Satemin – mein Paradies

Satemin  – ein idyllisches Dorf im Wendland

Drei Tage im Wendland haben mich verändert. Ich habe ausgerechnet im ruhigen, ländlichen Satemin mein Paradies gefunden! Ich! Die Stadtmaus! Der der Trubel und die Menschenmassen in China eher Spaß machen als auf die Nerven gehen! Drei vollkommene Tage. Drei Wochen ist das her und ich sehne mich schon wieder nach dem ruhigen Satemin zurück!

Das Wendland und seine Bedeutung für mich

Ich habe 1986 und 1988 an Ausgrabungen im Wendland teilgenommen. Das Landesmuseum Niedersachsen organisierte diese Grabungen (Rentierjägerlager) mit einigen Hobby-Archäologen. Ich war dabei! Anfang 30 und wie ein Teenager zelten und im Dreck wühlen. Das waren fantastische Zeiten! Ich nutzte die Gelegenheit 1986 und machte an den Wochenenden Fahrradtouren durch das idyllische Wendland, damals noch ganz abgelegenes Zonenrandgebiet. Wenn überhaupt, dann war es durch Gorleben und die Proteste gegen das Atommüllendlager in der Welt bekannt.

Wendland 1986

1986: Morgens um halb acht auf dem Acker. An die im Nebel erkennbaren Gestelle wurden während des Tages die Siebe aufgehängt, mit denen die Erde nach Fundstücken durchsucht wurden.

Mir gefielen schon damals die malerischen Rundlingsdörfer mit ihren hübschen Bauernhäusern und dem einheitlichen Anblick. Als vor ein paar Jahren jemand zu einer Blogparade “Das schönste Dorf der Welt” aufrief, fielen mir sofort die Dörfer im Wendland ein. Aber die Erfahrungen dort waren zu lange her, um darüber zu schreiben. Trotzdem war eine Idee entstanden. Die Idee, mal wieder ins Wendland zu fahren und zu gucken, wie es jetzt dort aussieht, nach der Wende. 30 Jahre danach… Ich suchte nach einer passenden Unterkunft und Wohnort und fand das Landhotel Markthof in Satemin. Spontan buchte ich zwei Nächte.Satemin im Sonnenschein

Satemin – Geschichte

Wendland - Land der Wenden
Eigentlich gibt es gar keine Wenden. Doch seit dem 17. Jahrhundert werden die Menschen, die polabischen Slawen, als Wenden bezeichnet. Heute hat sich der Name für die Landschaft zwischen Uelzen und Salzwedel eingebürgert.

Im Gegensatz zu den Sorben im Spreewald gibt es heute auch niemanden mehr, der das Polabische spricht. Diese Sprache ist schon im 18. Jahrhundert ausgestorben. Es gab wohl noch vereinzelt Menschen, die polabische Gedichte und Lieder kannten.

Heute erinnern nur noch alte Ortsnamen wie Satemin oder Meuchefitz und die seltsamen Rundlingsdörfer an die slawischen Bewohner von damals.

Satemin wurde im 14. Jahrhundert zum ersten Mal erwähnt. Ursprünglich bestand das Dorf aus zwei Dörfern. Als Klein-Satemin drohte, im Moor zu versinken, siedelte man die Einwohner ins größere Satemin um. So erklärt sich die uneinheitliche Struktur, die im Dorfplan deutlich wird. Auch die zwei Zufahrten ins Dorf werden damit erklärt.Satemin

Nur für die “runde” Anordnung der Häuser hat man noch keine rechte Erklärung. Alle Häuser eines Rundlingsdorfes sind mit dem Giebel auf ein Zentrum ausgerichtet. Wehrhaftigkeit? Eher nicht, denn es gibt keine Grenzen, die Dörfer sind leicht zugänglich. Vielleicht wird damit einfach der feste Zusammenhalt der Bewohner demonstriert.

Die gewachsene Struktur wurde empfindlich von einer großen Katastrophe getroffen. Am 15.08.1850 brannte das gesamte Dorf ab. Da die Häuser so nah beieinander standen, sprang das Feuer von Haus zu Haus. Ein Tag, und alles lag in Schutt und Asche. Doch noch heute wird voller Ehrfurcht die gerade erst eingeführte Brandschutzversicherung genannt. Diese machte es möglich, dass die Häuser innerhalb von wenigen Wochen wieder aufgebaut wurden. Am 01.11. waren 16 der stattlichen Vierständerhäuser wieder bezugsfähig. Das ist eine beeindruckende Leistung! Dafür mussten rund 4.000 große Bäume gefällt und bearbeitet werden. Eine gewaltige Arbeit!

Noch heute erinnern die bemalten Balken über der großen Einfahrt in die Häuser an den Brand von 1850: Das Jahr steht bei allen rechts vom Eingang. Dabei erinnert die Inschrift im Balken darüber an das Feuer: “Was das Feuer brannte nieder…” Mich hat es sehr beeindruckt, dass die Menschen sich voller Dankbarkeit an Gott wandten. Statt ihn zu verfluchen für all das Unglück, danken sie Gott dafür, dass der Aufbau so schnell ging und sie Glück im Unglück hatten.

Wenn man durch die Rundlingsdörfer der Umgebung wandert, dann sieht man viele ähnliche Inschriften. Feuer war früher eine fast tägliche Bedrohung. Es gab noch keine Herde. Gekocht wurde über einem offenen Feuer im Bauernhaus. Die Wände bestanden aus Lehmflechtwerk und Holzfachwerk. Manches alte Bauernhaus hatte ein Reetdach. Also alles leicht entflammbar.Was das Feuer brannte nieder

Die Kirche

Die Kirche muss es schon im 14. Jahrhundert gegeben haben. Eine erste Kapelle wurde wohl zwischen 1300 und 1310 erbaut. Diese wurde immer wieder erweitert und umgebaut. So sieht man heute den Zustand aus dem 16. Jahrhundert. Die Kirche geriet nicht in den Brand von 1850. Zusammen mit dem Pfarrhaus, dem Armenhaus, dem Spritzenhaus und zwei Scheunen blieb sie verschont. In das Innere, das einige schöne Heiligenfiguren aus dem Mittelalter zeigen soll, konnte ich leider nicht schauen, da gerade eine große Hochzeit stattfand.

Satemin heute

Die 1850 neu erbauten Vierständerhäuser bieten auch heute noch ein schönes einheitliches Bild. Es leben rund 70 Menschen in Satemin. Nur einer ist ein Vollbauer. Die anderen Häuser sind teilweise Sommerhäuser und werden nur saisonal bewohnt. Es gibt das schöne Landhotel Markthof, sowie ein weiteres Cafe. Man hat sich auf den Tourismus eingestellt, ohne dass es irgendwie aufdringlich touristisch wirkt. Viele Fahrradfahrer und Wanderer machen einen Stopp im Dorf. Manchmal kommt auch ein Bus mit Touristen, die dann aber schnell wieder verschwunden sind.

Das Leben hier auf dem Land ist sicherlich nicht einfach. Allgemein wird beklagt, dass man keine Arbeitskräfte findet. Selbst nicht für die wenigen Jobs, die es gibt.

Die Verkehrsanbindung ist eine Katastrophe. Ohne Auto ist man ziemlich aufgeschmissen. Für die zwei Kinder gibt es zu Schulzeiten einen Bus morgens nach Lüchow und Nachmittags zurück.

Mitfahrbänkchen

Mitfahrbänkchen

Aber es gibt eine nette Besonderheit: Die Mitfahrgelegenheitsbank. Wenn man nach Lüchow möchte, dann setzt man sich auf die Bank und hofft, dass in absehbarer Zeit jemand vorbei kommt und einen mitnimmt.

Man kann natürlich auch ein Fahrrad mieten, um mal nach Lüchow oder nach Wustrow zu fahren, wo es Geschäfte, eine Post und mehr gibt.

Zum Wandern gibt es zahlreiche weitere Rundlingsdörfer in der Umgebung, viele Naturschutzgebiete und manch altes Haus zu entdecken.

Satemin – mein Paradies

Für mich war Satemin der ideale Ort, mich vom Stress der letzten Monate zu erholen. Ich hab ganz deutlich gemerkt, wie lange ich brauchte, um runterzukommen. Am ersten Tag lief ich trotz Regen unruhig hin und her. Brach schließlich zu einer 3-stündigen Wanderung rund ums Dorf auf. Wie getrieben ging ich immer weiter, schaute mir die Rundlinge Jabel und Guhlitz an. Auch das Dorf mit dem merkwürdigen Namen Meuchefitz ließ ich mir nicht entgehen. Das war einfach wunderschön! Siehe auch “So schön kann Regen sein!“.

Danach war ich soweit. Ich verlängerte meinen Aufenthalt um eine Nacht!. Mehr ging leider nicht, da ich am folgenden Montag wieder arbeiten musste. Ein Storch spaziert durchs Dorf

Für mich ist eines klar geworden: Wenn ich mich mal wieder so richtig erholen will, dann komme ich zurück nach Satemin!

Satemin hat eine eigene Webseite: KlickSatemin ehemalige SchuleSateminSatemin

Das gelbe Andreaskreuz

An vielen Häusern kann man das gelbe Andreaskreuz sehen, Symbol des Widerstandes gegen die Atommülltransporte von Gorleben.

7 Kommentare

  • Pingback: Das schönste Dorf der Welt

  • Hallo Ulrike,

    Ich habe mich gerade hingesetzt, um über unsere Reise ins Wendland zu schreiben und wollte nur noch kurz bei Facebook vorbeischauen – und stoße auf deinen Beitrag über Satemin.
    Wir waren während der kulturellen Landpartie unterwegs, da war zwar einiges los im Wendland, aber es war trotzdem unheimlich entspannt.
    Eine Freundin hatte mir völlig begeistert von der Region erzählt und trotzdem war ich noch positiv überrascht. Wunderbar. Ich komme bestimmt mal wieder.

    LG
    Kaddy

  • Das kann ich sehr gut nachvollziehen, dass du in Satemin zur Ruhe gekommen bist. Ich wünsche dir noch viele und gute, erholsame Zeiten dort.
    Liebe Grüße!

    • Da hoffe ich drauf! Wenn ich deine traumhaften Fotos von Bayern sehe, muss ich feststellen, dass Deutschland doch viele wunderschöne Orte bietet.
      LG
      Ulrike

  • Hallo Ulrike,

    wann war das Schicksalsjahr,1850 oder 1950? – Einmal ist da nämlich ein Zahlenvertipper drin! Wieder ein sehr schöner Beitrag!

    Liebe Grüße

    Christiane

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