So verneige ich mich vor Buddha

Ein kleiner Leitfaden für das Verhalten im Tempel in China: BuddhismusChengdu: Verhalten im TempelBuddhismus in China

In China gibt es rund 200 Millionen Buddhisten, je nach Quelle mal mehr mal weniger. Egal, Religionen, gleich welcher Richtung, erleben in den letzten Jahren einen großen Zulauf aus der Bevölkerung. Buddha-Statuen stehen fast überall auf den Hausaltären.

Buddhistische Tempel sind zentrale Orte des Gebets. Gongs und Trommeln dröhnen, das Gemurmel der Mantras zieht zusammen mit dem Duft der Räucherstäbchen durch die Hallen. Überall sieht man Menschen, die sich ins Gebet versenken, Räucherstäbchen anzünden und sich verbeugen.

Da kann es schon mal vorkommen, dass man, vor allem in kleineren volkstümlichen Tempeln freundlich dazu aufgefordert wird, mitzumachen. Oder man möchte, wie in einer christlichen Kirche, eine Kerze anzünden. Meistens weiß man dann nicht, wie man das richtig und ohne irgendwen vor den Kopf zu stoßen macht. Deshalb gibt es hier meinen kleinen Leitfaden zum Verhalten im Tempel in China.

Amitofu

In China gibt es zahlreiche Schulen des sog. Mahayana-Buddhismus. Die wichtigsten sind „Reines Land“ und Chan-Buddhismus. Großer Beliebheit erfreut sich der Reines-Land-Buddhismus mit seiner Verehrung des Amituofo (阿 彌 陀 佛, āmítuó fó, Amitabha – Buddha des grenzenlosen Lichtes). Eine Möglichkeit, zur Erleuchtung und ins „Reine Land“ zu kommen, ist die ständige Anrufung des Namens Amituofu.

Es gibt sicherlich unterschiedliche Verhaltensweisen in den jeweiligen Tempeln, doch wenn man sich respektvoll verhält und vielleicht versucht, sich respektvoll zu verbeugen, dann wird das sehr erfreut anerkannt.

Für das Verhalten im Tempel gilt vor allem eine Regel: Die Einheimischen bei ihrem Tun beobachten und ihrem Beispiel vorsichtig folgen.

Dein Tempelbesuch

Lama-Tempel: auch Geschäftsleute hoffen darauf, dass dicke Bündel Räucherstäbchen und ein Gebet im Tempel ihr Business positiv beeinflusst

Lama-Tempel in Peking: auch Geschäftsleute hoffen darauf, dass dicke Bündel Räucherstäbchen und ein Gebet im Tempel ihr Business positiv beeinflussen

Zum angemessenen Verhalten im Tempel gehört ordentliche, nicht zu offenherzige Kleidung

In China brauchst Du Deine Schuhe nicht auszuziehen wie z.B. in thailändischen Tempeln. Doch kann es sein, dass es ein Allerheiligstes gibt, einen Raum mit einer besonders verehrten Buddha-Statue zum Beispiel. Wenn Du dort überhaupt reinkommst, solltest Du die Schuhe ausziehen. Meistens wird für diesen Bereich ein Extra-Eintrittsgeld oder eine Spende erwartet.

Die Gebäude und Altäre umrundest Du im Uhrzeigersinn.

In den Hallen ist das Fotografieren unerwünscht. Vor allem das Fotografieren der Buddha-Statuen ist verpönt. Sich selbst vor einer Buddha-Statue im Tempel fotografieren zu lassen, gilt als respektlos und soll Unglück bringen. Aber angesichts der großen Freude der Chinesen am Fotografieren, wird in den meisten Tempeln über so manches Fehlverhalten hinweggesehen.

Respektvolle Begrüßung

Wenn man in China buddhistischen Mönchen oder Gläubigen begegnet, so lautet der angemessene Gruß: „Amituo-Fu“. Man legt zum Gruß die Hände zusammen, verbeugt sich leicht und murmelt „Amituo-Fu“ (Irgendwie klingt das immer ein wenig wie “Ami – Tofu”). Das erfreut den Gläubigen. Aber dann wird von dem Besucher auch erwartet, dass er weiß, wie man sich ordentlich vor den Buddhastatuen verbeugt.

Verbeugung vor einem Buddha-Altar

Im Jinsha Tempel in Shanghai

Verbeugen und niederknieen

Respekt zeigst Du in den Hallen, indem Du die Hände vor der Brust zusammenlegst und Dich leicht in Richtung Buddha verbeugst.

Wenshu-Kloster

Wenshu-Kloster

Vor jedem Altar gibt es Kissen oder kleine Bänke, auf die man niederknieen kann für ein kurzes Gebet oder zur Bezeugung seiner Verehrung. Das geht wie folgt: Mit geradem Oberkörper kniet man auf dem Kissen. (Nur mit den Knien auf der Kante, Füsse mit Schuhen befinden sich nicht auf dem Kissen!). Man hebt die Hände aneinandergelegt ungefähr auf Höhe des Halses. Die Fingerspitzen befinden sich auf Höhe der Stirn. Dabei beugt man den Kopf, schaut auf die Buddha-Statue. Dann legt man die Hände mit den Handflächen nach unten auf das Kissen, verbeugt sich tief und richtet den Blick auf die Hände. Dabei berührt man kurz mit der Stirn den Boden (das Kissen) zwischen den Händen. Die Hände dreht man nun mit den Handflächen nach oben und erhebt sich. Es reicht, wenn man weiter kniet. Doch manche stehen komplett auf und die Verbeugung beginnt von vorne. Das macht man drei Mal.

Die Drei hat folgenden Hintergrund: Es handelt sich um die dreifache Zufluchtnahme. „Zuflucht zum Buddha, zur Lehre und zur Gemeinschaft der Gläubigen“.

Mich hatte man übrigens mal zu einer Gedenkfeier für einen Verstorbenen im Fayuan-Tempel in Peking eingeladen. Dabei nahmen mich ein paar ältere Damen unter ihre Fittiche und zeigten mir mit großer Geduld, wie ich mich immer wieder verbeugen musste. Das ging ungefähr eine halbe Stunde lang: Verbeugen, niederknien, Stirn auf den Boden, aufstehen. Unterbrochen wurde dies nur durch mehrere Umrundungen des Altars. Einige Mönche führten die Zeremonie an. Und immer wurde „Amituo-Fu“ gemurmelt, die Anbetungsformel des Amithaba-Buddhas. Anschließend erhielt ich wie alle anderen ein paar Orangen und Süßigkeiten.

Räucherstäbchen anzünden

Tempel in Chengdu

Tempel in Chengdu

Die Existenz eines nahen Tempels kannst Du auch ohne Stadtplan und geschwungene Dächer daran erkennen, dass sich die Geschäfte mit Räucherstäbchen und Kerzen häufen. Auch in den Tempeln selbst kannst Du Räucherstäbchen kaufen. Die Räucherstäbchen gibt es immer in größeren Bündeln. Davon nimmst Du drei und zündest diese an den überall vorhandenen Kerzen an. Die Stäbchen sollen glühen aber nicht in Flammen stehen. Wenn die Flammen nicht von alleine ausgehen, schüttelst Du die Stäbchen kurz. Dann glühen nur noch die Spitzen und eine dünne Rauchfahne verbreitet ihren Duft.

Räucherstäbchen anzünden im Tempel

Räucherstäbchen anzünden im Jing’an Tempel in Zhanghai

Dann nimmst Du die rauchenden Stäbchen in die respektvoll zusammengeführten Hände und hebst sie so hoch, dass die glühenden Spitzen über dem Kopf sind. Nun wendest Du Dich zuerst dem Altar zu und verbeugst Dich leicht. Danach drehst Du Dich in alle Himmelsrichtungen und verbeugst Dich jeweils. Auch den Himmel solltest Du nicht vergessen: also kurz nach oben strecken und auch in die Tiefe sich verneigen. Damit hast Du Deine Wünsche allen Himmelsrichtungen mitgeteilt.

Die Räucherstäbchen steckst Du anschließend in das Bronzebecken mit dem Sand. Dies kannst Du vor jeder Halle wiederholen, das heißt überall dort, wo so ein Bronzebecken bzw. ein Altar steht. Es reicht aber auch aus, wenn Du das nur vor der Haupthalle machst. Aber manchmal hat man ja einen Lieblingsbuddha, an den man sich mit einem besonderen Gebet wenden möchte. Wenn nach all den Ritualen noch Räucherstäbchen übrig sind, kannst Du sie auf den Altar oder neben den Bronzekessel legen.

Immer noch unsicher?

Wenn Du Dir unsicher bist über das korrekte Verhalten im Tempel, wie es gerade in einem bestimmten Tempel gehandhabt wird, oder Du siehst, dass die Einheimischen sich anders verhalten, dann solltest Du einfach die Leute beobachten und nachmachen. Jede Äußerung von Respekt dem Buddha gegenüber wird freundlich aufgenommen. Manchmal kann es passieren, dass eine nette ältere Dame sich nähert und Dir mit einem freundlichen Lächeln zeigt, wie es geht.

Auch uralte Buddha-Statuen werden immer noch verehrt

Auch uralte Buddha-Statuen werden immer noch verehrt: hier Yungang bei Datong

Bitte: Wenn ich hier irgendetwas nicht korrekt beschrieben habe zum Verhalten im Tempel in China, dann bitte ich um einen entsprechenden Hinweis. Dieser Artikel ist allein aus meiner Erinnerung und Erfahrung geschrieben. Im Internet oder gar in Reiseführern habe ich nichts zu dem Thema gefunden. Und meine chinesischen Freundinnen kennen sich anscheinend selbst nicht besser aus.

Einen Bericht über meine ersten Erfahrungen in einem chinesisch-buddhistischen Tempel habe ich hier beschrieben: Mein erstes Mal: Frustration im Tempel

Einen interessanten Artikel zur japanischen Verbeugung findet Ihr auf dem Zen-Blog Auf dem Dao-Weg von Ralph Buttler: Gassho: Das Verneigen als Sich-Verlieren und Finden

Überarbeitet 08.08.17

18 Kommentare

  • Peter

    Wie schön, liebe Ulrike, dass Sie als Theravada-Anhängerin einen so freundlichen Bericht über etwas uns Amitabha-Anhängern Heiliges geschrieben haben. Oft erfahren wir ja von anderen Buddhisten eine kleine Abwertung (oder zumindest ein etwas abwertendes Lächeln), weil wir halt etwas anders sind und die Lehre des Buddha auch etwas anders verstehen. Um so schöner, mal einen so freundlichen Artikel zu lesen. Danke!

    Peter

    • Lieber Peter,
      danke für die freundlichen Worte! Für mich ist ein Hauptaspekt des Buddhismus Respekt allen Wesen gegenüber zu zeigen. Das sollte unabhängig von Religion sein. Eine Wertung finde ich sehr unpassend. Dass man auf jemanden herabblickt, weil er einer anderen religiösen Richtung angehört, erlebe ich selbst auch. Schließlich wird der Theravada-Buddhismus von anderen buddhistischen Richtungen auch nicht immer für voll genommen.
      Mögen alle Wesen glücklich sein!
      Ulrike

  • Hi liebe Ulrike,
    vielen Dank für deinen tollen Artikel. Wir sind im Apirl in China auf urlaub und werden deine Tipps auf jeden Fall beherzigen!
    Liebe Grüße
    Annika

    • Hallo Annika, du bist sehr lieb!
      Wenn ich Euch irgendwie helfen kann, gib Bescheid! Wo genau solls hingehen?
      Beste Grüße
      Ulrike

      • Peter

        Liebe Ulrike,

        danke für Ihre Antwort. Haben Sie diese Erfahrung gemacht, dass Theravada-Anhänger eher nicht für voll genommen werden? Das tut mir leid. Ich habe in der DBU eher das Gegenteil erlebt. Aber ich glaube, man sollte einfach den Weg des anderen respektieren. Er oder Sie wird schon seine/ihre Gründe haben, warum gerade DIESER Weg ausgesucht und gegangen wird.

        Ja, mögen alle Lebewesen glücklich sein (das Mettâ-Sutta ist eines meiner Lieblingstexte aus dem Kanon).

        Peter

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  • netzbuddhist

    Klasse Artikel Ulrike! Ich danke Dir!
    Alles Liebe und ich freue mich auf weitere Artikel von Dir!
    Wasana

  • Ei, ei du bist Buddhistin ! Ich bin zwar keine Buddhistin mit allem drum und dran, aber ich betreibe seit Jahren in unterschiedlicher Regelmäßigkeit Achtsamkeitsmeditation und auch diverse andere Formen der Meditation und Kontemplation und interessiere mich auch für buddhistische Philosophie.
    Ich erinnere mich, dass mir jemand in einem chinesischen Tempel erklärt hat, dass man immer möglichst viele Räucherstäbchen anzünden muss, damit keiner der Götter beleidigt ist. Nachdem es im Buddhismus ja gar keinen Gott gibt geschweige denn mehrere hat mich das verblüfft 🙂
    Wahrscheinlich gibt es in China sehr viele Menschen, die zu einer spirituellen Tradition zurückkommen von der sie eigentlich wenig Ahnung haben. Ein interessantes Phänomen !

    • Hallo,
      ja, es gibt viele unterschiedliche Richtungen im chinesischen Buddhismus. Und Götter gibt es nur in den Augen des Volkes. Meistens sind das einfach lauter Schutzheilige. Und ja, die Chinesen zünden Räucherstäbchen an nach dem Motto “Viel hilft viel”. Der chinesiche Buddhismus ist auch für mich manchmal sehr verwirrend, da ich dem Theravada-Buddhismus angehöre, der die Betonung mehr auf die Philosophie legt. Man muss wie bei allen Religionen zwischen der eigentlichen Philosophie und dem Volksglauben unterscheiden. Das ist ja im Christentum nicht naders: Wenn man sichnicht auskennt, würde man ja Maria auch für eine Göttin halten. LG Ulrike

  • Dankeschön für den schönen Leitfaden! Da sind wir letztes Mal bereits falsch herum gelaufen. Aber nun wissen wir Bescheid 🙂

  • Sehr interessant, ich hatte bisher nur Kontakt zu Zen-Buddhismus in einem Zentrum im Schwarzwald (2 Einführungswochenenden und eine einwöchige Sesshin), dort wurde nichts von Obigem gepflegt)

    • Zen ist auch mehr die japanische Variante. Die Frage ist auch, welches Ziel diese Wochenenden haben. Als ich in Thailand 10 Tage im Theravada-Tempel war, verlangte auch niemand von uns Anfängern, uns zu verbeugen. Später, als ich die Retreat in Bayern wiederholte, gab man uns “Fortgeschrittenen” schon einen zarten Hinweis, sich vor der Buddha-Statue und am Anfang jeder Meditation zu verbeugen. Aber diese Verbeugungen waren anders als in China. Und Tibetische Buddhisten verbeugen sich noch ganz anders.

  • Sehr interessant!

    Wenn ich nach meinem Mann und seiner Familie gehe, ist der wichtigste Punkt, in einem Tempel nicht zu fotografieren (und auf keinen, keinen Fall auf einem Friedhof!). Sie sind nicht religiös, aber das ist ihnen dann doch sehr wichtig.

    Musstest du die Orangen und Süßigkeiten, die du auf der Trauerfeier bekommen hast, direkt danach verzehren? Ich habe mal gehört, dass alles, was man da geschenkt bekommt, sofort aufbrauchen und nicht mit nach Hause nehmen darf. Oder verwechsle ich da was?

    • Das mit dem Fotografieren ist interessant. Ich habe viele Chinesen beim Fotografieren in Tempeln beobachtet und hatte iwrklich gedacht, dass das nicht so eng gesehen wird.
      Die Orangen und Süßigkeiten habe ich mitgenommen. Ich habe auch beobachtet, dass die meisten Gäste ihre Geschenke mitnahmen. Es war ein fieser kalter Tag im November 2009. Da löste sich die Gesellschaft ziemlich schnell auf.
      Danke für Deinen Kommentar!
      LG
      Ulrike

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