Gespräche unter weitgereisten Freunden

Kennt Ihr das? Wenn man sich mit anderen Reisenden trifft und seine übelsten Erfahrungen austauscht? Dann sind beeindruckende Sonnenuntergänge, Begegnungen mit freundlichen Einheimischen und tolle Sehenswürdigkeiten häufig nicht das wichtigste Thema!

Immer wieder ein Thema für Gespräche mit weitgereisten Freunden: die Toiletten

Öffentliche Toilette am Wegesrand in China

An ein solches Gespräch denke ich gerne mit einem Schmunzeln zurück. Damals im Februar 1992. In Hannover.

Ulli und Jürgen, die ich in Südchina 1987 kennen gelernt hatte, besuchten mich und meinen Mann. Sie hatten selbst schon einiges in Asien gesehen: Indonesien, Südkorea, Thailand. Und sie wollten nun gerne von meinen Erlebnissen hören und meine Dias sehen.

Am Frühstückstisch gab es natürlich keine Möglichkeit, Dias zu gucken. Aber erzählen konnten wir ja trotzdem. Frischer Kaffee, knusprige Brötchen, selbstgekochte Marmelade – und schon ging es los! Mein Mann, der nicht so weit rumgekommen war, wie wir, hörte erstmal still zu.

Ich weiß nicht mehr, ob wir wirklich gleich mit den Toilettengeschichten angefangen hatten. Aber wir waren schnell mittendrin und erzählten lebhaft frei nach dem Motto “wer hat die dreckigste, stinkendste , ekligste Toilette unterwegs gesehen”.

Mein Liebster wurde immer schweigsamer und blasser. Wir merkten es nicht und stopften uns mit Rührei und lecker Brötchen voll. Bis er endlich darum bat, doch ein anderes Thema zu wählen, ihm würde langsam schlecht.

“Kein Problem” sagten wir und wechselten ohne große Pause zum Thema “Kakerlaken und anderes Ungeziefer”. Wo waren die Kakerlaken am zahlreichsten gewesen, wo die Spinnen am größten? Wie war das noch damals mit den Ratten in Xi’an gewesen? Sind die Ratten in Sri Lanka größer oder die in Südchina? Mein Liebster verschwand schnell ohne weitere Worte

Später ließ er sich nur unter der Bedingung, dass beide Themen nicht mehr zur Sprache kommen würden, zu einem gemeinsamen Essen überreden. Wir verzichteten daraufhin auch auf das beliebte Thema “gefährliche Bus- und Taxifahrten”.

Das waren also Gespräche unter Freunden damals 1992. Natürlich gibt die heute immer noch. Die Toiletten unterwegs haben sich nicht grundlegend geändert. Auch Kakerlaken, Spinnen und Ratten sind immer noch nicht ausgerottet. Heute kommt dann ja noch das Thema “Wer hatte die schlechteste oder langsamste oder gar keine Verbindung mit dem Internet?” Das ist aber nicht halb so eklig wie das Toilettenthema.

Und nun Ihr: Was habt Ihr zu diesen Themen zu berichten? Worum drehen sich Eure Gespräche unter weitgereisten Freunden?

Hier verlinke ich zu meinem Bericht von dem absolut schlimmsten Hotel, das ich jemals unterwegs erlebt habe: klick!

Ach, was wäre das Reisen ohne die Herausforderung des Unvorhergesehenen, ohne das Überwinden und Meistern von widrigen Umständen! Man hätte ja (fast) nichts zu erzählen!

8 Kommentare

  • Ach man, wir Vielreisenden haben wohl eins an der Bohne, uns über doch so profane Themen zu unterhalten und es nicht mal zu merken Und das man Kakerlaken nicht töten soll, weil sonst noch mehr Kakerlaken kommen, ist doch sicher auch eine wirklich wichtige Information, die ausgetauscht werden will?

    Meine witzigste Toilettenentdeckung habe ich übrigens im Iran gemacht, wo es ja standardgemäß überall Hockklos gibt. Meine Gastfamilie hatte dort einen Plastikaufsatz für ihre Gäste, der einen westlichen Toilette ähnelte, auf die man sich auch setzen konnte. Ob sie nicht wussten, dass wir in fremden Gefilden eher lieber im Stehen (in der Hocke) unser Geschäft verrichten? Ich fand den Aufsatz dort deswegen eher hinderlich als eine Bereicherung.

  • K

    Mensch Uli, jetzt hätte ich aber sowas von Lust, mit Dir zu frühstücken 🙂 Ich könnte noch selbstgemachte Laugenbrezeln anbieten, so für den perfekten Mix zur ekligsten Toilettengeschichte.

    Diese Auszeichnung bekommt bei mir ohne Zweifel die “alte” Dorftoilette in Gubeikou (am Fuße der chinesischen Mauer). Häuschen über einer Rinne, die in den Beton gesägt ist, Grube drunter. Bisschen wie im alten Rom, man könnte locker zu viert oder fünft nebeneinander (ohne Wände, versteht sich! Du weißt das sicher, aber vielleicht nicht alle Deiner geneigten Blogleser) sein Geschäft verrichten. Nur reinfallen sollte man nicht, die Rinne ist mindestens einen halben Meter breit. Licht gibt es keins, aber wofür haben denn die Smartphones eine eingebaute Taschenlampe?
    Alte Dorftoilette? Ja, die war nämlich randvoll. Ich bin dann nebenan auf die “neue” Dorftoilette gegangen – eine identische Kopie, nur noch nicht ganz bis zum Rand gefüllt 😉
    Ach, wie ich China doch vermisse…!!!

    Falls wir mal irgendwann irgendwo im gleichen Land sind, sollten wir unbedingt zusammen frühstücken. Für Deinen Liebsten findet sich schon was 😉 Liebe Grüße aus Japan!

    • Gleichmal vorweg: Nach Japan komme ich so schnell nicht! Aber Shanghai steht auf jeden Fall auf meiner Liste. Auf das Frühstück mit dir freue mich schon! Vielleicht kommst du ja mal nach Hamburg. Ich habe da so einiges zu berichten! So eine Dorftoilette habe ich auch erlebt. Leider gab es da keine neue gleich daneben. Und hinzu kam, dass ich die Toilett erst hörte, bevor ich sie roch. Hören? Ja, das waren die Fliegen. Der Kloinhalt lebte… OK, hoffentlich magst du noch frühstücken. Es ist nicht die wildeste Geschichte, die ich kenne! 😀
      LG
      Ulrike

  • Ahahaha, da hast du recht! Solange es kein krampfhaftes “bei mir war es aber viel schlimmer als wie bei dir” ausartet und keine Kollateralschäden wie bei deinem Mann entstehen, ist das eine sehr amüsante Angelegenheit. Wird gerne auch unter Couchsurfern gespielt: Wer hatte den heftigsten Host? Oder die schlimmste Zitterpartie an der Grenze, auch sehr beliebt.

  • Ich komme stets in Gesprächen mit weitgereisten Leuten irgendwann auch darauf, wie sehr mir ein richtig zickiger einstmaliger Freund den letzten Florida-Urlaub vermiest hatte, jene Rundreise durch den Sunshine-State, die eigentlich als Traumreise gedacht gewesen war, mit der Live-Beobachtung eines Shuttle-Starts in Cape Kennedy. Und das führt dann dazu, dass meine Gesprächspartner/innen ebenfalls ihre Erfahrungen mit herum zickenden und ewig nörgelnden Mitreisenden auf den Tisch packen. 😉

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