China, Fußball und ich

Die Chinesen haben vieles erfunden: Das Papier, die Druckkunst, das Pulver und den Magnetkompass. Wen wundert es da noch, dass sie Anspruch auf die Erfindung des Fußballspiels erheben?

Fußball

Schon in der Han-Dynastie ( 206 v. Chr. bis 220 n. Chr.), manche sagen sogar noch früher, wurde Fußball gerne als Wettkampf gespielt. Dabei diente dies zunächst militärischen Zwecken. Fußball spielten die Soldaten zur Körperertüchtigung und zur Übung von Strategien. Natürlich waren die Regeln nicht streng festgelegt. Es ging zunächst nur darum, einen Ball mit dem Fuß bzw. ohne die Hände zu gebrauchen in das gegnerische Tor zu schießen. Die Regeln änderten sich im Laufe der Jahrhunderte. Die Anzahl der Spieler, der Tore und die Größe des Spielfeldes variierten je nach Ort und Kaiser.

Gespielt wurde am Anfang mit einem mit Federn gefüllten Ball. Aber schon in der Tang-Dynastie (618 – 907) benutzte man einen mit Luft gefüllten Ball, der eine stabile aus Leder bestehende Hülle besaß. Beliebt war das Spiel auch am Hofe des Kaisers, wo man für die Wettkämpfe einen speziellen Fußballplatz baute. Auch Frauen konnten Fußball spielen. Im 10. Jahrhundert entstand ein Fußballverein, der jedes Jahr eine nationale Meisterschaft veranstaltete. Während der Ming-Dynastie (1368–1644) kam das Fußballspiel langsam aus der Mode und wurde kaum noch gespielt. Nur auf dem Lande erfreute sich das Spiel noch lange großer Beliebtheit.

Fußball-Museum in Linzi

Fußballmuseum in Linzi

Den Ursprung des Fußballspiels kann man heute auch genau lokalisieren. In der Stadt Zibo, Provinz Shandong, sollen die ersten Spiele ausgetragen worden sein. Natürlich hat Zibo heute ein Fußballmuseum, um das zu dokumentieren. Das Museum liegt im Ortsteil Linzi. Dort sind zahlreiche alte Bälle, Bilder und Dokumente zur Geschichte des Fußballs in China ausgestellt.

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Addresse: No.759, Linzi Avenue, Linzi District, Zibo City
Eintritt: ¥30/Person
Öffnungszeiten: 08:00-17:00 Uhr
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Heute erfreut sich der Fußball wieder großer Beliebtheit in China. Zu gerne würde man auf der großen Weltbühne mitspielen. Doch das klappt leider nicht wie erwünscht trotz zeitweise deutscher Trainer und anderer Maßnahmen. Nur die Damennationalmannschaft präsentierte sich erfolgreich auf Wettkämpfen in Asien. Sie waren 1999 sogar Vizeweltmeister.

Hier nun noch ein persönliches Erlebnis zum Fußball in China:

Ich war vor langer Zeit mal in Nanchang, der Hauptstadt der Prinz Jiangxi, und sprach nur sehr wenig Chinesisch. Da wurde ich beim Warten auf einen Bus von einem jungen Mann angesprochen: Woher ich denn käme? Oh, das konnte ich auch auf Chinesisch! Ich sei Deutsche, antwortete ich also. Da blitzte es freudig in den Augen des Jungen: „Deutschland! Sehr gut!“ Ob ich „Ma-Te-U-Se“ kennen würde?, fragte er in einer Mischung aus Englisch und Chinesisch. Ich starrte ihn an. Wer sollte das denn sein? Der Junge wiederholte: „Ma-Te-U-Se“ oder so ähnlich. Ach, ich verstand ihn nicht. Der Junge war enttäuscht: Die Frau kommt aus Deutschland und kennt den berühmten „Ma-Te-U-Se“ nicht! Da fiel bei mir der Groschen: Er meinte Lothar Matthäus! Bevor er also an seinem Verstand oder an der Berühmtheit des Fußballers zweifeln konnte, beruhigte ich ihn: Natürlich hätte ich schon mal von Matthäus gehört. Aber in Deutschland sei Fußball eine reine Männerangelegenheit und ich als Frau würde mich da nicht so auskennen. So hatte der junge Mann sein Gesicht bewahrt und ich hatte einen Freund gewonnen, der mir während der Busfahrt begeistert davon erzählte, wie sehr er Deutschland und seine Fußballer bewundere.

MatthäusEtwas ähnliches passierte mir später in Peking, als Schlappner Trainer der chinesischen Nationalmannschaft war. Als ich nicht sofort wusste, wer „Scha-la-pe-na“ war, dachte mein Gesprächspartner gleich, der Schlappner ist in Deutschland völlig unbekannt und deshalb auch nicht gut. Übrigens ist Klaus Schlappner seit 2008 Ehrenprofessor der Sporthochschule in Shijiazhuang. In seinen Vorlesungen vermittelt er vor allem fußballpädagogische Grundlagen und Techniken. Eine tolle Karriere!

Dieser Artikel erschien zuerst 2014. Aktualisiert im April 2017

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