Flowers of Usbekistan – Blüten der Wüste

Hungersteppe, Wüste, Baumwolle:  Blumige Aspekte der Seidenstraße

Die Fahrt von Buchara nach Samarkand führt mich nun durch eine der trockensten Gegenden Zentralasiens. Eigentlich könnte ich nun auch von Timur dem Lahmen erzählen, der die Orte wesentlich geprägt hat, oder von der Schönheit Samarkands, die sich schon auf den ersten Blick offenbart. Doch bei der Durchsicht meiner Fotos sehe ich, dass ein ganz wesentlicher Aspekt diesen Reisetag prägt: Die Blumen und Blüten, die jetzt im Mai überall den Boden bedecken.

Flowers of Usbekistan: 1. Baumwolle

Da sind zunächst die endlosen Baumwollfelder. Jetzt im Frühling sind die Sträucher noch niedrig. Die weißen Puschelknäuel der Kapseln sind noch nicht in Sicht. Wenn Toni uns nicht sagen würde, was das für Felder am Wegesrand liegen, kaum einer würde merken, dass es sich um Baumwollfelder handelt. Hättet Ihr es gewusst: Die Blüten der Baumwolle sind zweifarbig!

Flowers of Usbekistan: Baumwollblüten

Baumwollblüten

Toni erzählt heute viel von Hunger und Not in Usbekistan. Und das beim Anblick dieser üppigen Felder! Der Baumwollanbau, der zeitweilig von den Sowjets verordnet war, versprach einst Wohlstand und ein gutes Leben. Also baute man diese produktive Pflanze an, so dass es bald kaum etwas anderes mehr gab. Die Folgen? Baumwolle kann man nicht essen. Baumwolle braucht viel Wasser. Baumwolle muss gepflegt und gepflückt werden. Kinderarbeit, Mangelernährung sind Erscheinungen, die in Usbekistan im Zusammenhang mit der Baumwolle genannt werden.

Flowers of Usbekistan: Bäume

Mit Baumreihen versucht man, die Baumwollfelder vor dem Wind zu schützen

Doch die größte ökologische Katastrophe, die der Baumwollanbau nach sich zog, ist die Austrocknung des Aralsees. Für die Bewässerung der sensiblen, wasserliebenden Baumwollpflanze wurde den Strömen Amurdarja und Syrdarja, den größten Zuflüssen des Aralsees, Wasser in großem Stil entzogen. Der einstmals viertgrößte Binnensee der Welt, in der usbekischen Sprache gar als Aralmeer bezeichnet, wurde zur Aralwüste.
© wikicommons / gemeinfrei

Baumwolle, der Stolz der Usbeken
Trotzdem: Baumwolle ist der nationale Stolz Usbekistans. Die schneeweißen Kapseln der reifen Pflanze sind im Wappen des Landes abgebildet.

 

Man hat versucht, das Ganze in den Griff zu bekommen, die Flächen für den Baumwollanbau zu begrenzen. Es gibt auch einen Einfuhrstopp für Baumwolle aus Usbekistan in der EU. Das ist letztlich aber kein großes Problem. Denn die Baumwolle wird stattdessen nach China exportiert und von dort nach Europa.

Flowers of Usbekistan: 2. Die Hungersteppe

Einen großen Teil der Fläche Usbekistans besteht aus Steppe und Wüste. Darunter die Kysylkum-Wüste. Durch einen Teil dieser Wüste fahren wir heute. Es ist nicht ganz Wüste sondern eine Landschaft, die unheilvoll “Hungersteppe” genannt wird. Hier gibt es auf Hunderten Quadratkilometern keinen Bach, keine Quelle, kein Wasser. Und das ganze Jahr über nur sehr, sehr wenig Niederschlag. Usbekistan - Hungersteppe

Jetzt ist Frühling und der geringe Niederschlag hat ein wenig Grün mit sich gebracht. Ein vergänglicher Schmaus für die Herden der Nomaden. Die Gegend ist dünn besiedelt. Ein Teil steht unter Naturschutz. Als Toni, unser Reiseleiter, am Horizont ein paar schwarze sich bewegende Punkte entdeckt, erklärt er uns begeistert, dass es sich um Kulane handelt, eine seltene Wildeselart. Ehrlich! der kann viel erzählen! Zum Fotografieren sind die Tiere ohnehin viel zu weit.

Hungersteppe

Ein wenig Feuchtigkeit und schon ist die Steppe grün

Ich freue mich bei einem Stopp über die Blumen am Wegesrand. Wüstenpflanzen.Das erinnert mich an meinen Biologie-Unterricht vor vielen Jahren. Da musste ich mal eine arbeit darüber schreiben, wie sich Pflanzen an ein trockenes heißes Klima anpassen. Hier stehen die wunderbarsten Beispiele direkt vor mir! Kleine Blätter, Dornen, damit die wenigen wichtigen Blätter nicht noch von Tieren abgefressen werden. Niedrig und bodennah.

Natürlich bietet die Steppe wenig Schutz vor dem stetigen Wind, der Staubwolken vor sich hertreibt. Nicht wirklich gemütlich. wir haben ja noch Glück, weil wir schnell mit dem Bus weiterfahren können. Doch wie mag das damals den Händlern der Seidenstraße ergangen sein?!

Flowers of UsbekistanFlowers of Usbekistan: Distel

Kleine Distel

Rosa Distel

Zur vorherigen Etappe: Buchara

6 Kommentare

  • Mir geht es wie Anette, auch ich habe als Kind Atlanten sehr geliebt, und die Größe des Aralsees hat mich immer so sehr beeindruckt und zum Träumen angeregt. Der Aralsee ist ein höchst drastisches Beispiel dafür, was wir unserer Erde antun…
    Ich wusste bislang noch nicht, dass ein Bauwollstrauch zweifarbige Blüten hat. Und so schöne noch dazu!
    Herzliche Grüße!

  • Die Austrocknung des Aralsees ist wirklich furchtbar. Ich habe schon als Kind Atlanten geliebt und kann mich genau an die Umrisse des riesigen Sees erinnern, die damals noch eingezeichnet waren. Was davon heute noch übrig ist, ist unfassbar. 🙁

    • Ich hatte versucht, den See zu erkennen, als ich nach Almaty flog. Aber da war nichts. Es ist einfach schrecklich, was da passiert. Soll aber auch Bemühungen geben, den See zu retten
      LG
      Ulrike

  • Hallo,
    doch noch jemand, der sich für Usbekistan interessiert. Ich finde ja ein spannendes Land. Und wirklich abseits der Touristenströme.
    LG Helga

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