Im tiefen Wald des Emeishans

Die Touristmap of Emeishan zeigt, dass der Weg hinter dem Fuhu Tempel weiter geht. Emeishan Touristenkarte

Schaut mal unten links. Da ist eine Luofeng Nunnery eingetragen, ein Nonnenkloster also. Als ich aus dem Fuhu Tempel (hier) heraus komme, ist es erst Mittag. Ich habe noch viel Zeit. Weiter geht es also in Richtung der ominösen Nunnery.

Nun bin ich also fast alleine unterwegs. Bald lasse ich alle Menschen hinter mir. Der Weg ist gut und neu. Die Treppen nicht so steil. Auch wenn ich nun doch erste Erschöpfungzeichen spüre, gehe ich langsam und stetig weiter. Um mich herum nur die Geräusche des Waldes, ein Vogel zwitschert aufgeregt, Schmetterlinge flattern um mich herum. Die Luft ist schwer und feucht vom Regen der letzten Nacht.

Ich bin völlig hingerissen: Es ist Samstag, ich bin an einer der größten Touristenattraktionen in China und ich bin ganz alleine in einem üppigen Wald. Keine Menschenstimme, kein ferner Motorenlärm! Was für ein verzauberter Moment! Immer wieder bleibe ich stehen und schaue mich um. Entzückt entdecke ich zwischen den Steinen kleine, wunderschöne Schnecken, die aussehen wie Kauri-Muscheln.

Eine einsame Grabespagode kündigt menschliches Dasein an. Ein kleines Feld, über das mein Blick ins Tal geht. Dann stehe ich vor einem Gebäude. Ein Mann kommt neugierig aus dem Haus, schaut mich kurz an und verschwindet wieder. Zwei Menschen reden miteinander, unsichtbar für mich. Wo bin ich hier? Das kann nicht das Nonnenkloster sein. Aber was ist es dann? Wenige Schritte weiter stehe ich vor einer Wand mit kleinen Fächern. Offenbar ein Kolumbarium, wo in den zugemauerten Nischen die Urnen besonderer Menschen beigesetzt wurden.Blick über ein kleines Feld ins Tal Kolumbarium am Emeishan

Hinter dem Gebäude zwei Reihen mit Grabpagoden. Auf den einzelnen Monumenten kann ich Fotos erkennen, Inschriften. Hier scheint ein Friedhof für verdiente Mönche und Äbte des Emeishans zu sein. Hoch über dem Tal mit einem fantastischen Blick über die Berge und Wälder des heiligen Emeishan wurden sie hier zur letzten Ruhe gebettet. Ein heiliger Platz.

Ehrfürchtig gehe ich durch die Reihen von großen und kleinen Pagoden. Halte inne, versuche, die Inschriften zu entziffern. Was für ein Ort! Ich finde einen kleinen Pavillon mit Bank, wo  ich mich ein wenig ausruhe und die feierliche Stimmung auf mich wirken lasse.Grabpagoden am emeishanGrabpagode Detail

Was nun? Wo ist das Nonnenkloster? Der gute, restaurierte Weg endet hier jedenfalls. Auch wird es langsam Zeit für mich, zum Hotel zurückzukehren. Ich lasse mir Zeit für meine Überlegungen. Es ist einfach zu schön, hier in fast totaler Einsamkeit zu sitzen. Mitten in China!

Schließlich kehre ich um. Das Nonnenkloster habe ich nicht gefunden. Dafür habe ich ein ganz besonderes China genossen, eines, wie es nur wenige erleben.Emeishan Pagoden

Zu meinem Trip nach Chengdu kommt Ihr hier

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