In China Geld wechseln, Geld abheben

In China Geld wechseln oder abheben?

In China an Geld zu kommen, ist relativ einfach. Relativ! Denn zum Einen haben Hotels, auch sehr gute Hotels, abseits der Touristenrouten nicht unbedingt einen Geldautomaten. Und wenn sie einen haben, dann kann man dort nicht immer auch mit einer Bankkarte (Giro-Card, Debit-Card, veraltet: EC-Karte) Geld abheben. Manche akzeptieren nur Kreditkarten. Wie das im einzelnen abläuft und welche Erfahrungen ich gemacht habe, erfahrt Ihr im Laufe dieses Artikels.

Geldautomaten in Peking, September 2015

Geldautomaten in Peking, September 2015

Ich habe auch feststellen müssen, dass das Maestro-Zeichen keine Garantie mehr ist, dass man mit der Bankkarte Geld abheben kann. Diese Erfahrung machte ich in Peking, wo ich in der Nähe meines Hotels zwei Geldautomaten von unterschiedlichen chinesischen Banken hatte. Ich habe natürlich zuerst genau den falschen Automaten ausgewählt. Die ATM der China Bank of Communications hatte zwar das Maestro-Zeichen, aber er rückte kein Geld raus. Ich war schon fast am Verzweifeln, brauchte ich doch dringend Geld. Doch es gab ja noch die ATM der China Construction Bank. Auch wenn ich nicht dran glaubte, so geschah es, dass ich an diesem Automaten Geld bekam. An diesem Automaten hatte ich allerdings RMB 1.500,- abheben wollen. Doch der Automat meinte, dass ich damit mein tägliches Limit überschritten hätte. Merkwürdig, sind doch 1.500,- RMB nur etwas mehr als 200,- Euro. Ich hob problemlos 1.000,- RMB ab. Ich hab es ein paar Stunden später noch einmal versucht und erhielt die  übrigen 500,- RMB. Also: es lohnt sich, bei kleineren Schwierigkeiten es mehrfach oder bei unterschiedlichen Banken zu versuchen!

WICHTIG! Grundsätzlich kann man nicht mehr mit allen Bankkarten außerhalb von Europa Geld am Automaten abheben. Das solltet Ihr unbedingt vor der Reise mit Eurer Bank klären! (Stand Juni 2017). Kreditkarten funktionieren in der Regel problemlos.

Chengdu im September 2016

In dem großen internationalen Hotel in Chengdu, wo  ich diesmal wohnte, konnte ich problemlos bare Euros in RMB wechseln. Im 4-Sterne-Hotel am Emeishan nicht.

In China Geld wechseln ? Geld abheben!

Geldautomat in einer Hotelhalle

Geldautomat in einer Hotelhalle

An jeder Ecke, in fast jedem Hotel, ja fast überall gibt es in China Geldautomaten (ATM = Automatic Teller Machine). Die Bedienung ist eigentlich ganz einfach und läuft so ähnlich wie bei uns ab. Die meisten verfügen über Englisch-sprachige Beschriftungen. Der Wechselkurs ist günstig und die Gebühren nicht übermässig hoch. Wichtig ist, dass der Automat das Maestro-Zeichen trägt. Dann nimmt er auch die ganz normale Bankkarte an. Auch mit Kreditkarten wie Visa oder Mastercard kann man an einem solchen Automaten Geld abheben. Es gibt einen möglichen Stolperstein: Manche Automaten nehmen nur 5stellige Pins! Aber das kommt nicht sehr oft vor.

Also alles ganz einfach! Oder?

Nur, ich habe immer auch 100 oder 200 Euro in bar dabei. Könnte ja sein, dass ich mal keinen Automaten in der Nähe finde oder mein Konto kein Geld mehr hergibt. Und dann denke ich, ich muss das Geld auch nutzen. So wie letztes Jahr in Chengdu. Mein Wunsch, bare Euros einzuwechseln, hat mir eine neue und gleichzeitig alte Erfahrungen gebracht.

Gegenüber vom Hostel gab es diese wunderbaren ATMs, die ich auch schon genutzt hatte.

Geldautomat in Chengdu

Geldautomat in Chengdu

Funktionierte alles super! Doch ich wollte ja bares Geld einwechseln. Also auf zum Geld tauschen zur nächsten Bank of China! Die lag rund 500 Meter entfernt. Etliche Stufen führten hinauf zur großen Halle mit allen möglichen Schaltern, vielen wartenden Kunden, Tischen, an denen man Formulare ausfüllen konnte, viel glänzender Marmor und poliertes Messing.

In China Geld wechseln? Alles automatisiert – oder?

Und es gab sie: die junge hübsche Fee, die mich sofort entdeckte, als ich mich noch suchend umschaute. Mit einem strahlenden Lächeln fragte sie mich, ob ich Geld wechseln wolle. Ja, da hatte sie genau den Punkt getroffen. Das wollte ich! „Es gibt eine Geldwechselmaschine!“ verkündete sie mit leuchtenden Augen. Ich runzelte meine Stirn: „Eine Geldwechselmaschine?“ fragte ich skeptisch. Sie führte mich begeistert zu einer abgetrennten Ecke mit einigen Geldautomaten und besagter Geldwechselmaschine.

Als ich verwundert vor dem Ungetüm stand und überlegte, ob ich diesem Automaten trauen konnte und wie der überhaupt funktionierte, bot die junge Frau mir freundlich an, die Bedienung des Automaten für mich zu übernehmen. Ich stand etwas verwirrt ob solcher neumodischer Technik daneben und schaute zu, während sie mir jeden Schritt erklärte, mir das Geld aus der Hand nahm und in den Schlitz schob. Das Geld kam sofort zurück. Also noch einmal! Auch der dritte Versuch führte zu keinem Ergebnis. Das war der Frau sichtlich peinlich. Schließlich meinte sie, dass ich mein Geld doch besser an einem der Schalter wechseln sollte.

Sie führte mich vorbei an anderen wartenden Kunden zu einer Kollegin. Dort bekam ich erstmal einen Stapel Formulare. Während ich diese ausfüllte, verabschiedete sich die junge Frau. Ich würde ja jetzt alleine zurechtkommen. Mit den ausgefüllten Formularen und meinen 100 Euro in der Hand kehrte ich zum Schalter zurück. Aber ach, ein Formular hatte ich nicht richtig ausgefüllt! Also noch einmal! Wieder reichte ich Formulare und Geld der Frau am Bankschalter. Diesmal schienen meine zwei 50-Euro-Scheine ein kleines Problem darzustellen. Sie wurden geprüft und noch einmal geprüft. Ein Kollege wurde zur Beratung hinzugezogen. Schließlich bestanden die Scheine die strenge Prüfung. Es wurde umgerechnet und dann das chinesische Geld abgezählt. Das geht in China mit bewundernswerter Geschwindigkeit, muss aber mindestens zweimal durchgeführt werden.

Endlich hatte ich mein Geld. Mit einem leicht konfusen Gefühl im Kopf verließ ich die klimatisierte Halle und trat hinaus in den hellen Sonnenschein. Irgendwie hatte ich das Gefühl, trotz aller Modernität ein Erlebnis aus einer vergangenen Zeit gehabt zu haben. Ich hatte doch gedacht, dass das Geldwechseln heute einfacher abläuft als damals, als man noch den Abakus zum Rechnen nutzte. Naja, in China Geld wechseln und abheben ist ja auch einfacher geworden, vorausgesetzt der Automat funktioniert.


Reiseschecks sollte man gar nicht mehr mitnehmen. Die sind in China mittlerweile fast unbekannt.

Übrigens:  Karten mit V-Pay werden in China nicht so ohne weiteres akzeptiert. V Pay verwendet für das Bezahlen und Abheben durchgängig den EMV-Chip. Ein Nachteil von V Pay ist, dass dieses System nur in Europa und einigen anderen Ländern zum Bezahlen und Abheben an Geldautomaten akzeptiert wird. Wenn Du eine solche Karte hast, dann sprich mit Deiner Bank, wie Du am besten in China vorgehen kannst.


Hinweis von einer Freundin, die in Peking lebt:
Moin, Höchstgrenzen bei den ATMs in Peking waren in letzter Zeit 2500 bzw. 3000 RMB pro Abhebung, allerdings kann man bei viele Automaten eine Abhebung nach der anderen machen. Ich selbst hab bislang Glück gehabt und noch kein Falschgeld gezogen, aber – Achtung Gerücht – man hört es immer wieder. Etwas absichern kann man sich, in dem man 1. nur aus Automaten abhebt, an denen KEINE Einzahlung möglich ist, 2. sich immer eine Quittung ausdrucken lässt, manche Automaten drucken auch die Geldscheinnummern und 3. bevorzuge ich ATMs, die im Vorraum einer Bank stehen falls es doch mal ein Problem geben sollte” (14.06.17)


Zum Thema: Wechselkurse, Yuan, Dollar

Dieser Artikel wird ständig aktualisiert – zuletzt im  Juni 2017

19 Kommentare

  • Thomas

    Eine Alternative zum Geldabheben ist die Bezahlung mit Wechat.
    Wenn kein eigenes chinesisches Bankkonte vorhanden ist (was ja bei den meisten der Fall sein sollte), sich von chinesischen Freunden Geld auf die Wechat Wallet senden lassen.
    Mit Wechat kann man mittlerweile (fast) überall bezahlen, selbst an den Ständen auf der Straße.

    • Das habe ich auch schon gehört, habe aber noch keine Erfahrung damit. Deshalb ganz herzlichen Dank für den Hinweis!
      LG
      Ulrike

      • Thomas

        Ist ganz einfach.
        Du mußt nur Wechat wallet offnen, auf bezahlen gehen und dann erscheint ein Strichcode, der vom Verkäufer gescannt wird.
        Das ist alles, das Geld wird in Sekunden übertragen.
        Wenn man in ländlichen Gegenden unterwegs ist und man keine der “großen” Banken findet, um Geld abzuheben, kann man Wechat als Reservegroschen benutzen.

  • Das ist ja mal ein spannendes Thema, gut, dass du das mal aufgreifst. Man hat doch jedes Mal Zweifel, ob das so klappt mit dem Geldabheben. Liebe Grüße

  • Pingback: China Informationen - Bambooblog Hamburg - Reiseblog

  • Robert

    In Beijing hatte ich mit Kreditkarten (Visa) eigentich nie Probleme. In Shanxi – vor allem in der Provinz ist es annähernd chancenlos mit nicht chinesischen Karten Geld aus dem Automaten zu ziehen

  • Pingback: Grauenhaft: Mein erster Tag in China

  • Lars

    Ach, in Beijing ging das 2011 ohne Probleme. Auch mit Reiseschecks.

    • bambooblog

      2011: Das sind 3 Jahre seitdem. Da kann sich in China vieles ändern.

    • bambooblog

      Nachtrag: Ich habe schon 2007 Schwierigkeiten mit Reiseschecks gehabt. Ach eigentlich nicht Schwierigkeiten. Es hat nur ewig lange gedauert! Da sind die Geldautomaten doch wirklich eine großer Verbesserung. 😉

  • Sei nur froh, dass du heute nicht mehr mit Silberstücken (Tael) zahlen musst. Was ich in Martial Arts Filmen so witzig finde, wenn die Helden die Tael-Stücke aus irgendwelchen Falten ihrer Gewänder ziehen, nachdem sie vorher minutenlang hart gekämpft haben. Dann lieber der Kampf mit einem Automaten, das scheint die bessere Wahl zu sein. 😉

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