Heiligabend in der Bahnhofsmission

Frau M. fragte mich vor zwei Wochen in der Bahnhofsmission erwartungsvoll: “Bist Du Heiligabend auch wieder abends da?”, ich antwortete “ja!” Und sie sagte mit einem Strahlen im Gesicht begeistert: “Oh, da freue ich mich sehr!”. Da fing für mich die Vorfreude auf Weihnachten an.

Eigentlich mache ich mir nichts aus Weihnachten. Ja, damals, als meine Mutter noch lebte! Oder mein Mann. Da hatte ich auch Freude am Schmücken und feiern. Seit ich alleine bin, gebe ich mir keine Mühe mehr damit. Es bedeutet mir nichts mehr.

Das schafft mir Raum und Zeit, am Heiligabend für andere da zu sein. Die meisten Kollegen in der Bahnhofsmission möchten ja gerne bei ihrer Familie feiern. Trotzdem hat die Bahnhofsmission am Hamburger Hauptbahnhof auch an allen Feiertagen 24 Stunden geöffnet.

Eigentlich sind für mich dann doch die weihnachtliche Atmosphäre, der geschmückte Weihnachtsbaum und die Würstchen mit Kartoffelsalat Hauptgrund, um den Heiligabend in der Bahnhofsmission zu verbringen.

Nachmittags findet am 24.12. in der BM Hamburg die eigentliche Weihnachtsfeier statt. Mit Weihnachtsgeschichte, Weihnachtsliedern und Kaffee und Kuchen. Vier Durchgänge, da nicht so viele Menschen in unseren Räumlichkeiten Platz haben. Jeder, der kommt, erhält ein kleines Geschenk, Tüten mit Süßigkeiten und so nützlichen Dingen wie warmen Socken, Zahncreme und Mützen. Die stammen alle aus Spenden.

Überhaupt erhalten wir zu Weihnachten sehr viele Spenden, u.a. Kuchen und Lebensmittel. Die geben wir gerne weiter. Auch der Mitternachtsbus und die Hamburger Tafel profitieren von diesen Spenden.

Ich helfe schon seit Jahren Heiligabend in der Bahnhofsmission, und zwar in der Abendschicht ab 18:00 Uhr. Nach einer kurzen Pause zum Aufräumen, wird jeder willkommen geheißen. Ausnahmsweise gibt es an Heiligabend in der Bahnhofsmission Essen und Heißgetränke bis zum Abwinken. Das wird gerne angenommen. 5 Mal Würstchen, 3 Mal Nachschlag an Kartoffelsalat, 3 Berliner Pfannkuchen  – alles ist möglich. Serviert mit einem fröhlichen “Schöne Weihnachten!” und einem Lächeln.

Natürlich war gestern Abend auch Frau M. da. Ich begrüßte sie freudig. Sie bestand auf eine Umarmung. Sie sah gut aus. Hatte wohl etwas zugenommen. Sie hat nicht viel, aber ein schönes Lächeln.

Auch ich habe reichlich Würstchen und Kartoffelsalat  abbekommen. Und Christstollen. Und viele freundliche Worte.

Dieses Jahr war weniger los als sonst. Lag es an dem milden Wetter? Oder an einem momentanen Überangebot an Weihnachtsfeiern für Obdachlose und Bedürftige?

“Eigentlich sollten wir uns darüber freuen, wenn weniger Menschen kommen. Bedeutet es doch vielleicht auch, dass uns die Leute weniger brauchen.”, meinte ein Kollege. Naja, an anderen Tagen ist die Nachfrage nach den Diensten der Bahnhofsmission groß.

Um 22:30 Uhr verließen uns die Gäste und verschwanden zufrieden in der Nacht. Frau M. bekam natürlich noch eine Umarmung. Dann  trudelte die Nachtschicht ein.

Ich liebe Heiligabend in der Bahnhofsmission!

Spendet doch auch mal! Nicht nur an Weihnachten! Für die kalte Jahreszeit können wir noch warme Socken und Mützen gut gebrauchen!

Nächste Hilfe: Bahnhofsmission

4 Kommentare

  • Sabine

    Liebe Ulrike,

    Toll, wie Du Deinen Heilig Abend so gestaltest, dass Du damit auch andere glücklich machst und denen etwas gibst, die am wenigsten haben!
    Großes Lob für Dein Engagement!
    LG aus Australien,
    Sabine

    • Liebe Sabine,
      Du machst mich ganz verlegen. Mir ist dieses Helfen in der Bahnhofsmission schon so zur Gewohnheit geworden, dass ich darin gar nichts besonderes mehr sehe. Auch muss ich sagen, dass mir die Freude, die Gemeinschaft am Heiligabend selbst sehr viel bringt.
      Beste Grüße nach Australien! Ich wünsche Euch ein gutes neues Jahr!
      Ulrike

  • Ein dickes Lob für dich und dein Engagement!
    Meine Eltern sind seit vielen Jahren ehrenamtlich bei der Tafel und wenn ich zu Besuch in Deutschland bin packe ich auch immer mit an.

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