Chinesische Schriftzeichen: Die Tücken der Sprache

Die chinesische Sprache ist eigentlich ganz einfach: Keine Konjugation, keine Deklination. Doch sie hat so ihre Tücken und funktioniert in der Hauptsache durch Chinesische Schriftzeichen. Jedes Schriftzeichen steht für ein Wort.

Chinesische SchriftzeichenKalligrafie

Wasserkalligraphie bei der Großen Wildganspagode in Xi’an

Die umfangreichsten Chinesisch-Wörterbucher enthalten mehr als 50.000 Chinesische Schriftzeichen. Aber es gibt nur rund 420 unterschiedliche Silben. Diese variieren in ihrer Aussprache durch die 4 Töne.

Wie funktioniert die Sprache trotzdem?

Berühmt ist dieser chinesische Satz:

má mā ma mà mǎ ma ?
麻妈妈骂马吗?
Beschimpft die pockennarbige Mutter das Pferd?

Du siehst: lauter verschiedene chinesische Schriftzeichen mit einer ähnlichen Aussprache!

Ein weiteres Beispiel:

Du willst Zucker in Deinen Kaffee:Tang Zucker

Auch wenn Du das Wort mit dem richtigen Ton aussprichst, wird Dich kein Chinese verstehen, wenn Du ihm nur dieses eine Wort gibst, denn

Tang Teich

Gleiches Wort, gleiche Aussprache! Nur ein feiner Unterschied beim Schriftzeichen.

Oder
Tang bohren
Und wenn man den Ton nicht richtig trifft, dann bekommt man folgende Worte:
Tang sonstige
Siehst Du, wie wichtig es ist, auf Chinesisch ganze Sätze zu sprechen?!

Oder aber die Schriftzeichen zu beherrschen! Oft sieht man in China Menschen, die sich etwas erzählen und dabei in die Handfläche oder mit einem Stöckchen in den Sand schreiben. Dies wird gemacht, um mit dem Schriftzeichen den Sinn des Erzählten zu verdeutlichen.

Die Tendenz zu zweisilbigen Wörtern ist auch mit diesen Schwierigkeiten zu erklären. „Süß“ mit „Frucht“ ergänzt ist eindeutig keine Suppe:
Tang Bonbon

Für „Teich“ gibt es zwei chinesische Schriftzeichen, so dass man das „tang“ für „Teich“ zu einem zweisilbigen Wort machen kann:
Tang Teich 2
und so weiter, und so weiter

Warum fällt es uns schwer, Chinesische Schriftzeichen zu lernen?

Zwar ist unser Gehirn symmetrisch gebaut, doch sind die Aufgaben so auf beide Gehirnhälften verteilt, dass sie sich ergänzen. Die linke Hälfte denkt logisch, abstrakt und analytisch, die rechte bildhaft, gefühlsbetont und schöpferisch.

Durch unsere alphabetische Schrift wird überwiegend die linke Gehirnhälfte trainiert. Da braucht das Gehirn ein wenig Zeit, um für die Schriftzeichen die rechte Gehirnhälfte zu aktivieren.

Damit kann ich mir auch gut erklären, dass es bei mir rund 1000 chinesiche Schriftzeichen, die ich mühsam, sehr mühsam auswendig lernte und immer wieder übte, brauchte, bis es bei mir “Klick!” machte. Es gab einen genauen Zeitpunkt in 1992, an dem ich deutlich gespürt habe, dass sich Blockaden bei mir lösten. Von da an fiel es mir recht leicht, noch mehr chinesische Schriftzeichen zu lernen. Heute (2017) kann ich aufjeden Fall immer noch Chinesisch lesen, fast besser als sprechen.

Überarbeitet im Juni 2017

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