Lauter nette Männer

China Reisebericht  2017 – Tag 1 und Tag 2

17. – 18.11.2017

Heute ist Sonntag, 19.11.2017. Es ist in Deutschland gerade Mitternacht. Hier in Peking ist es 7:00 Uhr und schon Frühstückszeit. Ich habe wunderbar geschlafen. Kein Wunder nach zwei anstrengenden Tagen mit wenig Schlaf!

Freitag war ich schon um 4:00 Uhr wach und konnte nicht mehr schlafen. Ja, auch mit all meiner Reiseerfahrung bin ich immer noch aufgeregt wie ein kleines Kind, wenn’s los geht! Als der Koffer gepackt ist und ich endlich aufbreche, ist es eigentlich noch viel zu früh. Ich fühle mich erschöpft, kraftlos. Deshalb entschließe ich mich spontan, mir ein Taxi zum Flughafen zu gönnen. Schließlich habe ich Urlaub!

Highlights

  • Frankfurt Transfer: Netter junger Mann Nr. 1
  • Flug mit Lufthansa A380 – netter Sitznachbar
  • Ankunft in Peking: Netter Fahrer
  • Im Hostel: Netter Helfer
  • Museum für Frauen und Kinder
Am Flughafen in Hamburg

Hamburg

Am Flughafen kämpfe ich verschlafen mit der Technik: Ich soll mein Gepäck am Automaten aufgeben, sagt eine freundliche Helferin. Dann aber auch nicht. Mein Koffer hat zu viele kleine Aufkleber von früheren Flügen, die das Gerät verwirren können. Ich wolle ja meinen Koffer in Peking wiederfinden und nicht auf Odyssee zu anderen Flughäfen, oder? Ich mache mich daran, die Zettelchen mühsam abzuknibbeln. Schließlich ist auch das geschafft.

Flug mit Lufthansa A380

Die Sicherheitskontrolle ist schnell überstanden und ich gönne mir ein erstes Bier. Flughäfen machen mir immer einen trockenen Mund. Damit sitze ich direkt am Fenster und übe mich im „Plane-Spotting“. Herrlichstes Wetter! Der Flieger nach Frankfurt ist pünktlich. Ein bisschen verwundert nehme ich beim Einsteigen zur Kenntnis, dass man mir einen anderen Sitzplatz zugewiesen hat. Mein Platz 5C war wohl in Business-Class geändert worden. Egal! Die eine Stunde!

Nach der Landung in Frankfurt, die irgendwo im Bereich C war, ging es endlose Gänge entlang zum Gate, das im Bereich Z liegt. Ich bin so k.o. und schleppe mich über endlose Laufbänder! Das fängt ja gut an! Hoffentlich geht es mir in China wieder besser!

Im Bereich Z liegen anscheinend die Gates für die Flüge nach China. Lauter Chinesen auf dem Weg nach Hause! Ich fühle mich gleich heimisch. Dann gibt es da auch eine Bar und ein frisches kühles Bier. Nun muss endlich auch mal ein Foto gemacht werden: Ulrike unterwegs, den ersten Tag des Urlaubs genießend. Ich bitte den jungen Mann am Nachbartisch, den Fotoappparat zu bedienen, und komme gleich ins Gespräch mit ihm. Er ist beruflich unterwegs nach Shanghai. Er war schon oft in China, um dort beim Bau eines Stahlwerkes zu helfen. Über das interessante Gespräch verpasse ich fast das Boarding.Flughafen Frankfurt - Ich gönne mir ein Bier

Da steht er also, der riesige A380! Ich habe meinen Platz im Oberdeck. Das entpuppt sich als eine gute Wahl! Das Abteil mit den Economy-Plätzen ist klein und ruhig. Mein Sitznachbar entpuppt sich als ein weiterer netter junger Mann. Ein Franzose mit einem zauberhaften Lächeln. Leider kann er nicht so viel Englisch.

Ich bekomme mein bestelltes „Oriental Vegetarian Meal“ und bin völlig entzückt. So eine Vorbestellung hat den Vorteil, dass man nicht warten muss, bis man an der Reihe ist. Es handelt sich um Reis und Linsen und Kartoffelcurry. Indisch! Und gut gewürzt im Gegensatz zu dem üblichen Flugzeug-Essen. Dazu ein leckerer Rotwein! Übrigens: ich bin keine Vegetarierin und wollte das nur mal ausprobieren, wie das so abläuft. Aber die nette Stewardess schwärmt auch von dem indischen Essen an Bord. Ich glaube, das bestelle ich jetzt öfters! Nur am nächsten Morgen hätte ich doch lieber das Rührei gehabt. Aber die Chapattis mit Kichererbsen-Curry schmecken auch gut.

Frühstück

Wie meistens kann ich im Flieger gut schlafen. Diesmal aber nur kurz bis zu heftigen Turbulenzen. Sofort bin ich hellwach. Das Flugzeug rüttelt und sackt auch kurz und plötzlich ab. Ich fühle in mich hinein: Ich verspüre keine Angst, nichts! Ich bin völlig ruhig. Wow! Wo ist meine frühere Flugangst hin? Das Flugzeug beruhigt sich wieder. Ich schaue hinaus und blicke dem Sternbild Orion direkt auf den Gürtel. Sternenklare Nacht! Mehr zum Flug mit Lufthansa

Ankunft in Peking

Als wir pünktlich in Peking ankommen, scheint die Sonne. Herrlich! Trotzdem: Ich bin müde und etwas schlecht gelaunt. An den Einreiseschaltern ist zunächst nur ein Platz besetzt. Das, obwohl doch gerade ein fast voller A380 gelandet ist! Das sind rund 400 Leute. Und der Flieger aus Frankfurt ist nicht der einzige. Zögerlich werden zwei weitere Schalter geöffnet. Die Wartenden werden ungeduldig. Jede Abfertigung scheint außerdem ewig zu dauern. Manchmal bewegt sich gar nichts. Nach ungefähr einer Stunde bin ich endlich dran. Geschafft!

Dann eine kurze Fahrt mit dem Airport-Shuttle zum Baggage-Claim. Da fallen schon die Koffer lustig aufs Band. Nur meiner nicht. Mein Rücken macht sich bemerkbar. So viel Steherei nach einer Nacht im Sitzen! Ne, das kommt nicht gut! Immer ungeduldiger werdend warte ich auf meinen Koffer. Wirre Gedanken! Ob mein Koffer sich schwarz geärgert hat und ich ihn nicht mehr an der schönen roten Farbe erkenne? Ober den Umstieg in Frankfurt nicht geschafft hat? Mein Rücken bringt mich um. Und die Zahl der Koffer nimmt nicht ab. Immer neue prallen auf das rotierende Gepäckband. Meiner ist immer noch nicht dabei. Ob mein Transfer noch wartet? Nach ca. 1 Stunde ist es soweit. Glücklich nehme ich meinen Koffer vom Band. Stelle fest, dass der Griff zum Ziehen sich nicht mehr bewegt. Mein Rücken protestiert. Na, da muss er jetzt durch!

Abholung mit Hindernissen

Langsam gehe ich durch den Zoll, wo man noch einmal meinen Pass sehen möchte. Dann bin ich draußen, gehe an den wartenden Abholern vorbei. Aber keiner hat ein Schild mit meinem Namen. Ich könnte heulen, möchte mich am liebsten schreiend auf den Boden schmeißen. Ich kann nicht mehr!

Dann fällt mir ein, dass ich ja auf alle Fälle die Kontaktadresse von meinem Kollegen greifbar habe! Aber ich habe kein chinesisches Handy. Ich bitte eine junge Frau um Hilfe, die anscheinend auch auf jemanden wartet. Sie ist so freundlich und ruft meine Notfallnummer an. Yiding geht dran. Und schnell ist alles geklärt. Irgendwie muss ich meinen Abholer übersehen haben!

Yiding sagt dem Mann, wo ich bin. Glücklich begrüßt er mich wenig später. Dann wird auch klar, was da „schief“ gelaufen ist: Sein Schild ist folgendermaßen beschriftet: „Abholschild Ulrike PDF“. Er hatte das Schild auf sein Handy bekommen und konnte das natürlich nicht ausdrucken. Naja, gut dass ich das weiß. Dann kann man das für unsere Kunden demnächst berücksichtigen. Frau „Abholschild“ folgt dem Fahrer glücklich zum Wagen. Schon geht die Fahrt in die Stadt los! Der Fahrer ist ganz glücklich, als er merkt, dass ich Chinesisch spreche. Nur sein Chinesisch ist irgendein Dialekt, den ich wirklich nicht gut verstehe. Aber soviel verstehe ich doch: Es ist tolles Wetter und die Feinstaubwerte sind total niedrig heute.

Der Verkehr ist dicht aber fließend. Wir sind wirklich schnell am Jade Hotel. Dort findet man an der Rezeption nicht sofort meine Reservierung. Oh, ne!! Nicht sowas noch! Doch dann ist auch das geklärt. Ein netter junger Mann bringt mich zu meinem Zimmer im 5. Stock. Tja, da hab ich mir anscheinend selbst ein Bein gestellt mit meinem Wunsch nach einem Zimmer im obersten Stockwerk. Denn der Aufzug geht nur bis 4 und ich muss noch Treppen steigen. Das fällt mir heute etwas schwer. Aber ich habe andererseits keine Ruhe, um mich jetzt einfach aufs Bett zu schmeißen.

Ich organisiere nur kurz meine Taschen um, greife mir mein Handtäschlein und den Fotoapparat und bin unterwegs. Erstmal Richtung Einkaufsstraße Wangfujing. Die Luft ist frisch aber nicht kalt.

Peking innenstadt

An der Chang’an

Langsam gehe ich durch die belebten Straßen. Manchmal fühle ich mich fremd, scheine gar nichts wiederzuerkennen. Dann entlockt mir eine Frau mit ihrem Baby auf dem Arm ein Lächeln. Das Kind hat eine für China typische Hose an, wo der nackte Popo im Schlitz zu sehen ist. Chinas „Schnellschuss-Baby-Höschen“!

In einer Shoppingmall finde ich ein Schnell-Restaurant, wo ich eine heiße Suppe esse. Es geht doch nichts über eine kräftige heiße Suppe, wenn man so k.o. ist wie ich. Langsam gehe ich weiter Richtung Dongdan-Straße. Für heute habe ich mir nur eine Besichtigung vorgenommen: Das Chinesische Museum für Frauen und Kinder. Das ist kein Museum, das man in irgendeinem Reiseführer findet. Auch ich habe es nur per Zufall entdeckt, als ich die Pekinger Innenstadt mit Google-Maps erkundete. Auf diese Weise finde ich immer wieder „neue“ Tempel und Sehenswürdigkeiten, die sonst nirgendwo eingetragen sind.

Museum für Frauen und Kinder

Das Museum liegt in der zweiten Reihe mit etwas Abstand zum großen Chang-An Boulevard und ist von dort nicht zu sehen. Das ist kein Museum, das man per Zufall findet. Schließlich stehe ich überwältigt vor dem markanten Bau. Eine tolle Architektur! Der Eintritt ist frei. Aber die Dame am Ticketschalter will meinen Pass sehen und schreibt sorgfältig meine Daten in ein Buch, bevor ich die Eintrittskarte erhalte.Museum für Frauen und Kinder von außen

Dann stehe ich in dem imposanten Treppenhaus des Museums. Es ist ein sehr politisches Museum, das die Atmosphäre der staatlichen chinesischen Frauenvereinigung ausstrahlt. Ich frage mich unwillkürlich, ob der Architekt eine Frau war. Kann aber leider nichts dazu finden.

In den Räumen über die Geschichte der Chinesischen Frau werden viele berühmte Frauen vorgestellt, die eine herausragende Position in China hatten. So gab es schon früh weibliche Generäle, Dichterinnen und Künstlerinnen. Ziemlich faszinierend. Das Frauenmuseum

Interessant finde ich den kleinen Schaukasten zu den „Lotosfüßen“, die eigenartigerweise in die Nähe der Prostitution gerückt werden. Zu den Lotosfüßen: mehr

Als ich aus dem Museum herauskomme, wird es langsam dunkel. Damit wird es auch gleich ziemlich kalt. Ich will jetzt nur noch ins Hotel und mich ausruhen. Schnell kaufe ich noch Wasser, Bier und eine Instant-Nudelsuppe. Dann bin ich schon im Hotel, werfe mich aufs Bett und habe keine Lust zu nichts mehr.

Mein Rücken hat sich ein wenig erholt. Dafür hab ich mich verkühlt und mir schon mal die Schriftzeichen für „Blasenentzündung” rausgeschrieben, für den Fall, dass ich eine Apotheke finde.

Nächster Tag: Warten und Security

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