Osh in Kirgistan, ein Fest für alle Sinne!

Osh in Kirgistan ist die zweitgrößte Stadt des Landes mit 250.000 Einwohnern. Hier treffen schon seit vielen Tausend Jahren Handelsrouten aufeinander. Heute sind es der Pamir-Highway, der bei Osh das fruchtbare Ferghana-Tal erreicht. Diese Route ist besser bekannt als “Seidenstraße”. Auch eine NordSüd-Verbindung, die von Tadjikistan im Süden nach Norden (Russland) führt, sorgt für einen regen Warenaustausch. Der ausgedehnte Bazar soll der größte in Zentralasien sein.

Der Bazar von Osh: Sehen, riechen, hören, schmecken

Wir besuchen gleich am Morgen den Bazar. Gut, dass wir einen Reiseleiter dabei haben! In den vielen schmalen Wegen zwischen den Obstständen, Gemüseauslagen, Gewürzen, Kleidern, Handy-Zubehör kann man sich schnell verlaufen. Ich hatte mir ja schon gestern einen ersten Überblick verschafft. Aber heute dringen wir immer tiefer ein in den Bazar. Es ist voll, es wird an jeder Ecke gehandelt. Und doch scheinen die Menschen ruhig und gelassen. Manch ein Händler findet eine gemütliche Ecke zum Tee trinken und Schach spielen.

Es ist ja irgendwie schade, dass wir hier nicht wirklich einkaufen können! Staunend bewundere ich die riesigen Radiesschen, die bunte Vielfalt von Handy-Hüllen. Tief atme ich die vielen exotischen Gerüche ein. Gewürze des Orients, duftende Äpfel aus dem fruchtbaren Ferghana-Tal. Russische Waschmittel, internationale Shampoo-Marken, man findet alles für den täglichen Gebrauch. Das Flair der Seidenstraße schwebt über und in allem.

Dann erreichen wir eine weitere spannende Abteilung des schier endlosen Bazars: Die Haushaltsgeräte und Metallwaren. Wir bekommen einen interessanten Einblick, wie ein kirgisischen WC aussehen kann. Oder die Waschstände, wie wir einen in Sarytash erlebt haben. Sehr interessant! In kleinen Werkstätten wird fleißig gehämmert und geschmiedet. Das ist die Domain der Männer, die mit Kennerblick von Stand zu Stand gehen.

Der Suleiman Berg, ein Platz für die Seele

Die zweite Sehenswürdigkeit, die Osh zu bieten hat, ist der Suleiman-Berg, eine 1.100m hohe Erhebung, um die herum sich die Stadt erstreckt. Dieser Felsen, der sich sehr signifikant aus der Ebene erhebt, ist schon seit ewigen Zeiten ein heiliger Berg. Man hat hier viele, viele bis zu 3.000 Jahre alte Felszeichnungen gefunden.

Doch seine besondere Bedeutung für die muslimische Bevölkerung hat der Berg dadurch gewonnen, dass erzählt wird, dass Babur, ein Nachkomme von Timur und Begründer des Mogulenreichs in Indien, lange in einer Hütte auf dem Gipfel gelebt hat und über sich und seine Vorhaben nachgedacht haben soll. So wird heute eine kleine Moschee auf dem Gipfel als das “Haus des Babur” bezeichnet. Dies lockt zahlreiche Pilger an.

Babur wird hier als Heiliger verehrt, was dazu geführt hat, dass sich rundum den Berg ausgedehnte Friedhöfe befinden. Man verspricht sich, durch die Nähe zu einem berühmten Heiligen Vorteile im jenseitigen Leben zu haben. Auffallend an den Gräbern sind schwarze Haarbüschel. Das sind Pferdehaare. Es ist ein alter Brauch der Nomaden, ihre Gräber mit solchen Pferdehaaren zu kennzeichnen.

Doch der Berg wird noch viel heiliger durch die Geschichte, dass König Salomon (ja, der aus dem Alten Testament!) hier beerdigt sein soll. Daher soll auch der Name des Berges kommen. Doch unser Reiseleiter erklärt uns, dass mit Salomon ein muslimischer Heiliger aus Persien gemeint sei. Mir soll’s egal sein! Ich beobachte das Gewusel der Pilger, die mit uns den mühsamen Aufstieg zum Gipfel machen. Es ist sehr steil und anstrengend, und eine ältere Teilnehmerin verzichtet auf den Aufstieg. Sie lässt sich bequem zum Parkplatz fahren, der sich am Gipfel gleich hinter dem Haus von Babur befindet.

Wir, der Rest, keuchen uns langsam hinauf. Treppenstufen schier ohne Ende! Die Mittagssonne brennt. Ein Stopp noch: Eine flache Höhle auf halber Höhe wird von den einheimischen Frauen als glückverheißend verehrt, wenn sie ein Kind haben möchten. Dann kriecht frau in den niedrigen Raum hinein und hofft anschließend auf ein gesundes Kind.

Auf dem Gipfel reihen wir uns in die Schlange von Pilgern ein, die in das kleine “Haus von Babur” hinein wollen. Ich bleibe lieber draußen und teile mit kirgisischen Frauen und Männern den spärlichen Schatten eines alten Baumes. Ein Schluck Wasser, ein Stück Fladenbrot, lecker! Die freundlichen Frauen bieten uns Tee an. Wir verständigen uns mit Lächeln und Gesten.

Dann geht es weiter zur nächsten Grenzabfertigung, die gleich bei Osh liegt. Heute Abend wollen wir in Ferghana in Usbekistan übernachten! Die Fahrt zur Grenze dauert nur 10 Minuten. Mittlerweile aber erreicht die Mittagshitze ihren Höhepunkt.

Grenze Kirgistan – Usbekistan

Auch diese Grenze ist wieder ein Erlebnis, dem ich mit ein wenig Besorgnis entgegen blicke.

Und schon stehen wir Schlange und müssen durch zahlreiche Kontrollen. Während die Kirgisen wenig Interesse an uns zeigen, wird es dann von Meter zu Meter schwieriger. Die usbekische Grenzkontrolle liegt nur rund 200 Meter weiter. Für den Transport von unseren Koffern bieten junge Männer die Beförderung mit einer Karre an. Natürlich gegen Gebühr! Die geforderten 10 USDollar wollen manche Teilnehmer nicht zahlen und machen ihrem Ärger um die Abzocke Luft.

Die Passkontrolle wird richtig umständlich: Jeder Pass wird in einen Computer und dann noch mal handschriftlich in ein Buch eingetragen. Jeder von uns wird von einem 3. Beamten kurz befragt. Einige usbekische Grenzbeamten wollen den Inhalt unserer Koffer inspizieren.Ist doch interessant, was die ausländischen Touristen dabei haben! Einige Teilnehmer sollen erklären, was sie im Koffer haben: Medikamente, Kaffeepulver usw. Was sind Tampons? Wozu benötigt man diese (Vitamin-) Brausetabletten? Es dauert alles endlos in der Mittagshitze.

Es ist jetzt sehr heiß geworden. Es gibt eine Toilette auf der usbekischen Seite, die nicht zu empfehlen ist. Aber was muss das muss! Ein alter Mann nimmt für die Benutzung, für einen Fetzen Klopapier und etwas Wasser zum Händewaschen einen ganzen USDollar. Anlass für weitere Meckereien.Aber es gibt keine Alternative. Die Leute, die schon durch sind, warten derweil in unserem usbekischen Bus. Der usbekische Reiseleiter bemüht sich sehr, uns zu helfen.

Schließlich sind alle durch und die Fahrt geht im klimatisierten Bus weiter.

Zur vorangegangenen Etappe: Nomadenland

Zur nächsten Etappe: Fergana in Usbekistan

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.