Anyang – mein archäologischer Traum!

China Reisebericht 2017 – Tag 6

22.11.17

Oh, ich hab soo gut geschlafen! Doch früh werde ich von einem Piepen aus dem Nebenzimmer wach. Da hat jemand anscheinend die Tür beim Rausgehen nicht geschlossen. Jetzt nervt das Ding! Ich lasse den Tag ruhig angehen.

Anyang Tor von Yinxu

Tor zu den Ausgrabungen von Yinxu

Highlights des Tages

  • Die Ruinen von Yinxu
  • Schriftzeichenmuseum
  • Taxi fahren in Anyang
  • Wenfeng Pagode

Ich habe gestern sowas wie Google Maps auf Chinesisch gefunden. Die Informationen, die ich daraus bezogen habe, sorgen für Unruhe: Zu den Ruinen von Yinxu soll man rund eine Stunde brauchen. Eine direkte Busverbindung scheint es nicht zu geben. Und wie ich von dort zum Schriftzeichen-Museum komme, ist mir auch nicht klar, nur dass das auch noch mindestens 1 Stunde Fahrzeit bedeutet. Eigentlich habe ich gar keine Lust auf diese langen und anscheinend umständlichen Fahrten.

Doch dann mache ich das, was man so macht, wenn man wenig bis gar keine Informationen hat – wie damals also, als es noch kein Internet gab: Ich frage einfach an der Rezeption! Die Antwort: “Da nehmen Sie den Bus Nr. 1, der fährt gleich gegenüber ab und direkt zur Haltestelle Yinxu. Dann sind Sie gleich da! Kostet 1 Yuan!”

Erleichtert und verblüfft geht’s rüber auf die andere Straßenseite. Schon sitze ich im richtigen Bus. Erstaunt lausche ich den Ansagen: Hier wird jede Haltestelle auch auf Englisch angesagt! Dabei wird mir doch mehr und mehr bewusst, dass Anyang wirklich abseits der Touristenpfade ist. Und Anyang bietet alles, was mancher Reisende in Peking schon vermisst: Es wird gehupt, gerotzt und angestarrt wie in alten Zeiten.

Die Ruinen von Yinxu

Ihr habt noch nie was von den Ruinen von Yinxu gehört? Macht nichts! Hier eine kurze Einführung von Wikipedia, bis ich dann irgendwann einen ausführlichen Artikel drüber schreibe:

Yinxu
Yinxu (modern IPA: [ín.ɕý]; Chinese: 殷墟; literally: “Ruins of Yin”) is the site of one of the ancient and major historical capitals of China. It is the source of the archeological discovery of oracle bones and oracle bone script, which resulted in the recognition of the earliest known Chinese writing. The archeological remnants (or ruins) known as Yinxu represent the ancient city of Yin, the last capital of China’s Shang dynasty (1350–1046 BC) which existed through eight generations for 255 years, and through the reign of 12 kings. Yinxu was discovered, or rediscovered, in 1899; it is one of China’s oldest and largest archeological sites, and is an UNESCO World Heritage Site. Yinxu is located in northernmost Henan province near the modern city of Anyang, and near the Hebei and Shanxi province borders.
Anyang - Yinxu Museum

Das moderne Museum der Ausgrabungen

Wieder einmal bin ich völlig aus dem Häuschen: Was die Chinesen an tollen Museen errichten! In einem weiten Park sind die Stellen, wo man Überreste des Palastes gefunden hat, markiert. Dazwischen Gebäude mit verschiedenen Museen zu den Ausgrabungen.

Die Sonne scheint, Spatzen spielen und zwitschern in den Büschen – ein Tag für Entdeckungen! Das Museum zeigt Jade und Orakelknochen, die man hier gefunden hat. Beeindruckend auch die riesigen und kunstvoll verzierten Bronzegefäße. Wie im Traum gehe ich weiter und weiter. Alles ist auch ausführlich auf Englisch beschriftet.Wie hat man damals so riesige Bronzen hergestellt? Und in solchen Mengen? Unglaublich!Yinxu - Bronzekessel

Im Mittelpunkt stehen die unzähligen Orakelknochen, schriftliche Dokumente aus der Shang-Zeit, eingeritzt in die Bauchplatten von Schildkröten oder Schulterknochen von Rindern. Eine der Schildkröten lebte im heutigen Malaysia, wie man mit modernen Untersuchungen festgestellt hat. Faszinierend!

Yinxu - Grube mit Orakelknochen

In solchen Gruben hat man unzählige Orakelknochen gefunden

Eine Halle enthält ausgegrabene Kutschen samt Skeletten von Menschen und Pferden. Diese waren einst Grabbeigaben gewesen. Das Holz der Kutschen ist vergangen, hat aber seine Formen in der lehmigen Erde behalten. Zu der Ausstellung gehören Fotos von den Ausgrabungen und zwei Rekonstruktionen.Yinxu - Kutsche

Noch ein Highlight bietet dieser archäologische Park: Das Grab der Fu Hao. Diese bemerkenswerte Frau war einst Ehefrau eines der Shang-Könige. Aber: Sie war auch Generalin und Hohepriesterin. Eine außergewöhnliche Karriere einer Frau damals! Das Grab wurde ungestört gefunden. Die Ausstellung rekonstruiert die Fundsituation. mehr

Ich bin völlig überwältigt von den vielen Eindrücken. Nur langsam kann ich mich von dem Gelände trennen. Wie in Trance gehe ich zu der Straße zurück. Wie komme ich nun zum Schriftzeichen-Museum? Laut Karte liegt es ganz am anderen Ende der Stadt. Hier kommt mir nun zugute, dass ich ein wenig Chinesische spreche. Ich frage einfach eine Passantin. Hatte ich mir doch noch richtig Mühe gegeben, das chinesische Wort für “Schriftzeichen -Museum” auswendig zu lernen.

Oh Wunder! Es gibt einen direkten Bus (Nr. 41) von Yinxu zum Museum! Der Bus kommt und ich bin wieder unterwegs!Anyang - mit dem Bus unterwegs

Das Schriftzeichen-Museum

Das Museum beeindruckt mich durch seine markante Architektur. Vor dem Eingang flattern weiße Tauben in der Sonne. Das sind doch keine “wilden” Stadttauben! Denke ich. Sie sind schön weiß. Möglich, dass es sich um zahme Tauben handelt, wie sie gerne bei Hochzeitsfeierlichkeiten “freigelassen” werden wegen des guten Karmas.Weiße Tauben beim Schriftzeichenmuseum

Um ehrlich zu sein: Ich hatte ja schon in Yinxu viel über Orakelknochen und erste Schriftzeichen gesehen, dass mich die Ausstellungen nicht wirklich interessieren. Andererseits gibt es einige schöne Ausstellungen, zum Beispiel zum Buchdruck. Auch die Entwicklung der Schriftzeichen wird erklärt.

Alles wieder schön in Englisch. Eine Schulklasse hatte anscheinend den Auftrag bekommen, anhand dieser Erklärungen ihr Englisch zu verbessern und zu üben. Als die Mädels mich sehen, stürzen sie sich auf mich. Eine lebendige Ausländerin! Mit der muss man Englisch sprechen! Lustig!

Do not make noice!

Ein Schild, das ich in vielen Museen vermisse

Dann wird es Zeit für mich. Ich mache mich auf die Suche nach einem Bus zurück zu meinem Hotel. Ich finde auch schließlich eine Bushaltestelle. aber irgendwie weiß ich nicht, wie mein Ziel heißt. Außerdem bin ich erschöpft von den vielen Eindrücken.

Ich winke versuchsweise nach einem Taxi – und es hält an! Ich habe meine Karte vom Hotel dabei. Da gibt es keine Missverständnisse. Los geht’s! Als ich ganz automatisch nach dem Sicherheitsgurt greife, wehrt der Fahrer ab. Das brauche ich nicht. Wirklich nicht nötig, bekräftigt er noch einmal. Merkwürdig!

Anyang macht im Zentrum einen richtig netten Eindruck mit vielen Bäumen an den Straßen, kleinen Parks und nicht ganz so hohen Häusern. Im Nu bin ich im Hotel. Die Fahrt hat nur schlappe 10 RMB (€ 1,30) gekostet. Doch ich hab mal wieder keine Ruhe.

Die Altstadt und die Wenfeng Pagode

Anhand des Stadtplans kann ich erkennen, dass auch Anyang anscheinend mal eine rechteckige Stadtmauer besaß. Es soll auch irgendwo einen alten Glockenturm geben. Den finde ich nicht. Dagegen ist die Wenfeng-Pagode nicht zu übersehen. Diese ist das Wahrzeichen von  Anyang. Sie soll mehr als 1000 Jahre alt sein. Rund um die Pagode baut man fleißig an einer neuen Altstadt. Anyang - Altstadt mit Wenfeng Pagode

Aus einem Laden tönen Werbesprüche. Auch wenn ich nicht wirklich hinhöre, so fällt mir wiederholt das Wort “Ham-Bao” (Hamburg) auf. Dann macht auch die 3. Silbe für mich Sinn! Ich stehe direkt vor einem Burger King! Ich bin kurz versucht, dort einzukehren. Aber das lass ich dann doch. Denn es gibt ja noch mein Food-Paradies von gestern. Da will ich wieder hin.

Ich werde von meiner Kellnerin freudig begrüßt. Meine nächste Lieblingsspeise ist heute dran: “Nach Fisch duftende Fleischstreifen” Lecker!

Dann noch ein Bier und ich falle erschöpft ins Bett.

Zum ersten Tag des Reiseberichts: Lauter nette Männer

Zum nächsten Tag: Nächste Station: Xi’an

Meine Hotelempfehlung für Anyang: Ibis Hotel

 

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