Shanghai – auf den Spuren der Vergangenheit

China Reisebericht 2017: Tag 15

1.12.2017

Ich habe Shanghai noch nie wirklich gemocht. Deshalb bin ich auch noch nicht so oft dort gewesen wie z.B. in Peking oder Xi’an. 1991 war ich schließlich zum ersten Mal in Shanghai, ganz einfach, weil meine Fähre nach Japan hier abfuhr.

Natürlich hab ich mir damals schon einiges angesehen: Altstadt, Yu-Garten, Bund, Peace Hotel und mehr. Aber am meisten hat mich der blitzsaubere Schlafsaal des Pujiang-Hotels beeindruckt. Heute ist das wieder das renommierte Astor House Hotel. Ich hätte gerne auch diesmal wieder drin gewohnt. Aber es war mir einfach zu teuer.

Aber ich will mir das Hotel heute auf jeden Fall angucken! Und so wandele ich auf den Spuren meiner Vergangenheit. Die Sonne scheint! Damit hatte ich gar nicht gerechnet, nachdem der Tag gestern so trübe gewesen ist.

Hightlights

  • Astor House Hotel
  • Uferpromenade The Bund
  • Shanghai Museum
  • Treffen mit Tanja

Das Fish Inn liegt direkt am Pujiang-Fluss. Der hat in den letzten Jahren einen erstaunlichen Wandel durchgemacht:

Zitat von 1991

An manchen Tagen stinkt der Pujiang, ein kleiner Fluss, der direkt vor dem Hotel fließt, erbärmlich. Wie ich gleich am zweiten Tag in der China Daily lese, waren das im 2. Halbjahr 1990  143 Tage von 182! Der Geruch ist leicht chemisch. Man gewöhnt sich dran.

Heute sieht der Pujiang sauber aus. Von üblen Gerüchen keine Spur! Angler sitzen am Ufer. Ob ich die Fische essen würde? Wohl eher nicht. Es heißt, dass man einige Chemie-Fabriken vom Oberlauf verlagert hat und Kläranlagen und Parks eingerichtet hat.

Auf jeden Fall ist das ein schöner Spaziergang am Ufer entlang. Natürlich erkenne ich kaum etwas wieder. Die Uferstraße wirkt sauber und gepflegt. Die neuen Hochhäuser sind sicherlich modern und von einem hohen Standard.

Ich finde die alte Hauptpost. Auch sie ist kaum wieder zu erkennen. Ein elegantes Jugendstil-Gebäude! Im großen, sorgfältig renovierten Schalterraum gibt es keine Spur mehr von dem dunklen, quirligen Raum von damals. Wie oft bin ich hier gewesen, um Briefe zu verschicken oder auch am Poste Restante-Schalter nach Post für mich zu fragen! Auch ein Paket habe ich damals nach Hause verschickt und gelernt, dass die internationale Sprache der Post das Französische ist. In dem Gebäude gibt es auch ein Postmuseum, das aber nur an wenigen Tagen in der Woche geöffnet ist. Heute nicht!

Alte Post Schalterhalle

Auf dem Weg zum Astor House Hotel schaue ich mich nach dem Krankenhaus Nr. 1 um. Mit dem hatte ich 1991 Bekanntschaft machen müssen. Das Krankenhaus existiert nicht mehr. In der Sonne habe ich schon einen ersten schönen Blick auf die Skyline von Pudong mit Oriental Pearl Tower, Flaschenöffner und den anderen riesigen Wolkenkratzern.

Der Bund

Plakette am Astor House Hotel

Dann stehe ich vor dem Astor House Hotel, schaue hinauf und betrete die Rezeption: Eine Halle mit Kronleuchter und bunten Glasfenstern. Weiter!

Astor House Hotel (links) – Russisches Generalkonsulat (rechts)

Vorbei am alten russischen Generalkonsulat gehe ich über die Brücke zum Bund, im Rücken das vertraut wirkende Broadway Mansion. Der Bund ist riesig und breit. Bei dem schönen Wetter sind viele, aber nicht zu viele Menschen unterwegs. Im Dunst wirken die Wolkenkratzer unwirklich und romantisch. Auf der anderen Seite haben sich manche von den alten Hochhäusern weihnachtlich geschmückt.

Ich tauche ein in die lebhaften schmalen Strassen hinter den Art Deco- und Jugendstil-Hochhäusern. Ein buntes Gewimmel! Eine Kirche, ein schmaler Grünstreifen mit Parkbänken. Dann eine Strasse voller Kalligrafie- und Bücherläden: Die Shanghai-Buch-Strasse.

Je näher ich nun dem Volksplatz komme, desto mehr Restaurants gibt es hier. Mir knurrt deutlich mein Magen. Wieder findet sich ein Imbiss, der köstliche Nudelsuppen anbietet. Heiß und sehr zufriedenstellend!

Mit neuem Schwung geht es weiter. Zuerst stehe ich vor dem modernen Gebäude der Stadtplanungsausstellung. Soll ich? Ach, zuerst zum Shanghai-Museum! Aber irgendwie bin ich auf der falschen Seite des Volksparks und werde auf Nachfrage auch in die falsche Richtung gewiesen. Ich komme am großen Theater vorbei, in dem zur Zeit Hamlet gespielt wird. Dann kann ich aber schon das markante Gebäude des Museums sehen.

Shanghai Museum

Natürlich geht es erstmal wieder durch eine Unterführung – ohne Rolltreppen. Ich bin schon ziemlich erschöpft. Aber was soll’s! Ich will in das Museum! Quer durch den Park des Volksplatz, vorbei an Tauben fütternden Familien, erreiche ich den Hintereingang des Museums. Der ist abgeriegelt und anscheinend allenfalls für Rollstuhlfahrer zugänglich. Äh, ja, hmm.. Und wie komme ich zum Haupteingang? Ich blicke mich suchend um. Das bemerkt ein Security-Beamter. Er winkt mir zu: Ich könne auch hier rein! Mit einem dankbaren Lächeln übersteige ich eine niedrige Absperrung. Ruckzuck bin ich im Museum, ganz ohne Schlange stehen und ohne Treppen!

Im Museum

Eine erste Orientierung beschert mir die Erkenntnis, dass die Keramik- und Porzellan-Ausstellung wegen Renovierung geschlossen ist. Schade! Aber es bleibt noch genug an Bronzen, Jade, Skulpturen zu sehen. Auch hübsche Ausstellungen von prächtigen alten Möbeln und alten Trachten der Minderheiten sind sehr sehenswert.

Ich lasse mir Zeit, finde die Aufzüge und so manche Sitzgelegenheit. Der Museumsshop hat ein schönes Angebot an Büchern und Kunsthandwerk.

Shanghai Stadtplanungsausstellung

Da ich mit meinen Kräften sparsam umgegangen bin, habe ich noch genug Energie für das Stadtplanungsmuseum. Herrliche alte Fotografien, manche mit Vorher/Nachher-Effekt erwarten mich dort! Die finde ich viel interessanter eigentlich als das überdimensionale Modell der Stadt Shanghai.

Mehr zu den beiden Museen demnächst auf meinem Blog!

Ich geh jetzt erstmal zurück ins Hotel. Zu Fuß über die Einkaufsstraße und Fußgängerzone Nanjing Lu. Wie schön, die Leute bei ihrer Freude an Schaufenstern und Konsum zu beobachten! Paare jeden Alters bummeln Hand in Hand an den Schaufenstern vorbei. Modisch gekleidete kichernde Teenager, würdige Großmütter, liebevolle Eltern mit ihren Kleinkindern – alle scheinen sie das bunte Leben und den Sonnenschein zu genießen. Herrlich!

Der Eingang zur U-Bahn-Station bzw. die Shopping Mall dabei ist weihnachtlich geschmückt

Ich habe noch Zeit, mich ein wenig auf meinem Bett auszuruhen. Dann breche ich wieder auf. Denn ich treffe mich gleich mit Tanja, die den tollen Blog Shaoshi in Shanghai schreibt. Auf dem Weg zum Zhongshan-Park lerne ich nun auch die U-Bahn-Station Nanjing Lu Dong kennen. Die hat nicht ganz so furchterregende Treppen wie andere.

Am Ziel angekommen weiß ich gleich, wohin ich muss. Denn wir haben uns am Ausgang 6 verabredet. Diese Nummerierung, in Peking sind es Buchstaben, sind sehr hilfreich bei diesen riesigen Stationen.

Da kommt sie auch schon! Wir gehen gemeinsam in ein Malatang-Restaurant, wie ich es schon von Peking kenne. Lecker! Und anschließend ein Bier trinken! Und ganz viel erzählen! Als ich noch etwas ratlos frage, was ich denn am nächsten Tag in Shanghai machen kann, empfiehlt sie mir den Zhengru Tempel. Das hört sich ganz spannend und nach einem Abenteuer abseits der Touristenpfade an! Wunderbar! Der Abend war ganz nach meinem Geschmack!

Zurück im Hotel falle ich aufs Bett und schlafe sofort tief und fest.

Zu meinem Bericht 1991 über das Pujiang Hotel

Zu meinen weiteren Berichten zu China 2017

8 Kommentare

  • Christoph

    Ja, das hätte ich gerne gesehen: Shanghai in den 90ern als auf Pudongseite noch nicht so viel stand. 🙂

    Das Museum für Städteplanung ist eines meiner Lieblingsmuseen, auch wegen dem tollen Modell der Stadt im obersten Stock.
    Im Shanghai Museum war ich bisher nur einmal. Da muss ich unbedingt nochmal hin. Dort blieb mir auch der oberste Stock über Chinas Minoritäten besonders in Erinnerung.

    Warst du schon im China Art Museum im ehemaligen chinesischen Pavillion der Expo 2010?
    Ein bisschen ab vom Schuß aber auch sehr zu empfehlen und dazu kostenlos 😉

    In das Astor House habe ich mich einmal eingebucht, als mich meine liebe Schwester in China besucht hat. Wirklich ein schönes Gebäude mit tollen, hohen Zimmern mit Stuck und das Frühstück im pompösen Bankettsaal. Leider wie so viele Hotels mit guter Lage in Shanghai mittlerweile schwer zu bezahlen.
    Das Seagull on the Bund gegenüber (neben dem russischen Generalkonsulat, mittlerweile durch eine hohe Mauer getrennt) bietet bei Flußblick eine herrliche Aussicht, dafür ist das Frühstück nicht so gut.
    Gleich ums Eck ist das Hyatt on the Bund, das preislich weit über meinem finanziellen Rahmen liegt, allerdings hat es die meiner Meinung nach Hotelbar mit dem besten Blick (Bar Vue): Einerseits auf die Skyline in Pudong, andererseits auf den Bund.

    Die Post kenn ich noch nicht. Verrätst du mir, wo ich die finde?

    Viele Grüße aus Suzhou sendet Dir
    Christoph

    • Danke für die Hotel Tipps! Das Astor House wird ja anscheinend nicht mehr als Hotel geführt. Die Post hat die Adresse Tiantong Rd. 395. Findest Du auch unter “Shanghai Postal Museum” auch über Google. Tje, moderne Kunst ist nicht so mein Ding. Deshalb war ich auch noch nicht in dem China Art Museum.
      Letztendlich ist Shanghai gar nicht so meins. Aber hochinteressant ist in Hongkou das Jewish Refugees Museum. Das ist mein LIeblingsmuseum in Shanghai.
      Nun bin ich sehr gespannt auf weitere KOmmentare von dor! Schreibst Du eigentlich auch einen Blog?
      Beste Grüße
      Ulrike

  • Pingback: Xuzhou - Nanjing - Shanghai - Bambooblog Hamburg - Reiseblog

  • So viel zu erzählen, so wenig Zeit. War schön, dich mal im echten Leben getroffen zu haben!

    • Oh! Du bist ja schon wieder zurück in shanghai! Ich hoffe, Ihr hatte eine schöne Zeit in Thailand. Ich hab unser Treffen auch sehr genossen. Und der Tipp mit dem Zhengru-Tempel war super!
      LG
      Ulrike

  • Pingback: Die schönsten Fotos 2/2017 - Fotoparade - Bambooblog Hamburg - Reiseblog

  • Die Skyline von Shanghai hat es mir seit jeher angetan…
    Ein Bekannter hat mir vor Jahren mal vorgeschwärmt, dass es in Shanghai mehr Wolkenkratzer als in Manhattan geben würde.
    Liebe Grüße!

    • Das kann gut sein. Und jeden Tag wächst wieder einer in die Höhe. Doch ich bin kein Freund von diesen Hochhauswäldern. Als ich 1991 zum ersten Mla in Shanghai war,gab es auf der Pudong-Seite noch keine große Besiedelung, geschweige denn Hochhäuser…
      LG
      Ulrike

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