Xi’an: Der Wohnhof der Familie Gao

Der Wohnhof der Familie Gao

Residenz einer bedeutenden Familie in Xi’an

Xi’an: wer denkt da nicht sofort an die Terrakotta-Armee? Auf einer Standard-Rundreise stehen außerdem auch die Stadtmauer auf dem Programm, die Große Wildganspagode und eventuell noch das Provinzmuseum. Und natürlich die Große Moschee mitten in der muslimisch geprägten Altstadt. Das wird in zwei Tagen besichtigt und schon geht es weiter. Natürlich hat Xi’an noch sehr viel mehr zu bieten. Ich möchte heute einen Tipp geben, den man, wenn etwas Zeit ist, auch in das Gruppenreiseprogramm als individueller Seitensprung einbauen kann: Der Wohnhof der Familie Gao. Mitten in der Stadt und doch abseits der Touristenpfade!

Muslimstreet

Muslimstreet

Mitten in der Altstadt, gar nicht weit von der berühmten Moschee, liegt das Viertel der Muslime. Dort schaut sich der Tourist die vielen Nudelbuden an, erfreut sich an dem trubeligen Leben und kauft seine Souvenirs. Da wird der Eingang zu einem alten Gebäude völlig übersehen, obwohl es doch ein vier Meter hoher Torbogen ist. Ein kleines Schild am Eingang weist das Gebäude als den Wohnhof der Familie Gao aus, den man besichtigen kann.

2011 nutze ich die Zeit, die ich trotz Gruppenreise habe, um mir diese alte Wohnanlage anzusehen. Ich trete durch das Tor und finde mich in einer anderen Welt wieder. Die lebhafte Muslimstraße mit all ihrem Lärm und ihren Gerüchen verschwindet. Auf einen Schlag befinde ich mich im China der Kaiserzeit.Xi'an Wohnhof der Familie Gao

Wohnhof der Familie Gao

Wohnhof der Familie Gao

Die Residenz der Familie Gao ist bereits 400 Jahre alt. Zum Ende der Ming-Dynastie bestand Gao Yuesong unter Kaiser Chongzhen (1611 – 1644) die kaiserlichen Examen als Zweitbester und erwarb sich das Vertrauen der damaligen Kaiserinmutter. Diese belohnte ihn mit Geld und der Möglichkeit, sein Wohnhaus in Xi’an auszubauen und zu renovieren. Mitten in der Stadt, in bester Lage, umfasst die Residenz 2.310m². 4 Höhe und 86 Zimmer und einem kleinen Garten.

Bis zur Kulturrevolution lebte hier die Familie Gao. Dann wurde der Wohnhof von der Regierung konfisziert und in einzelne Wohnungen geteilt. Ab 1999 wurden die alten Räume sorgfältig renoviert und in den alten Zustand zurück versetzt. Heute ist ein Folklore-Museum in den Höfen untergebracht.

Wohnhof der Familie Gao: Bett

Wohnhof der Familie Gao: Bett

Anhand der vielen alten Möbel und Einrichtungsgegenständen kann man sich ein gutes Bild vom Leben einer wohlhabenden chinesischen Familie machen. In den vorderen Räumen waren die Geschäfts- und Empfangsräume untergebracht. Je weiter man auch die hinteren Höfe erkundet, desto privater wird es: Die Zimmer der Frauen, der private Hausaltar, auf dem die Ahnen verehrt wurden, und viele schwarzweiße Fotos aus der Familie lassen die Geschichte lebendig werden.

Klassisches chinesisches Konzert

Klassisches chinesisches Konzert

Eigentlich kommen nur wenige Touristen hierher. Doch man hält ein interessantes Kulturprogramm aufrecht. Es werden Ausstellungen und Konzerte auf den klassischen chinesischen Instrumenten veranstaltet. Wenn man Glück hat, kann man ein solches Konzert erleben. Ich habe das Glück: In der hohen Empfangshalle im Zentrum spielen einige junge Mädchen auf Guzheng und Pipa. Das verstärkt natürlich noch dies unwirkliche Gefühl, in einer anderen Zeit gelandet zu sein. Ja, mitten in der Stadt und doch abseits der Touristenpfade!

Schattenspiel im Wohnhof der Familie Gao

Schattenspiel im Wohnhof der Familie Gao

In einem Gebäude gleich beim Eingang ist ein altes Schattenspieltheater untergebracht. Mehrmals am Tag gibt es Vorführungen der alten Kunst des Schattenspiels mit originalen Figuren und Instrumenten. Leider versteht man nicht viel davon, weil die Erklärungen auf Chinesisch sind.

Ich genieße meinen Besuch, mitten in Xi’an und doch irgendwie abseits der Touristenströme. Eine Tasse Tee im Teehaus lässt mich in Ruhe entspannen.

Eintrittskarten 2011

Eintrittskarten 2011

Wohnhof der Familie Gao
Wie kommt man hin? Der „Gao’s Family Compound“ befindet sich in der sog. Muslimstraße nahe beim Trommelturm. Die genaue Adresse ist: No. 144, Beiyuanmen, Xi’an (西安北院门144号高家大院).

Öffnungszeiten: Täglich 8:30 bis 22:30 Uhr

Eintrittspreis: 15,- Yuan zzgl. ein kleiner Obolus für das Schattentheater. (Stand 2017)

11 Kommentare

  • Stephan Ziegler

    Hallo Ulrike,

    wir besuchen unseren Sohn,der seit 18 Monaten in Schanghai arbeitet, und wollen ihn ihn in Xian treffen.Und natürlich die Terrakotta-Armee sehen.
    Hast Du bitte eine schöne Hotelempfehlung?

    Danke und freundliche Grüße
    Stephan Ziegler

    • Hallo, herzlichen Dank für den Kommentar! Xi’an ist einfach faszinierend! Empfehlung: Schaut Euch auch Han Yang Ling an! Das ist ein Grab eines Kaiser aus der Han-Dynastie, berühmt für seine “nackte” terrakotta-Armee. Hab ich leider selbst noch nicht gesehen. Muss aber sensationell sein. Für Kunden hab ich letztens das Atour Hotel Xi’an Nanmen entdeckt. Sehr gut gelegen, gute Bewertungen, preislich ok.
      Viel Spaß in China
      Erzählt mal, wenn Ihr zurück seid!
      Beste Grüße
      Ulrike

  • Pingback: 10 Tipps, wie man in China die Touristenmassen vermeidet

  • Wow, sehr interessant! Das merke ich mir mal vor, falls wir mal nach Xi’an kommen.

    So ein Schattenspieltheater würde ich gern einmal live erleben – da wär’s mir dann auch egal, wie viel ich davon verstehe 😉 Das Bild von dir (und auch die Marionetten ganz unten) sehen stark nach der “Reise nach Westen” aus. Meine Lieblingsgeschichte!

    • bambooblog

      Danke! Ja, das waren einzelne Szenen aus “Reise nach Westen”. War wirklich interessant, das zu sehen. Auch wenn es nur ein kurzer Ausschnitt war.

  • Pingback: 10 Tipps, wie man in China die Touristenmassen vermeidet | bambooblog hamburg

  • Hallo Ulrike,
    sehr schöner Artikel, aber falls der Text über das erlebte Konzert mit chinesischen Instrumenten zu dem Bild darüber gehören soll, habe ich eine Anmerkung. Keines der 4 abgebildeten Instrument ist eine Erhu oder eine Pipa. Von links nach rechts sind zu sehen: eine Dizi (Querflöte), eine Guzheng (Zither, spiele ich übrigens selbst; mein Frau spielt Erhu), vermutlich eine Xun (eine eiförmige Flötenart), eine (Zhong)ruan (eine Pipa hätte einen birnenförmigen Korpus).

  • Wieder ein toller China-Bericht, der Lust auf die eigene Reise macht. Aber zur Zeit haben wir andere Dinge zu tun.

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