Tashkent – auf der Suche nach dem Zauber der Seidenstraße

Seidenstraße 2007 – Tashkent

Ah, Tashkent, die Stadt der Steine! Das bedeutet der Name der Stadt: Stadt der Steine. Genauso präsentiert sich die Hauptstadt Usbekistans an diesem Tag zunächst. Russische Plattenbauten, wohin man guckt, breite Straßen. Dieses alte Handelszentrum an der Seidenstraße hat nur noch wenig von orientalischem Flair und den starken Farben Zentralasiens zu bieten. Die Russen, die schon seit 1865 die Stadt und das Land Usbekistan beherrschten, haben vor allem zur Zeit der Sowjetunion (1924 bis 1991) der Stadt ihr Aussehen gegeben.Tashkent - Plattenbaufassade

Chorsu Basar

Wir aber machen uns auf, die Spuren der alten orientalischen Zeiten zu finden. Wo kann man das besser als auf dem Basar? Tashkent hat mehrere große Märkte, doch der größte und interessanteste ist der Chorsu Basar (Chorsu Bazaar). Dieser riesige Markt hat eine lange Geschichte hinter sich. Und auch hier finden wir die Gebäude aus der Sowjetzeit dominierend. Eine glänzend blaue Kuppel – ah, die Farbe der Seidenstraße! – überwölbt den Gewürzmarkt. Gewürze aus aller Welt, eines der wichtigsten Handelsgüter der Seidenstraße, werden hier gehandelt. Nur leider nicht heute, als wir eintauchen wollen in die Gewürzdüfte des Orients! Ich weiß gar nicht mehr, warum die Stände leer waren, ob gerade renoviert wurde oder ob dieser Teil des Basars immer an diesem Wochentag geschlossen ist. Die Halle ist beeindruckend und es hängt immer noch ein Hauch von Anis, Kurkuma und Pfeffer in der Luft.

In dem bunten Gewusel, beim Anblick des umfangreichen Warenangebots ist die Enttäuschung vom Gewürzmarkt schnell vergessen. Hier wird alles gehandelt, wirklich alles! Kleidung, Hüte aus allen Gebieten Zentralasiens, grün leuchtende Wassermelonen, Geschirr von praktischer Keramik bis zu feinem Porzellan. Die Wiegen erinnern an die, die ich in Kashgar gesehen habe. Auch sie haben ein Loch im Boden (um Feuchtigkeit abfließen zu lassen).

Stempel, mit denen das köstliche Fladenbrot gestempelt wird, haben es mir angetan. Mit den feinen Mustern, die die Nägel in den Teig drücken, soll die Luft aus dem Hefeteig entweichen. Aber gleichzeitig bekommen die runden Brote dadurch ein ganz individuelles Muster, das übrigens von Stadt zu Stadt anders ist. Ich würde mir ja gerne sowas als Souvenir mitnehmen! Aber bei Souvenirs bin ich immer etwas sehr vernunftgetrieben. Was soll ich mit den hübschen runden Dingern? Ich stelle zuhause bestimmt kein Fladenbrot her! Sollen sie also im Regal verstauben? Ach, nein, das ist es nicht! Doch dann sehe ich genau das richtige Souvenir für mich: Ein Nudelholz! Das kann ich gebrauchen, wollte ich mir sogar schon zuhause kaufen! Nun habe ich also ein usbekisches Nudelholz, das mich jeden Tag an diese wunderschöne Reise entlang der Seidenstraße erinnert.

Das Museum für angewandte Kunst

Für all die Sehenswürdigkeiten und Museen in Tashkent haben wir gar nicht genug Zeit. An den silbern leuchtenden Kuppeln der Dschuma Moschee vorbei fahren wir zum Museum für angewandte Kunst. Das liegt in einem alten Stadtteil mit vielen russisch geprägten Villen. Da fühle ich mich ganz in meinem Element! Die Villa ist Hundert Jahre alt und hat einst einem verbannten russischen Diplomaten gehört. Die Wände und decken sind mit fantastischen Mustern aus Stuck mit leuchtenden Farben geschmückt. Da weiß ich kaum, wohin ich gucken soll. Ausgestellt ist usbekisches Kunsthandwerk aus den letzten zwei Jahrhunderten. Keramiken, Stoffe, Schmuck – alles wunderschön, alles vor allem eins: bunt!

Altstadt

Nach einem leckeren Mittagessen in einem Restaurant, an dessen Wänden einige Wolfsfelle hängen, fahren wir zur Altstadt. Hier wird fleissig restauriert. Überall Gerüste. ein weiter Platz eingerahmt von alten Moscheen und Medressen, blaue Fassaden und Kuppeln. Es ist heiß geworden. Wir retten uns von schatten zu Schatten. In der Medresse Barak Khan bewundern wir eine der ältesten und kostbarsten Koran-Handschriften.

Auf nach Buchara!

Aber wir sind alle etwas erschöpft von all den verschiedenen Sehenswürdigkeiten. Für heute ist die Luft raus. Dabei denkt wohl fast jeder mit Sorgen an die lange Nachtfahrt mit dem Zug nach Buchara. Ja, eigentlich sollte es mit einem kurzen Flug weitergehen. aber der wurde eingestellt. Nun werde ich beim Abendessen gelöchert mit Fragen nach dem Schlafwagen: Wird man sich waschen können? Wird man schlafen können? Wie ist der Zug? Ich kann nur vage Auskunft geben. Ich kenne den Zug ja auch nicht! Ich vertraue auf die Kompetenz unserer usbekischen Agentur.

Als wir auf dem Bahnsteig auf den Zug warten, haben wir nicht nur viel Zeit zum Leute gucken. Einer der ewigen Nörgler klagt schon im Voraus, dass der Schlafwagen nicht besonders sauber sein wird. Woher weiß er das? Mich reitet der Teufel und ich sage freundlich: “In Usbekistan wird die Bettwäsche der Nachtzüge immer nur einmal in der Woche ausgewechsel!” Entsetzter Blick. ” Keine Bange, gestern war dieser Tag!”. alle lachen, jeder weiß, dass das ein Spaß ist. Doch der Mann nimmt meine Worte zu meinem ungläubigen Staunen ernst.

Dann kommt der Zug, wir steigen ein. Was soll ich sagen?! Der Schlafwagen ist wunderschön! Wir haben Zweibett-Abteile! Alles strahlt den Charme der alten orientalischen Züge aus. Fast möchte man meinen, dass wir uns im Orient-Express befinden. Die Wände sind dunkel, an den Fenstern hängen weiße Spitzengardinen. Heißes Wasser steht bereit, damit wir uns in feinen Porzellantassen einen Tee aufbrühen können. Die Waschgelegenheiten an den Wagenenden sind klein aber sauber. Sogar die Klimaanlagen funktionieren.

Der absolute Höhepunkt: Auf jedem Bett liegt weiße Bettwäsche bereit, der Hygiene wegen eingeschweißt in Plastikfolie! Alle sind sie freudig überrascht. Die Stimmung erreicht ihren Höhepunkt, als eine freundliche Frau vorbei kommt und uns Bier, Nescafe oder Tee verkauft.

Zufrieden und glücklich legen wir uns schließlich schlafen und lassen uns im Takt der Schienen nach Buchara schaukeln.

 

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