Verbotene Stadt, Kaiserpalast, Palastmuseum

Der alte Palast der chinesischen Kaiser, volkstümlich gerne “Verbotene Stadt” genannt, ist eine Sehenswürdigkeit in Peking, die auf keiner klassischen China-Reise fehlen darf. Egal wie viele Menschen sich entlang der Süd-Nord-Achse von Halle zu Halle drängen, egal, wie viele Menschen sich die Nasen platt drücken an den Fenstern und vor lauter Staunen überwältigt den Atem anhalten: Wenn man in Peking ist, darf man sich den Besuch der Verbotenen Stadt nicht entgehen lassen!

Verbotene Stadt - Besucher

Zahlen, Daten, Fakten
Baubeginn des Palastes: 1406 unter Kaiser Yongle der Ming-Dynastie (1368 – 1644)

Fertigstellung: 1420 – Natürlich wurde die Verbotene Stadt in den folgenden Jahrhunderten immer wieder erweitert, restauriert, verschönert. 24 Kaiser der Ming- und der Qing-Dynastie regierten von hier aus das chinesische Reich

Gesamtfläche: 720.000 m² Ausdehnung: 960m von Süd nach Nord und 750 von Ost nach West

Mauer: 3.428 Meter lang, 10 Meter hoch

Graben: 3.800 Meter lang, 52 Meter breit und 6 Meter tief

Die gesamte Anlage soll einer Legende zufolge 9.999 Räume umfassen. Denn der Himmelspalast umfasst 10.000 Räume. Eine gleiche oder gar größere Zahl an Räumen wäre einer Gotteslästerung gleich gekommen. Tatsächlich sind es nach neuesten Zählungen 890 Paläste und unzählige Pavillons mit 8.886 Räumen. Übrigens rechnet man nicht Räume nach von Wänden umgebenen Zimmern, sondern immer den Platz zwischen 4 Säulen/Pfeilern.

UNESCO Weltkulturerbe seit 1987

Besucher im Jahr: Rund 15 Millionen

Rundum die Verbotene Stadt gibt es Parks und weitere Tempel, die eigentlich auch zu dem Gelände des Palastes gehören bzw. gehörten. Etwas verwundert hat mich die Länge von Süd nach Nord von nicht einmal einem Kilometer. Denn wer einmal dort gewesen ist, hat das Gefühl endlos lange zu gehen, um wenigstens die Hallen und Paläste an der Mittelachse zu sehen. Zwei Stunden sind meiner Meinung nach das Minimum, das man für eine oberflächliche Besichtigung braucht. Glücklicherweise gibt es jetzt an manchen Stellen Sitzgelegenheiten, wo man sich ein wenig ausruhen kann.
Forbidden city map wp 1

Die Verbotene Stadt betritt man in der Regel durch das Mittagstor (auf der Karte unten). Ab da gelten die oben gemachten Angaben. Man könnte natürlich auch sagen, dass man den Bereich des Palastes schon beim Durchschreiten des Tors des Himmlischen Friedens (Das berühmte mit dem Mao-Portrait) betritt. Das ist ja auch im weitesten Sinn richtig. Auch der Kohlehügel, den man meistens nach Verlassen durch das Tor der Göttlichen Tapferkeit besteigt, ist eigentlich ein Teil der Palastanlagen. Doch mit dem Kaiserpalast wird nun im Folgenden “nur” das von Mauer und Graben umschlossene Gelände gemeint.

Äußerer und Innerer Palast

Die Verbotene Stadt ist unterteilt in einen Äußeren und einen Inneren Palast. Durch das Mittagstor tritt man als erstes auf einen weiten Platz, der durchzogen ist von einem Bach, über den einige Brücken führen. Das ist natürlich Fengshui und soll die bösen Geister hindern, weiter einzudringen.

Böse Geister: Nicht in der Verbotenen Stadt!

Die bösen Geister haben sowieso einen schlechten Stand im Palast. Überall gibt es kaum zu bezwingende Schwellen. Und dann die Geisterwände! Die stehen, manchmal schlicht, manchmal kunstvoll im Weg, denn böse Geister können nur geradeaus gehen.  Auch die wunderschöne Neun-Drachenwand ist eigentlich so eine Geisterwand. Die Neun Drachen sollen den Kaiser beschützen.

Verbotene Stadt: Kleine Geisterwand

Geisterwand in einem Nebenpalast

Die glücksverheißende Neun

Die Zahl Neun steht für langes Leben, Glück und Macht. Sie ist dem Kaiser vorbehalten. Deshalb also neun Drachen, neun Goldknöpfe an den Türen und Toren. Auch die Dachfiguren, die die Dächer der kaiserlichen Paläste verzieren, bestehen aus neun sagenhaften Tieren. Nur hier sind es neun, normale Sterbliche müssen mit weniger auskommen.

Der Äußere Palast

Auf der Karte wird der Äußere Palast von dem Rest durch die gestrichelte rote Linie getrennt. Dieser Teil der Verbotenen Stadt, Waichao genannt, umfasst die drei südlichen Hallen: Halle der Höchsten Harmonie, Halle der Mittleren Harmonie und die Halle der Wahrung der Harmonie. In diesen riesigen und repräsentativen Hallen empfing der Kaiser seine Minister und hohe Beamten, sowie Delegationen aus fernen Provinzen oder dem Ausland. Deshalb ist hier alles daraus ausgerichtet, zu beeindrucken und die Macht des Kaisers zu zeigen. schon hierher durften “normale” Sterbliche nicht vordringen.

Äusserer Palast

Frauen waren in diesem Bereich des Kaiserpalastes nicht zugelassen. Das betraf sowohl die Kaiserinnen und Konkubinen als auch Frauen der Minister. Wenige Ausnahmen bestätigen die Regel. So hat Kaiserinwitwe Cixi die Regierung unterstützt und hielt sich auch manchmal in der Halle der höchsten Harmonie auf, um dem Kaiser ihre Wünsche einzuflüstern.

Der Innere Palast

Im Norden der Verbotenen Stadt befinden sich die Paläste des Kaisers, seiner Frauen, Konkubinen und Kinder. Hier durfte er auch mal für Augenblicke nur privat sein. Überall kann man hier kleine Gärten entdecken. Mir gefällt besonders der Garten des Qianlong, den man durch die Juwelenausstellung erreichen kann. Klein, ein wenig dunkel mit alten Bäumen und bizarren Felsen wirkt dieser Garten abgeschlossen und intim.

Verbotene Stadt . Östliche Paläste

In den Östlichen Palästen der Verbotenen Stadt

Ich persönlich mag gerade die kleinen Paläste des Inneren Bezirks. Man muss sich vorstellen, dass hier unzählige Menschen lebten und auch arbeiteten. Je weiter man an die Außenbezirke, an die Mauer gelangt, desto mehr sieht man an Wohnungen und Werkstätten der Eunuchen und anderer Menschen, die hier arbeiteten. Leider sind diese Häuser noch nicht zugänglich. Dabei wurden signifikante Unterschiede zwischen der Dienerschaft, die aus den Eunuchen bestand, und den Verwaltungsbeamten gemacht. Letztere hatten zwar Zutritt aber durften nicht im Palast übernachten.

Verbotene Stadt

Pavillon des Blütenregens

Wenn man sich genau umguckt, wird man auch viele kleine und größere Altäre sehen. Neben all der Aufgaben, die der Kaiser als Sohn des Himmels vollziehen musste, und damit einem traditionellen Götterhimmel huldigte, waren auch manche Kaiser Anhänger des tibetischen Buddhismus. Markant ist das Dach des Pavillon des Blütenregens (Yuhuage), den man schon von weitem sehen kann. Dies ist nur einer der zahlreichen buddhistischen Tempel im Palast. Irgendwann soll es in Zukunft auch möglich sein, diesen zu besichtigen.

Übrigens haben auch die Kaiser selbst sich nur wenig in der Verbotenen Stadt aufgehalten. Im Sommer zog es sie hinaus zunächst zum Sommerpalast in Chengde später zum Sommerpalast vor den Toren von Peking. Dort war die Luft frischer als im Kaiserpalast. Hinzu kamen die Reisen der Kaiser, die verschiedenste Pilgerreisen unternahmen. auch mussten sie sich auch in den Provinzen blicken lassen, um ihre Macht zu demonstrieren.

Möblierung und Einrichtung

Wenn man genauer hinguckt, wird man in den Hallen und auch in den Wohnräumen wenig Teppiche oder anderen Komfort finden. Die Wohnungen der Kaiserinnen und Konkubinen waren keine Einzelzimmer. Man lebte eng mit allen möglichen Leuten zusammen. Jeder Schritt wurde beobachtet. Selbst in der Hochzeitsnacht hatte der Kaiser keine Privatsphäre. Nur ein dünner Vorhang trennte sein Bett von dem Rest des Raumes und den Eunuchen. Heizungen gab es nicht, außer ein paar kleinen Kohleöfchen, die bei Bedarf in die Hallen gestellt wurden. Im Winter, wenn eiskalte Winde durch die Gänge pfiffen, zog man sich mit dicken gefütterten Jacken und Mänteln an, mehrere Lagen übereinander, wie es auch heute noch üblich ist.

Räuchergefäße vertrieben den üblen Geruch, der häufig durch die Räume zog. Toiletten gab es nicht. Um sich zu erleichtern, benutzte man einen Toilettenstuhl oder einen Nachttopf. Fließend Wasser? Die Eunuchen und Dienerinnen hatten immer viel damit zu tun, ihre Herrschaften zu waschen und herauszuputzen. aber das war den Frauen im Palast ganz recht. Denn so konnten sie sich ihre Zeit vertreiben. Abwasser wurde in den Graben geschüttet, der den Palast umgibt.Im Palast der Frauen

Es gab ursprünglich keine Esssäle. Man nahm die Mahlzeiten ein, wo man sich sowieso den ganzen Tag aufhielt. Die Betten wurden tagsüber zu Sofas umfunktioniert, wo man schrieb, Musik machte und eben auch aß. Je nach Rang standen den Bewohnern unterschiedliche Mengen und Qualität an Mahlzeiten zu. Dem Kaiser servierte man 108 verschiedene Gerichte, der Kaiserin 96 – bei einem Essen! Lange Wege von den Küchen bis zu den Essenden sorgten dafür, dass das Essen regelmäßig kalt war beim Servieren. Und manchmal auch verdorben. Deshalb hatte der Kaiser öfters Bauchschmerzen. Die Vermutung lag nahe, dass es sich um einen Gift-Anschlag handelte. Man tat sein Bestes, um den Kaiser bei Gesundheit zu halten. Ärzte überwachten die Zubereitung der Mahlzeiten, Eunuchen und Köche wurden heftig bestraft, wenn das Essen nicht schmeckte oder gar Übelkeit verursachte.

Kinder, vor allem die Prinzen mussten viel lernen. Ihrer Ausbildung wurde viel Zeit und Aufmerksamkeit gewidmet. Der Kaiser besuchte sie dann in ihren Studierzimmern. Die Kinder durften in “Ama” (Papa auf Mandschurisch) nennen. In einem Palast sind ein paar Spielzeuge des letzten Kaisers Puyi ausgestellt. Dieser führte ein eher westliches Leben.

Spielzeug des letzten Kaiser Puyi

Spielzeug des letzten Kaisers

Opernbühnen

Die Frauen der Verbotenen Stadt liebten chinesische Opernaufführungen, die etwas Farbe und Spannung in den doch überwiegend langweiligen Alltag im Palast brachten. Deshalb kann man in manchen Hallen kleine Bühnen entdecken. Eine große Bühne mit mehren Stockwerken ist der Pavillon des Heiteren Klangs (Changyinge). Dort saß vor allem Kaiserinwitwe Cixi gerne mit Konkubinen und Kindern und schaute sich eine Peking-Oper an.

Verbotene Stadt und Ausstellungen

Es lohnt sich, auch in die zahllosen Ausstellungen zu schauen, die wechselnd die Schätze der Verbotenen Stadt zeigen. berühmt und mit Extra-Eintritt zu besuchen sind die Juwelen- und Uhren-Ausstellung. Aber auch andere Hallen bieten immer neue Ausstellungen zu Themen wie Waffen und Uniformen, zu Hochzeitsbräuchen und Geschenken, zu Buddhismus und vielem mehr. Dazu sollte man auf die Plakate vor und in der Verbotenen Stadt achten. Und sich die Webseite angucken!Verbotene Stadt - Ausstellung von Rüstungen

Infoss - Stand April 2017
April 1st – October 31st: 8:30 to 17:00 last entry: 16:10

November 1st – March 31st: 8:30 to 16:30 last entry: 15:40

April 1st – October 31st: 60 yuan

November 1st – March 31st: 40 yuan

Montags ist die Verbotene Stadt in der Regel geschlossen.

Webseite des Palastmuseums: http://en.dpm.org.cn/

Tickets kann man jetzt nur noch online bestellen. Hotels und Reisebüros helfen dabei. Die Zahl der Besucher ist auf 80.000 pro Tag limitiert.

Die Seite sollte man sich vor dem Besuch der Verbotenen Stadt unbedingt ansehen!

Impressionen

Tibeter beim Besuch im Kaiserpalst

Für einen Besuch beim Kaiser zieht man sich ordentlich an

Weitere Artikel auf dem Bambooblog zur Verbotenen Stadt:

Die Farbe Gelb: Kaiserfarbe

Die Farbe Rot: Die Namen der Verbotenen Stadt

Ein ganz spezieller Palast: Der Palast des Allumfassenden Glücks

Eine tragische Geschichte: Der Brunnen der Konkubine Zhen

Über das Leben in der Verbotenen Stadt: Frauen

Eunuchen am Kaiserhof: Das Eunuchenmuseum

 

7 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.