Gespräch überm Gartenzaun

Samstag Nachmittag – 06.05.17 – Satemin im Wendland

Ich streife wieder durch das Dorf, denn die Sonne scheint! Alle Fotos noch einmal, diesmal mit besserem Licht als gestern! In der kleinen mittelalterlichen Kirche findet gerade eine Hochzeit statt. Die Straßenränder sind voller teilweise recht edler Autos,Satemin - Haus mit Gartenzaun

An einem Gartentor steht eine ältere Frau. Ihr ganzes Gesicht ist wie ein runder Smiley, so herzlich und fröhlich ihr Lächeln. Ihr freundliches “Guten Tag!” lässt mich stehen bleiben. “Hier ist es so schön!”, sage ich. Welch ein Glück, hier zu leben! Denke ich und komme schnell ins Gespräch mit der alten Dame.

“Ach, es ist gar nicht so einfach hier!”; seufzt sie, aber das Lächeln weicht nicht aus ihrem rundlichen Gesicht. “Seit meiner schweren Herzoperation bin ich nicht mehr so beweglich”, sagt sie und deutet auf den Gehstock an ihrer Seite.Satemin im Sonnenschein

Sie erzählt vom Leben in Satemin. Es gibt rund 70 Einwohner, von denen manche nur zeitweilig als Sommergäste hier leben. Mindestens 10 Einwohner sind über 85 Jahre alt. “Da gegenüber wohnt eine Frau, die ist 91 Jahre alt!” Die ginge nicht mehr viel raus. Auch sonst scheinen die meisten lieber zu Hause zu bleiben und fernzusehen. Auch wenn Lüchow und andere Orte mit einem interessanten Angebot an Musik, Theater und Ausstellungen nicht weit sind, ist der Weg dorthin gar nicht so einfach. Busse gibt es nicht. Da muss jedes Mal ein Taxi gerufen und ja auch bezahlt werden. Zum Leidwesen der alten Dame finden sich auch nur selten Fahrgemeinschaften.

In einem der Häuser wohnt ein Künstler mit seiner Frau. Die trifft sie öfters. “Die haben es auch nicht leicht!”, sagt sie und winkt einem Mann zu. Es ist der Künstler, der gerade in einem Haus nach dem rechten sieht, dessen Bewohner nicht da sind. Er füttert die Katze und verdient sich so ein kleines Zubrot.Satemin Kirche

“Es gibt nur noch zwei Kinder im Dorf!”, erzählt sie weiter. Die bringt der Schulbus morgens zur Schule in Lüchow und nachmittags wieder zurück. “Im Sommer geht das ja noch. Da finden sich durch die vielen Urlaubsgäste immer Spielkameraden. Aber im Winter?!” Wenn die beiden alt genug sind, dann gehen sie fort. Dann gibt es keine Kinder mehr in Satemin.

Ja, Satemin liegt ziemlich abgeschieden und doch immer noch besser als so manch anderes kleine Rundlingsdorf im Wendland. Lüchow, wo es Ärzte, Schulen, eine Bibliothek gibt, ist nur rund 5 Kilometer entfernt. Aber viel ist da auch nicht los.

“Oh, schauen Sie mal! Das hätte es in meiner Jugend nicht gegeben!” Zwei fein gekleidete Männer schieben Kinderwagen durchs Dorf. Sie gehören anscheinend zu der Hochzeitsgesellschaft und gehen spazieren, damit der Gottesdienst in der Kirche nicht gestört wird. Die alte Dame ist entzückt.

“Haben Sie schon die Störche gesehen? Die brüten gleich da drüben!” Da muss ich gleich mal gucken. Wir nicken uns freundlich zu und schwärmen von der frischen Luft, der Ruhe und der Schönheit der Landschaft.Storch auf dem Nest

Dann kommt ein Satz, der mich nie mehr verlassen wird: “Ich lebe so gerne! Das Leben ist toll!”, strahlt sie mich an. Ich bin schwer beeindruckt, hatte sie doch viel von ihrer schweren Operation und den Mühen des Landlebens gesprochen. Ob ich das mal mit 85 Jahren sagen kann?

“So, jetzt muss ich mal rein, Hände waschen! Könnte ja sein, dass mir jemand die Hände drücken will. Und ich hab gerade im Garten gearbeitet.” sagt sie und zeigt mir ihre erdigen Hände.

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