Chinatown London

Wie Ihr vielleicht schon gelesen habt (London Tag 1), führte mich mein erster Weg zur Chinatown London. Ich war schon um halb 10 im Hotel – zu früh. Mein Zimmer war noch nicht bezugsfertig. Über London schien die Sonne, strahlte mich an. Da verging mir spontan die Lust, gleich ins Britische Museum zu gehen. Als mir der Hotelwirt dann noch sagte, dass Chinatown nur ca. 10 Minuten zu Fuß entfernt ist: “Nächste Straße rechts, dann die Tottenham Court Road nach links und immer geradeaus!”, hielt mich nichts mehr. Chinatown, ein Stück China in London, das reizte mich natürlich ganz besonders.

Die Tottenham Court Road ist eine lebhafte und interessante Straße. Typisch englische Pubs, moderne Restaurants, Bio und Vegan, wohin man guckt. Ich merkte mir schon mal einen Pub vor, der englisches Frühstück anbot. Doch eigentlich hatte ich keine Lust, keinen Hunger. Ich wollte zur Chinatown!Chinatown London

Chinatown London

Dann lag sie vor mir: unübersehbar dekoriert mit vielen roten Lampions. Das berühmte Tor in der Gerradstreet sah ich erst später, ich kam von der anderen Seite. Jede der Fußgängerstraßen ist überzogen von endlosen roten Lampions. Chinesische Schriftzeichen an den Restaurants. Doch es war erst 10 Uhr! Viel zu früh! Aber für mich genau richtig!Vor jedem Restaurant ein Lieferwagen

Es war die Zeit, in der die Restaurants und asiatischen Supermärkte beliefert werden. Überall standen Lieferwagen, überall wurde ausgeladen. Kurze Anweisungen auf Chinesisch, fröhliches Lachen. Chinesen, wohin ich sah, alle schwer beschäftigt. Schilder an den Restaurants verkündeten, dass sie erst um 12:00 Uhr öffneten.

Ich hatte den Eindruck, dass nicht sehr viele Chinesen hier wohnen, sondern, dass die vier fünf Straßen mehr eine Art Einkaufszentrum sind, mit vielen Geschäften, Restaurants, chinesischen Apotheken. Auch Massage-Salons gibt es, die Thaimassage anbieten. An anderen Stellen wird Akupunktur angepriesen.


Geschichte

Nachdem ich ein wenig recherchiert habe, stelle ich fest, dass bis zum 2. Weltkrieg die Chinatown ganz woanders lag, nämlich im Eastend. Erst nach und nach siedelten sich chinesische Restaurants in einem Teil von Soho an. Die Chinatown London, so wie man sie heute sieht, gibt es erst seit den 1970er Jahren, wo sie neu konzipiert wurde. Heute leben rund 13.000 Chinesen aus allen Provinzen Chinas in London, hauptsächlich Menschen aus Kanton und Hongkong.


Enten-RestaurantIch tauchte mit einem tiefen Atemzug in das Gewusel der Straßen ein. Ja, es roch nach China! Irgendwie würzig, nach Sojasoße und frischem Chinakohl. Von allen Seiten stürmten die unterschiedlichsten chinesischen Sprachen und Dialekte auf mich ein. Da hier vor allem Chinesen aus Hongkong ihre Geschäfte haben, klang manche Stimme fremd, das Kantonesische unverständlich für mich.

In einer kleinen Bäckerei bestellte ich mir gebratene Teigtaschen, Jiaozi. Lecker! Ich hätte wohl auch Baozi bekommen können, die chinesischen Dampfnudeln. Aber ich war völlig überdreht, hatte zwar Hunger, aber keinen richtigen Appetit. Am nächsten Tisch sprachen die Leute Peking-Dialekt. Glücklich lauschte ich.Chinatown London

In einem Supermarkt schaute ich nach meinen Lieblingskeksen. Wow! Was für eine Auswahl! Instant-Nudelsuppen aus Japan, Korea und China in unendlichen Geschmacksvarianten, frisches Gemüse und Obst. Ich konnte mich kaum satt sehen!

Die Speisekarten der, immer noch geschlossenen, Restaurants lockten mit bekannten Gerichten wie dem Hühnchen mit Erdnüssen oder mit Ente. Doch es gab auch weniger bekanntes wie zum Beispiel Quallensalat. Da kamen Erinnerungen in mir hoch! Quallensalat hatte ich zum ersten und einzigen Mal damals 1993 in Peking gegessen.

Sollte ich mich hier rumtreiben, bis die Restaurants endlich aufmachen? Doch der Travelbug hatte mich jetzt fest im Griff. Ich musste weiter! Endlich ins Britische Museum! Kennt Ihr das, wenn Eure Füße einfach automatisch weiter wollen? Ich konnte gar nicht mehr anhalten.

Ich bin dann am nächsten Abend noch einmal zum Essen in die Chinatown London gegangen. Habe eine wirklich leckere Ente mit Ingwer und Ananas gegessen. Allerdings wurde mir auch klar, dass dies eine Touristenecke ist. In den Straßen überwogen am Abend die Touristen aus aller Welt. Im Restaurant saßen hauptsächlich Westler. Lecker Ente mit Ananas

Bei der Gelegenheit habe ich die Feuerwehrstation geöffnet erlebt. Die liegt direkt an der Chinatown. Wen wundert’s da, dass ein bunter Papierdrachen und weitere Lampions die Wände der Halle zieren?! Ein freundlicher Feuerwehrmann erzählte mir, dass diese Feuerwehrstation die lebhafteste in London ist.London Feuerwehrstation

Wie kommt man hin? Die nächsten U-Bahn-Stationen sind Leicester Square und Picadilly Circus. Auch das Harry Potter Theater ist nicht weit. Ein Bummel durch die anliegenden Straßen und durch Soho lohnt sich vor allem am Abend, wenn die Pubs öffnen.

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