Nächste Station: Xi’an

China Reisebericht 2017 – Tag 7 und 8

23.11.17

Kurz nach 12 Uhr fährt mein Zug nach Xi’an. Eine Fahrt voller kleiner Freuden. Zunächst finde ich gleich einen Taxi-Fahrer, der mich zügig zum Bahnhof Anyang Dong bringt. Die Fahrkarte habe ich schon in Peking bekommen. Die Taxi-Fahrt kostet nur 30 RMB. Sie geht wieder durch die endlosen Hochhaus-Siedlungen. Fürchterlich!

Highlights

  • Fahrt nach Xi’an
  • Han Yang Ling Mausoleum
  • Südtor und Shuyuanmen Cultural Street

Schnellzug nach Xi’an

Der spezielle Bahnhof für die Hochgeschwindkeitszüge ist recht klein – und: Ebenerdig! Das weiß ich erst jetzt richtig zu schätzen, wo ich schon in Xi’an mit all seinen endlosen Treppen bin. Anyang ist ganz speziell: In den städtischen Bussen wird alles auch in Englisch angesagt. Im modernen Bahnhof gibt es nicht einmal Anzeigetafeln auf Englisch! Aber es reicht ja völlig, dass ich die Zahlen lesen kann: Zugnummern und Zeiten. Und das Gleis.Anyang - Bahnhof

Ich habe viel Zeit noch und kann beobachten, wie pünktlich die Züge sind und wie reibungslos die Abfertigung klappt. Schließlich bin ich dann auch dran. Eine gar nicht so lange Treppe noch und ich stehe auf dem Bahnsteig. Genau an der Stelle, wo für meinen Zug die Tür zum Wagen 5 markiert ist. Ähm, ja, der Zug kommt, hält an. Aber da ist kein Wagen 5 und auch keine Tür. Ich bin nicht die Einzige, die sich verwirrt an den Schaffner wendet. Er winkt uns rein. Da ist der Eingang, da ist der Wagen 5. Von innen alles gut erkennbar. Ein Teil des Wagens ist ein Bord-Bistro. Dann kommen die Sitzplätze. Schnell habe ich meinen Platz gefunden und meinen Koffer verstaut.

Im Hochgeschwindigkeitszug

2. Klasse Wagen

Ich lehne mich entspannt zurück, warte auf ein wenig Schlaf. Meine Sitznachbarin tippt hektisch in ihre Handy. Hinter mir unterhalten sich zwei Frauen lautstark. Dann kommt ein älterer Mann und spricht kurz mit meiner Sitznachbarin. Resultat: Die beiden tauschen die Plätze. Nun habe ich einen netten Chinesen an meiner Seite, der sofort anfängt, mich auf Englisch nach meinem Woher und Wohin zu befragen. Ohje! Dem kann ich hier nicht entkommen! Ich füge mich in mein Schicksal und versuche, ihn auf Chinesisch anzusprechen. Er macht eher einen einfachen Eindruck, aber er ist unterwegs zu einem 10-tägigen Führungsseminar in Xi’an. Ich zeige mich beeindruckt. Nach einer Weile erkläre ich ihm, dass ich etwas müde sei. Beim nächsten Halt steigt die erste Frau aus und jemand neues beansprucht den Platz an meiner Seite.

Drei Stunden Fahrt sind schnell vorüber. Ich wundere mich doch sehr, wie viele Menschen mit dem Zug unterwegs sind. Kaum ein Platz bleibt leer. Hin und wieder kommt jemand mit einem Mopp durch und säubert die Gänge. Die jungen Schaffnerinnen sehen alle aus wie aus einem Modejournal. Sehr hübsch und immer ein Lächeln auf den Lippen. Dazu die elegante rote Uniform mit dem schicken Käppi! Hoffentlich denke ich noch daran, die mal zu fotografieren!

Ankunft in Xi’an

Wir sind pünktlich in Xi’an. Positiv: Alles ist in Englisch ausgeschildert. Negativ: Ich mache sofort Bekanntschaft mit den endlosen Treppen in Xi’an. Manchmal gibt es Rolltreppen. Doch die sind mir zu schnell. Mit dem großen Koffer kann ich das nicht. Jedenfalls nicht runter. Rauf geht dann doch. Wieder gibt es einen jungen Mann, der mir den Koffer runter trägt.

Nach gefühlten 10 riesigen Treppen stehe ich endlich am Taxenstand – zusammen mit rund 50 anderen Leuten. Alle stehen ruhig und zivilisiert Schlange, so wie es die wiederholten Lautsprecheransagen fordern. Manchmal möchte ich gar nicht so viel Chinesisch können.

Endlich bin ich an der Reihe. Tja, ich hatte ja noch versucht, die Adresse des 7 Sages Hostel in chinesischen Schriftzeichen zu finden, ohne Erfolg. Der Fahrer versteht mich nicht! Er fährt zur Seite und zusammen mit einem Polizisten wird mit dem Handy nach der Adresse gesucht. Als ich gerade den Vorschlag mache, dass man ja auch mal dort anrufen könne, sagt der Polizist “Hab sie!” und zeigt mir tatsächlich Namen und Adresse von dem Hostel. Der Fahrer lacht erleichtert. Er kopiert die Adresse von dem Handy des Polizisten mit seinem Handy, schaltet das Ding auf Navi und schon geht’s los!

Wieder reihen sich die Hochhaustürme aneinander. Ich mag die immer weniger. Doch dann begrüße ich freudig die Stadtmauer, die vor den Hochhäusern geschrumpft zu sein scheint. Dann der Glockenturm. Ja, den erkenne ich wieder!

Da ist auch schon das 7 Sages Bell Tower Hostel! Etwas versteckt am Ende einer kleinen Gasse. Ich checke ein. Die junge Frau an der Rezeption meint, als ich sie um ein ruhiges Zimmer bitte, dass sie mir ein Upgrade gibt. So komme ich in den Genuss eines Familienzimmers mit einem breiten Bett und einem schmalen. Da es wenig Ablagefläche im Zimmer gibt, schmeiße ich meine Sachen auf das schmale Bett. Im Nu verbreite ich Chaos im Raum.

Es ist schon spät, ich mag gar nicht mehr rausgehen. Also versuche ich mein Glück im Hostel. Nein, Essen gibt es nicht, nur Frühstück. das ginge aber auch jetzt so gegen 5 Uhr nachmittags. Na denn! Ein American Breakfast und ein Bier! Das weckt meine Lebensgeister. Zur Zeit scheinen keine Ausländer hier zu wohnen. Das liegt aber, wie ich erfahre, nicht nur an der Nebensaison, sondern auch daran, dass Westler das andere 7 Sages Hostel bevorzugen, weil es “chinesischer” sei. Ich finde die Lage von diesem am Glockenturm allerdings viel besser.

24.11.17 Xi’an – Ausflug zum Han Yang Ling Mausoleum

Mein erstes Ziel in Xi’an ist das Han Yang Ling Mausoleum, die sog. “nackte” Terrakotta-Armee. Da bin ich schon sehr, sehr gespannt! Die ist anscheinend leicht zu erreichen: Metro Linie 2 bis zu einer Station “Bücherei”. Dort umsteigen in der Bus Nr. 4.

Auf dem Weg zur Station “Glockenturm” mache ich weitere Bekanntschaft mit den endlosen Treppen: Erst eine Unterführung – Treppe runter, Treppe rauf. Dann die riesige Station am Glockenturm, die aus Unterführung und U-Bahn-Station besteht. Treppe runter, orientieren, Metro-Station finden – Treppe runter. Ticket kaufen, Sicherheitskontrolle – Treppe runter. Bei Unterführungen gibt es keine Rolltreppen. Ganz selten mal eine aufwärts. Naja, runter kann ich sowieso nicht. Also bleibt mir die Treppe. So eine Treppe ist übrigens nicht so, wie wir das vielleicht von Zuhause kennen! Diese Treppen hier haben es in sich: Bei einer am Glockenturm zähle ich 5 Absätze mit Treppen von je 15 Stufen. Leute! Wenn ich wieder Zuhause bin, werde ich unglaublich fit sein! Mittlerweile schaffe ich so eine Treppe zwar langsam aber ohne Pause aufwärts, ohne auch nur schneller zu atmen!

Die modernen, schönen U-Bahnen in China erfreuen mich immer wieder. Sie sind so ruhig und schnell! Und halten genau da, wo die Türen mit denen des Bahnsteiges passen. In Hamburg hab ich manchmal das Gefühl, dass ich in einer entgleisten Achterbahn sitze, so sehr wird man da mit viel Lärm durchgerüttelt.

Das Mausoleum des Kaiser Liu Qi und seiner Kaiserin – Han Yang Ling

Die Fahrt dauert dann doch inklusive Wartezeiten rund eine Stunde. Hier habe ich das Gefühl, dass ich endlich raus komme aus dem Wald der Hochhäuser. Die Landschaft öffnet sich und zeigt Felder und Dörfer. Aber die Hochhäuser bleiben in Sichtweite.

Han Yang Ling - Grabhügel

Grabhügel und Zugang zum unterirdischen Museum

Hier eine kurze Einführung von Travelchinaguide. Später schreibe ich dann einen eigenen Artikel dazu.

Han Yang Ling
The Yangling Mausoleum of the Han Dynasty (Hanyangling) is located at Zhangjiawan Village, about 20 kilometers (12 miles) north of Xian City, Shaanxi Province. It is a joint tomb of Liu Qi, a notable emperor of the Western Han Dynasty (206 BC-24AD), and his empress, Empress Wang. It was built in the year 153 AD and covers an area of 20 square kilometers (4,942 acres).

Berühmt ist das Mausoleum wegen seiner kleinen Terrakotta-Armee, der sog. “nackten” Tonarmee. Die Figuren sind ca. 60 cm groß. Sie hatten ursprünglich Kleider an und hölzerne Arme. Diese sind im Laufe der Zeit vergangen. Deshalb stehen die Figuren heute nackt da. Auch wieder beeindruckend: Die individuelle Bearbeitung der Gesichter. Die Figuren wirken friedlicher als die des Ersten Kaisers von China.

Han Yang Ling

Plastiküberzieher

Voller Erwartungen folge ich dem Weg in das unterirdische Museum. Dort angekommen muss ich mir blaue Plastiküberzieher über die Schuhe stülpen. Warum das so ist, erfahre ich bald. Denn nach der Sicherheitskontrolle erreiche ich die Halle der Ausgrabungen: Über einen gläsernen Boden gehe ich direkt über die Ausgrabungsfläche. Die ausgegrabenen Figuren sind von Glaswänden geschützt.Han Yang Ling - Glasboden über der Ausgrabung

Das finde ich enttäuschend. Die Figuren wirken winzig und weit weg, die Glasscheiben verhindern vernünftige Fotos. Hinzu kommt die trübe Beleuchtung.Trotzdem bin ich beeindruckt. Das Ganze wirkt tatsächlich so ähnlich wie die große Terrakotta-Armee. In Reihen stehen sie bereit. In anderen Gruben hat man außerdem zahlreiche Tierfiguren gefunden. Auch Hunde. Ob die wohl als Festessen im Jenseits gemeint waren, so wie die Figuren von Schweinen und Rindern?

Ton Figuren und Rekonstruktion

Figuren und ein Beispiel, wie sie gekleidet waren

Mir gefällt der ausgedehnte Park rund um die riesigen Hügelgräber. In der Sonne ist es richtig warm. Was hab ich doch für ein Glück mit dem Wetter!

Das rekonstruierte Südtor

Auf dem Weg zurück nach Xi’an habe ich Zeit zu überlegen, ob ich nun enttäuscht bin oder nicht. Dann habe ich eben keine schönen Fotos! Aber ich habe einen interessanten Ausflug gemacht. Han Yang Ling ist ein Mustsee für jeden an Archäologie interessierten!

Südtor und Shuyuanmen Cultural Street

Kurz entschlossen steige ich erst eine Station nach dem Glockenturm aus. Als ich die Treppen hinauf ans Tageslicht bewältigt habe, stehe ich direkt vor dem Südtor. Was für ein Anblick! Der Eintritt erscheint mir zu hoch und ich verzichte darauf, hier auf die Stadtmauer zu steigen. Mir reicht der Blick auf das Tor.

Xi'an Südtor

Südtor

Xi'an - Stadtmauer

Stadtmauer beim Südtor

Wenn man durch das Tor tritt, erreicht man eine ziemlich touristisch wirkende bunte Gasse mit vielen Läden. Das macht mich neugierig. Langsam gehe ich durch die trubelige Gasse. Als ich genauer hinschaue, merke ich, dass die meisten Läden nicht den üblichen Touristennepp anbieten, sondern auf alles, was man für chinesische Kalligraphie braucht, spezialisiert sind. Papier, Pinsel, Tinte und mehr.

Shuyuanmen

Am Ende der Gasse komme ich in eine kleine Straße, wo es auch einige Restaurants gibt. Die meisten bieten Muslim-Food an. Also gibt es hier kein Schweinefleisch und kein Bier. Ich kehre in ein Nudelrestaurant ein und esse eine große Portion Jiaozi, chinesische Teigtaschen. Lecker!

Zurück im Hostel

Nach einer kurzen Pause, in der ich mich auf dem Bett ausstrecke, schnappe ich mir meinen Laptop und gehe hinunter in den gemütlichen Gemeinschaftsraum. Zwei Stunden lang schreibe ich konzentriert an meinem Reisetagebuch und sortiere Fotos.

Zum Hostel gehört ein riesiger weißer Hund, der mich sofort in sein Herz schließt. Sorry! Ich kann dich nicht streicheln wegen meiner Tierhaarallergie! In dem Raum sind auch einige junge Chinesinnen, die auf der vorhandenen Gitarre spielen und singen. Eine fröhliche Gruppe! Später gesellen sich auch zwei Jungs zu ihnen. Gemeinsam setzen sie sich an den Tisch und spielen Karten. Eigentlich sollte das ja gar nicht ungewöhnlich sein. Doch bei der Liebe der Chinesen zu ihren Handys finde ich es toll, sie hier ganz ohne Handy in einem lustigen Zusammensein zu erleben.

Bei einem Bier und einem Krimi aus der ZDF-Mediathek beschließe ich den Tag.

Im Hostel - Ulrike am Laptop

Ulrike bei der Arbeit

Zum ersten Tag des Reiseberichts: Lauter nette Männer

Zum nächsten Tag: Steinzeit und Moderne

4 Kommentare

  • Das vorletzte Bild ist lustig: der kleine Hund in der selben Haltung wie der steinerne Hund.

  • Da machst du ja dank der vielen Treppen nicht nur eine Kultur- sondern auch Fitness-Reise. 😉
    Mir gefallen alle Bilder gut, ganz besonders aber das mit dem Hund und dem steinernen Löwen, denn da kam mir beim Betrachten ganz spontan in den Sinn, dass man früher hier in Europa die chinesischen Löwendarstellungen für Bildnisse von Hunden gehalten hat. 😉
    Herzliche Grüße!

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