Bunte Stoffe, altes Handwerk in Usbekistan

Seidenstraße 2007: In Usbekistan von Fergana nach Tashkent

Oh, wir haben uns gut erholt in diesem schönen Hotel in Fergana! Ein leckeres Frühstück mit allem, was das Touristenherz begehrt, Eier, Toast, Wurst, Käse, frische Tomaten…, starten wir in einen weiteren anstrengenden Tag. Denn heute soll es von Fergana nach Tashkent gehen, mehr als 300 Kilometer, mit interessanten Stopps unterwegs.Lilien im Fergana Tal

Es ist vielleicht eine der beschwerlichsten Übungen einer solchen organisierten Rundreise: Fast jeden Tag heißt es Koffer packen! Keine Möglichkeit, sich an die Umgebung zu gewöhnen, zu entspannen. Doch wir haben uns schon dran gewöhnt. Die üblichen Meckerer in der Gruppe meckern, ich nehme das mit Humor. Andere saugen jede Sehenswürdigkeit mit Begeisterung in sich auf. Jedes Blümchen am Wegesrand wird bewundert, jedes Dorf mit seinen lächelnden bunt gekleideten Frau begeisert fotografiert.

Margilan, Seidenstadt

Nach ungefähr einer Stunde erreichen wir Margilan. eine alte Handelsstadt an der Seidenstraße. Margilan soll von Alexander dem Großen gegründet worden sein. Auch der uns mittlerweile bekannte Babur hat Margilan mit Respekt erwähnt. Hier scheint der Sommer uns aus allen Ecken mit unendlich vielen bunten Blumen am Wegesrand entgegen zu winken.

Unser Ziel ist eine alte Seidenfabrik. Natürlich sehen wir nicht die moderne Fabrik mit ihren glänzenden Maschinen sondern den alten Teil. Ein Seidenmuseum! Man hat die alten, etwas düsteren Hallen mit den mechanischen Webstühlen erhalten. Junge Frauen bedienen die Webstühle und zeigen uns, wie die bunten, glänzenden Stoffe entstehen. Auch hier gibt es eine Ecke für eine Teepause. An den Webstühlen sind Fotos angepinnt. Vom Mann, vom Kind… wir lernen den ganzen Vorgang kennen. Von der Zucht der Seidenraupen, zum Abwickeln der Kokons und dem Färben der feinen Fäden. Auch leuchtende Teppiche werden hier hergestellt.

Ein wenig kritisch sehe ich den Jungs und Mädchen bei der Arbeit zu. Manche sind nicht älter als 10, 12 Jahre. Aber das ist anscheinend ganz normal hier, die Kinder sehen ganz fröhlich aus.

Ein Geschäft, wo wir Tücher und Stoffe kaufen können, darf natürlich nicht fehlen! Begeistert wühlen alle in den Körben voller strahlender Farben. Doch den meisten ist das alles zu bunt. Bei einem Gläschen tee sitzen wir eine Weile in der warmen Sonne und plaudern auch ein wenig mit den einheimischen Frauen. Wie gut, dass sie durch den regen Kontakt mit Touristen ein wenig Englisch sprechen können! Zwei Teilnehmer, die Russisch können, sind hier in Usbekistan, klar im Vorteil.

Töpferhandwerk in Rishtan

Schon geht es weiter nach Rishtan. Das ist gar nicht weit. In Rishtan gibt es eine berühmte Töpferwerkstatt. Stolz werden wir durch den Ausstellungsraum geführt, erleben, wie die Rohlinge in riesigen Öfen zum Brand gestapelt werden.

Besonders stolz ist der Chef der Werkstatt, Rustam Usmanov, dass er auf der EXPO 2000 in Hannover ausstellen konnte. Den prachtvollem Teller, der zu der Ausstellung gehörte, würde ich am liebsten gleich mit nehmen. Doch der hat seinen Preis! Kostet mehr als die ganze Reise! Die Keramik wird von Mustern und Motiven in einem strahlenden Blau geprägt, dem Blau der Seidenstraße.

Der Werkstatt ist eine Schule angeschlossen, die uns stolz gezeigt wird. Es ist noch gar nicht so üblich, dass alle Kinder in Usbekistan zur Schule gehen können. Vor allem Mädchen sind bei der Bildung benachteiligt.

Prachtvolles Kokand

Qoʻqon (russisch Коканд/Kokand) ist eine Stadt in Usbekistan mit 187.000 Einwohnern, verrät mir Wikipedia. Wieder einmal erschwert die unterschiedliche Schreibweise das Suchen und Finden der Stadt im Reiseführer. Auch wenn die Stadt schon vor Jahrhunderten ein bedeutender Handelsplatz der Seidenstraße war, so stammen die Sehenswürdigkeiten im wesentlichen aus dem 19. Jahrhundert.

Schon etwas müde folgen wir brav unserem Reiseleiter Toni, der uns geduldig führt. Und uns genauso geduldig hilft, als wir über einen Obst- und Gemüsestand herfallen. Tomaten, Bananen, frisches Brot, alles da, was wir für ein perfektes Mittagessen benötigen!Kokand in Usbekistan: Palast des KhansIm Palastd es Khan von Kokand, Usbekistan

Beeindruckend, der riesige Palast des Khans von Kokand, erbaut in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Khan hatte nicht viel Freude an dem schönen Gebäude und dem ausgedehnten Harem. Denn schon bald eroberten die Russen Kokand (1876). Viel spannender finde ich die Medresse von Kokand, Medresse Narbutabek, eine Koranschule, die wir besichtigen. In Usbekistan herrschen schon Sommerferien. Da sind die Höfe der Koranschule voller Jungens, die gerade Mittagspause machen und uns neugierig bestaunen.Medresse

Gleich nebenan gibt es einen alten Friedhof, dem Friedhof der Khane. Hier haben wir nun ein paar Minuten Freizeit. Fröhlich und frei laufe ich los, bewundere die alten Grabsteine und die vielen Blumen. Unter einem alten Baum haben sich Frauen versammelt. Sie schnippeln fleissig Gemüse für das Mittagessen. Freundlich lachend laden sie mich ein, bei ihnen zu sitzen. Wie schade, dass ich viel zu wenig Zeit habe!

Über den Kamchik-Pass

Für heute haben wir die anliegenden Sehenswürdigkeiten “abgehakt”. Jetzt kommt “nur noch” eine lange Fahrt durch das Ende des Fergana-Tals bis nach Tashkent, der Hauptstadt von Usbekistan. Zwischen den Städten Kokand und Tashkent liegt noch ein letztes Hochgebirge, das es zu überwinden gilt. Es ist nicht besonders hoch: rund 2270m.

ABER: Die Straße über den Kamchik-Pass führt ziemlich nahe an der Grenze zu Tajikistan entlang. Die schneebedeckten Berge, die wir im Süden sehen können, bilden die Grenze. Deshalb gelten für das Befahren der Straße besondere Vorschriften, vor allem für Touristen. Ich weiß nicht, wie es heute aussieht. Damals (2007) müssen wir am Fuß der Kamchik-Berge von unserem größeren Bus in kleine Minibusse, die schon auf uns warten, umsteigen. Koffer schleppen, die Minibusse sind klein und nicht sehr bequem. Die üblichen Meckerer erheben ihre Stimmen. Darauf hätte man sie nicht vorbereitet. Egal, ob vorbereitet oder nicht, wir müssen da jetzt durch!

Die andere Regel, die am Kamchik-Pass gilt: Keine Stopps, keine Fotos! Auch das ist etwas unbefriedigend, denn die Landschaft ist fantastisch. Teilweise enge Kurven, grüne Weiden, Schafe und Ziegen. Immer wieder Polizei- oder Militärposten, die uns freundlich weiter winken, wenn sie sehen, dass lauter Touris aus den Fenstern gucken.

Und schon geht es wieder hinab. an einem Fluss gibt es eine Möglichkeit für eine Pause. Beine vertreten. Ich gucke erschrocken, als wir mitten auf der Autobahn einen U-Turn machen und ein paar Hundert Meter bis zu einem Parkplatz zurück fahren. Doch dann genieße ich die frische Luft, entferne mich ein paar schritte von den Meckerern. Herrlich ist das hier!

Noch ein paar Kilometer, dann steigen wir in einen großen schönen Bus um für den Rest der Fahrt nach Tashkent. 50 Plätze! Da fällt auch den Meckerern nichts mehr zu meckern ein.

Etwas erschöpft kommen wir um 19:30 Uhr im Hotel Dedeman in Tashkent an. Das Hotel ist moderner Hochhauskasten. Die Zimmer sind ok. Das Abendessen eher unbefriedigend, eine dünne Suppe und die Hauptspeise Kartoffeln, Fleisch und zerkochtes Gemüse. Egal! Ich falle ziemlich schnell auf mein weiches Bett und schlafe gleich ein.

Das Hotel Dedeman, Tashkent, ist heute ein Wyndham Hotel und bekommt gute Bewertungen bei Tripadvisor.

Zur vorangegangenen Etappe: Fergana

Zur nächsten Etappe: Tashkent

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