Eulenspiegelstadt Mölln

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Mölln, eine kleine Stadt in Schleswig-Holstein nennt sich stolz die “Eulenspiegelstadt”. Der berühmte Schelm Till Eulenspiegel soll in Mölln gestorben sein.  Es gibt zwar kein Grab, aber einen Gedenkstein an der St. Nikolai-Kirche, der ihn mit einer Eule zeigt. Auch wenn also gar nicht so klar ist, ob Eulenspiegels Leben in Mölln ein Ende fand, so ist der Schelm mit seinem Schabernack in Mölln heute allgegenwärtig. Es gibt ein Eulenspiegel-Museum und natürlich ein Eulenspiegel-Fest.

Till Eulenspiegel ist in Mölln allgegenwärtig und leicht an seiner mit Glocken geschmückten Narrenkappe zu erkennen

Till Eulenspiegel ist in Mölln allgegenwärtig und leicht an seiner mit Glocken geschmückten Narrenkappe zu erkennen

Aus diesem Anlass findet jeweils im Juni an einem Wochenende ein Mittelalter-Markt statt. Auf einer kleinen Bühne auf dem alten Marktplatz erzählt Eulenspiegel von seinen Abenteuern und Streichen, die er im 14. Jahrhundert in ganz Deutschland getrieben hat. Auch in Braunschweig und in Schöppenstedt gedenkt man mit Ausstellungen und Gedenksteinen an den umtriebigen Narr.

Ich war kürzlich in der Eulenspiegelstadt Mölln. Ungefähr eine bis anderthalb Stunden braucht man mit der Bahn von Hamburg zu dem netten Kurort, je nach Verbindung. Das erste, was mir Stadtmaus auffiel, als ich aus dem Zug stieg, war die frische Luft. Von den Regenfällen der letzten Tage frisch und feucht duftete die Luft nach Gras und Natur. Herrlich! Der Himmel war trübe, dunkle Wolken wechselten sich mit kleinen blauen Löchern ab. Manchmal schien die Sonne, manchmal regnete es und es fegt ein kühler Wind durch die alten Gassen.

Mölln hat schon im 13. Jahrhundert die Stadtrechte erhalten. In dieser Zeit wurde auch die schöne St. Nikolai-Kirche erbaut. Dicke Ziegelmauern beherbergen eine nur scheinbar norddeutsch schlichte Kirche der Backsteinromanik. In der Kirche findet sich ein wunderschöner Altar aus dem Barock und eine bedeutende Orgel, deren Ursprünge auf das 15. Jahrhundert zurück gehen. Die Malereien, die man an den Wänden bewundern kann, stammen aus der Gotik (15. Jh.).

Die kleinen Backsteinhäuschen rund um den Marktplatz sind noch aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Dort steht auch das alte Rathaus, in dem sich heute das Stadtmuseum und die Touristinformation befinden. Das prächtige Haus aus dem 16. Jahrhundert gegenüber vom Rathaus ist das Eulenspiegel-Museum. Ins Auge fällt auch der Wasserturm von 1911, der wie eine alte Burg auf einem Hügel oberhalb von Mölln liegt.

Mir hat es am besten gefallen, durch die schmalen kopfsteingepflasterten Gassen zu streunen und mich an den hübschen Häuschen zu erfreuen. An vielen Stellen gibt es neben der Haustür eine Bank, die meistens von Rosen und bunten Blumen umrahmt ist. Schade, dass es zu feucht war, um sich dort mal ein paar Minuten hinzusetzen und die Beschaulichkeit und Ruhe von Mölln zu genießen.

Seit 1970 ist Mölln Kurort und verfügt auch über einen kleinen Kurpark. Sehr nett und gemütlich! Nur den Japanischen Garten habe ich nicht gefunden, oder der war so verwildert, dass das japanische Konzept nicht mehr erkennbar war.

Übrigens:
Der Name Eulenspiegel kommt ursprünglich gar nicht von der Eule. Im plattdeutschen “Ulenspeygel” bedeutet der Name “ulen” = fegen, reinigen und “spiegel” = Spiegel in der Jägersprache, also Hinterteil. “Ul’n spegel” bedeutet daher nichts anderes als “Wisch’ mir den Hintern” oder einfach “Leck mich am Arsch!”.

Hier eine der bekanntesten Geschichten vom Eulenspiegel:

Wie Eulenspiegel sich zu Braunschweig verdingte zu einem Brotbäcker als Bäckersknecht und wie er Eulen und Meerkatzen buk.

Als Eulenspiegel nach Braunschweig kam zu der Bäckerherberge, da wohnte ein Bäcker nahe bei, der rief ihn in sein Haus und fragte ihn, was er für ein Geselle wäre. Er sprach:  “Ich bin ein Bäckerknecht.” Der Brotbäcker sprach: “Ich habe eben keinen Knecht, willst du mir dienen?” Eulenspiegel sagte ja.

Till Eulenspiegel erzählt von seinen Streichen

Till Eulenspiegel erzählt von seinen Streichen

Als er nun zwei Tage bei ihm gewesen war, Da hieß ihn der Bäcker auf den Abend backen, denn er könnte ihm nicht helfen bis an den Morgen. Eulenspiegel sprach: “”Ja, was soll ich aber backen?” Der Bäcker war ein Schelm und sprach im Spott: “Du bist ein Bäckerknecht und fragst erst, was du backen sollst? Was pflegt man zu backen? Eulen oder Meerkatzen!” Und damit ging er schlafen. Da ging Eulenspiegel in die Backstube und machte den Teig zu eitel Eulen und Meerkatzen, die ganze Backstube voll, und buk die.

Der Meister stand des Morgens auf und wollte ihm helfen. Und da er in die Backstube kam, so fand er weder Wecken noch Semmeln, sondern nur eitel Eulen und Meerkatzen. Da ward der Meister zornig und sprach: “Dass du das Fieber kriegst! Was hast Du da gebacken?” Eulenspiegel sprach: “Was ihr mich geheißen habt, Eulen und Meerkatzen.” Der Bäcker sprach: “Was soll ich nun mit der Narretei tun? Solch Brot ist mir zu nichts nutz, ich kann das nicht zu Gelde machen,” und ergriff Eulenspiegel beim Kragen und sprach: “Bezahl’ mir meinen Teig!” Eulenspiegel sprach: “Ja, wenn ich euch den Teig bezahle, soll dann die Ware mein sein, die davon gebacken ist?” Der Meister sprach: “Was frage ich nach solcher Ware? Eulen und Meerkatzen sind mir in meinem Laden zu nichts nutze.”

Also bezahlte Eulenspiegel dem Bäcker seinen Teig und nahm die gebackenen Eulen und Meerkatzen in einen Korb und trug sie aus dem Hause in die Herberge >>Zum wilden Mann<<. Und Eulenspiegel dachte bei sich selber: Du hast oftmals gehört, man könnte nicht so seltsame Dinge gen Braunschweig zu Markte bringen, dass man nicht Geld daraus löste. Und es war an der Zeit, dass an dem anderen Tage St. Niklasabend war. Da stellte sich Eulenspiegel mit seiner Ware vor die Kirche und verkaufte die Eulen und Meerkatzen alle und erlöste viel mehr Geld daraus, als er dem Bäcker für den Teig gegeben hatte.

Das ward dem Bäcker kundgetan. Den verdroß es, und er lief vor die St. Niklaskirche und wollte den Preis für das Holz und den Lohn für das Backen der Dinge fordern. Da war Eulenspiegel schon hinweg mit dem Geld und der Bäcker hatte das Nachsehen.

Touristinformationhttp://www.moelln-tourismus.de/index.html
Hi
er ist man sehr hilfreich und sendet auch gerne ausführliches Informationsmaterial über die Eulenspiegelstadt Mölln und Umgebung zu.

Blogparade 'Die schönsten Kleinstädte Deutschlands'
Mit diesem Artikel nehme ich teil an der der Blogparade von rausinsleben.de Diese läuft noch bis zum 31.03.18 Auch wenn Ihr nicht dran teilnehmen wollt, so schaut mal dort vorbei und freut Euch auf zahlreiche schöne Städtchen in Deutschland

 

13 Kommentare

  • Mölln hatte ich irgendwie noch nie auf dem Schirm, aber deine Fotos machen Lust, die Stadt einmal zu erkunden.
    Die Geschichte von Eulenspiegel hatte ich auch schon fast vergessen und die Fakts, was der Name eigentlich bedeutet war mir komplett neu. Danke dafür.

    Es grüßt
    DieReiseEule

  • Liebe Ulrike,

    ach der gute Till Eulenspiegel! Interessant, habe ich nicht gewusst. Die Bilder sehen sehr schön aus. Bänke vor der Haustüre und hübsche Blumen. Das Eulenspiegel-Museum wäre direkt etwas für mich und natürlich das passende Fest dazu. Soll doch keiner sagen, dass Kleinstädte nichts bieten.

    Herzlichen Dank, dass du mit diesem schönen Artikel an meiner Blogparade teilnimmst.

    Liebe Grüße
    Renate

  • Bin eben zufällig beim Surfen auf diesen Blog Eintrag gestossen:

    > Nur den Japanischen Garten habe ich nicht gefunden, oder der war so verwildert,
    > dass das japanische Konzept nicht mehr erkennbar war.

    Gemeint ist damit lediglich der kleine, westliche Bereich direkt neben dem riesigen Parkplatz. Sonderlich speziell sind die vorhandenen Elemente nicht. Pergola, Teich, Brücke, ein paar grössere Steine (“Findlinge”) und früher noch mehr Bambus. Hier ein Bild nach der über zwei Millionen teuren Kurparksanierung von 2009-2011:

    > Till Eulenspiegel erzählt von seinen Streichen

    Das Foto zeigt nicht Till, sondern “Kasper, den Gaukler”: http://www.terra-ignis.de/de/galerie/kasper-der-gaukler.html

    • Ulrike

      Danke, für die Hinweise. Da die Möllner selbst die Figur als Till Eulenspiegel vorstellen, bleibe ich mal dabei.

      • Der auf dem Foto auf einer Bühne jonglierende Gaukler verkörpert nicht Till und soll das auch gar nicht, sondern er ist ein externer Darsteller, der ihm Rahmen eines der mittelalterlichen Feste als zusätzlicher “Act” aufgetreten ist. Auch zusammen mit Till und Herzog Albrecht, dem Guten, so z.B. bei der sehenswerten Vermahnung der Handwerker. Hier ein Video davon (Eulenspiegeltage 2014), das alle drei zusammen zeigt:

        https://youtu.be/42ykn3L0_qY

        Der “echte” Till, derzeit seit Jahren dargestellt von Mario Schäfer, in seinem typischen, unveränderten Kostüm, ist der mit dem gedrehten Wanderstab.

        Andere, zugebuchte Darsteller für solche Feste waren z.B. der Gaukler Nikodemus.

        Falls da einige Zuschauer etwas anderes kommentiert haben, tja, das war dann leider eine Fehlinformation.

  • Ein wirklich nettes Städtchen. die Foto zeigen das . Da würde es mir auch gut gefallen.
    LG, Petra

  • Leg dich nie mit einem wahren Narren an 😀

  • Eulenspiegel ist klasse und ich verehre ihn auch! Und schöne Impressionen hast du mitgebracht!
    LG
    Ute

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