaturwissenschaften in China. 1988 ging er mit einem Stipendium in die USA. Seitdem lebt er in den USA. Besuchte aber auch einige Male China. Sein Krimi “Tod einer roten Heldin” erschien 2000.

Mein Eindruck vom Krimi “Tod einer roten Heldin”:

Der erste Satz: “Die Tote wurde am 11. Mai 1990 um 16:40 Uhr im Baili-Kanal gefunden, einem abgelegenen Kanal etwa 35 Kilometer westlich von Shanghai.”

Aha, Zeit und Ort werden gleich zum Anfang klar dargestellt. Schön, das liebe ich! Vor allem in dem schnelllebigen China ist das wichtig, denn das Land verändert sich rasend schnell. Was es heute gibt, war vielleicht gestern noch gänzlich unbekannt.

So geht es weiter:

Zwei alte Männer, einst gute Schulfreunde, machen einen Ausflug zu dem Kanal, um zu angeln. Dabei stoßen sie auf die in einen Sack verpackte Leiche einer jungen Frau. Natürlich steht fest, dass sie sofort die Polizei verständigen müssen.

“Gao holte sein Handy heraus.” heißt es auf der 6. Seite.

Verwundert reibe ich mir die Augen: Gab es 1990 überhaupt schon Handys? Da muss ich gleichmal nachgucken. Ergebnis: In Deutschland gab es vereinzelt erste Netze. Und Autotelefone. Doch die Verbreitung von Handys fing erst mit den digitalen Netzen Anfang der 1990er an.

In China habe ich sie jedenfalls bei meinen Reisen 1991 und 1992 nicht gesehen. 1993 lebte ich ein Jahr in Peking. Dort gab es auch keine Handys, nur so lustige Pager, Bibi-Ji (Gerät, das piept) genannt. Damit konnte man jemanden anpiepen und zum Rückruf vom nächsten Festnetztelefon auffordern. Das war 1993 der absolute Hit und Statussymbol. Wer sich ein solches Gerät nicht leisten konnte, und das waren die meisten, legte sich eine Attrappe zu, die hin und wieder piepte. Damit konnte man zeigen, dass man wichtig ist.

Naja, ich ärgere mich über dies erwähnte Handy 1990. Auch wenn es tatsächlich damals schon Handys in China gegeben haben sollte, bezweifle ich, dass es 35 Kilometer außerhalb von Shanghai ein Netz gegeben haben kann.

Ich mag solche Ungenauigkeiten nicht. Als Resultat lege ich das Buch für ein paar Tage beiseite. Doch irgendwann nehme ich das Buch doch wieder in die Hand. Ich brauche einfach abends etwas Lektüre vor dem Einschlafen. Nach und nach entwickelt sich die Handlung. Ich stoße noch auf so manche Ungereimtheit, Dinge, die meiner Meinung so nicht gewesen sein können, wie die Wohnverhältnisse oder die Shanghaier Stadtteile. Aber ich schiebe dies beiseite und erfreue mich an dem spannenden Krimi. Wer der Mörder ist, steht ziemlich schnell fest. Doch wie ihm die Tat nachweisen? Zudem der Mann ein sog. Prinzling ist, ein sehr privilegierter reicher Mann.

Mein größtes Hindernis beim Lesen von Romanen, die im heutigen China spielen (siehe auch Beijing Baby), sind meine eigenen Kenntnisse des Landes. Da werde ich zum Klugscheisser, frage mich immer wieder “kann das wirklich so sein?”. Das steht meinem Genuss eines solchen Buches im Weg. Doch für jemanden, der China nicht so gut kennt, der sich mehr auf die Handlung konzentrieren kann, ist es ein spannendes Lesevergnügen. Deshalb denke ich, dass es grundsätzlich interessant ist, die Romane von Qiu Xiaolong zu lesen, und empfehle die Lektüre.

*

2 Kommentare

  • *Hahahaha!* 😀 Den Klugscheißer-Modus kenne ich! Der befällt mich jedesmal, wenn ich Donna Leons Comissario-Brunetti-Krimis lese.
    Herzliche Grüße!

    • Ja, es ist schwierig, sowas zu lesen, wo man sich auskennt.Die Autoren lassen ihre Phantasie spielen, wie es am besten passt. Das ist ja auch ok, aber für Leute wie uns schwierig zu lesen.
      LG
      Ulrike

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