Der Famen Tempel bei Xi’an

法 门 寺  Fǎmén Sì             Famen – Tempel, Tempel des Gesetzestors (Gesetz = Dharma)

Xi'an: Der alte Famen Tempel

Der alte Famen Tempel

Ein uralter Tempel nicht weit von Xi’an? Ich weiß gar nicht mehr, wie ich von diesem Tempel erfahren habe. Erst nach und nach wurde mir bewusst, dass es sich um einen der für Buddhisten bedeutendsten Tempel in China handelt. Klar, dass ich mir den ansehen wollte! Die Recherchen 2009 ergaben nicht viel. Das machte mich natürlich neugierig.

Geschichte des Famen Tempel

Der Famen-Tempel wurde ursprünglich schon vor rund 2.000 Jahren erbaut. Es heißt, dass der Tempel Reliquien des Buddha schützen sollte, die einst Kaiser Ashoka von Indien (304 – 232 v. Chr.) den chinesischen Buddhisten geschenkt hatte. Diese Reliquien, darunter ein Fingerknochen, der dem originalen Buddha gehört haben soll, waren von großer Bedeutung. Trotzdem ging die Erinnerung daran im Laufe der wechselvollen Geschichte des Tempels fast verloren. Immer wieder brannte der Tempel ab, versank fast in Bedeutungslosigkeit und wurde dann aber immer wieder renoviert und neu aufgebaut. Im Zentrum stand und steht bis heute die Pagode aus der Tang-Dynastie (618 – 907), die allerdings in wesentlichen Teilen in der Ming-Zeit und dann in den 1980er Jahren renoviert wurde.

Die Mönche waren sich immer der Bedeutung ihres Tempels bewusst. Trotzdem gab es auch Zeiten, in denen der Tempel kaum bewohnt war. Mit dem Ende der Qing-Dynastie 1912 wurde der Tempel nicht so sehr als Tempel sondern mehr als Schule genutzt. Die Kulturrevolution hinterließ ihre zerstörerischen Spuren überall im Tempel. Der damalige Abt Liangqing verbrannte sich selbst direkt vor der Pagode, um diese und die Reliquien zu schützen. Die Spuren davon konnte man noch lange sehen. Ab 1979 wurden Teile des Famen Tempels mit staatlichen Geldern renoviert.

Die Pagode aber verfiel immer mehr und brach nach schweren Regenfällen 1981 fast komplett zusammen. 1987 begann eine großangelegte Kampagne zur Ausgrabung und Restaurierung der Pagode. Dabei stieß man auf den sog. „unterirdischen Palast“, eine Schatzkammer, die nach und nach eine wahre Flut von kostbarsten Schätzen der Tang-Dynastie freigab. Zu diesem Schatz gehörten auch einige Kästchen aus Silber, die ineinanderverschachtelt einige Knochen enthielten. Die Reliquien, die Kaiser Ashoka geschenkt hatte? Viele buddhistische Gläubige sind davon überzeugt.

Mein Ausflug zum Famen Tempel

Mein Aufenthalt in Xi’an im November 2009 war geprägt von heftigen Schneefällen. Nicht die besten Voraussetzungen für einen Ausflug auf eigene Faust. Die Hotels und Hostels boten organisierte Ausflüge zum Famen Tempel an. Meistens nannte sich das die „Westliche Tour“ und enthielt auch den Besuch von einigen Tang-zeitlichen kaiserlichen Gräbern unterwegs. Dabei das Mao Ling-Grab (mehr) und das Grab der Kaiserin Wu Zetian. Das hörte sich spannend an! Also fragte ich in meinem Hostel nach einem solchen Ausflug. Man schüttelte bedauernd den Kopf, jetzt, im Winter gab es eine solche Tour nicht auf mit Englisch sprachiger Führung. „Ach, das macht nichts!“, lächelte ich. „Ich spreche Chinesisch!“ Mit leichtem Staunen arrangierte man, dass ich am nächsten Morgen früh abgeholt wurde.

Xi'an: Famen Tempel

Die moderne Namaste Pagode beim Famen Tempel

Mein Ausflug war ein Abenteuer! Überall Schnee, der Minibus war nicht beheizt, die Ansagen auf Chinesisch kaum zu verstehen. Meine Mitreisenden waren lieb, kamen aus ganz China und sprachen schwer verständliche Dialekte. In den kleinen Museen bei den Gräbern gab es noch die alten verstaubten Vitrinen mit Erklärungen nur auf Chinesisch. Mit anderen Worten: Es wurde ständige, volle Konzentration von mir verlangt. Mittags aßen wir in einem zugigen Restaurant. Ich hatte mir Tomaten und Ei bestellt und bekam eine köstliche heiße Suppe mit reichlich Ei und Tomaten. Heute eines meiner Lieblingsgerichte, wenn ich krank bin.

Mein Besuch im Famen Tempel

Schließlich kamen wir beim Famen Tempel an. Was hatte ich erwartet? Ich kannte nur die wenigen Fotos von der Pagode und den alten Hallen. Doch was war geschehen? Im Mai 2009 hatte man einen riesigen Komplex fertig gestellt, der eine glitzernde Marmor-Empfangshalle, einen endlosen Park und ein Gebäude in Form zweier zusammengelegter Hände enthält. Dies ist die sog. Namaste Dagoba. Diese überwältigenden Anlagen sollen einen Buddhistischen Park schmücken, den die chinesische Provinzregierung plant. Auch viele Spenden aus Taiwan haben zum Bau beigetragen. Der alte Tempel verschwindet geradezu daneben.

Ich war völlig überwältigt von den Luxus-Toiletten und dem vielen Glitzer und Pomp. Wir hatten genug Zeit, um uns alles anzusehen. Ich ging vor allem in dem alten Tempel von Halle zu Halle, freundlich begrüßt von Mönchen in ihren rostbraunen Gewändern. Überall hingen Fotos von der großen Einweihung der neuen Gebäude.

Die Namaste Pagode

Schon der Weg zur neuen Pagode ist beeindruckend. Er ist so lang, dass man den Weg auch mit einer kleinen elektrischen Bahn zurück legen kann. Alles überdimensional groß. Riesige Gefäße für die Räucherstäbchen, immer neue Stufen, eine großartige Halle mit endlosen Reihen von Kissen und Kerzen. Ein vergoldeter Buddha schaut auf alles.

Die Namaste Dagoba wurde übrigens vom Architekten C. Y. Lee geschaffen, der auch den Taipeh 101 Tower entwarf. Die Dagoba ist 148 m hoch. Das hat eine spezielle Bedeutung: Die 1 steht für Buddha selbst, Die 4 und die 8 stehen für den 8. Tag des 4. Mondmonats, an dem Buddha geboren wurde. Ich meine, dass diese Zahlen auch für die Vier Edlen Wahrheiten und den Edlen Achtfachen Pfad stehen, die die Grundlage der buddhistischen Lehre sind.

Hier befindet sich auch der heutige unterirdische Palast, ein Museum, in dem ein Teil der gefundenen Schätze ausgestellt ist. Wahnsinn! Unvorstellbar schöne Dinge kann man hier sehen. Tee-Gefäße aus Silber, feinstes Porzellan, goldene Buddha-Statuen. Und natürlich die Kästchen, in denen man die Knochen gefunden hat. Die Knochen selbst, die Reliquien, sind so heilig, dass man sie im Original nur am 1. und 15. Tag des Mondmonats und an Wochenenden zu Gesicht bekommt.

Infos (Stand April 2017)
Der Tempel liegt rund 120 km westlich von Xi’an

Eintritt: 120,- Yuan RMB (Im Winter Dezember bis Februar 90,- Yuan RMB
Öffnungszeiten: 08:00 – 17:30 Uhr (Im Winter bis 17:00 Uhr)

Internet:
http://www.famensi.com/
Diese chinesische Internetseite des Famen Tempel ist auch für den interessant, der kein chinesisch spricht. Es gibt viele schöne Fotos des Tempels und nette Musik.

Für Fotos, die bei schönerem Wetter aufgenommen wurden, schaut auch hier mal nach:
Travelchinaguide

Dieser Artikel erschien zuerst im September 2014, aktualisiert und überarbeitet Juli 2017

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.