Mein Kraft-Ort in Hamburg: Landungsbrücken

Wie Ihr vielleicht bemerkt habt, findet zur Zeit wenig Aktivität auf meinem Bambooblog statt. Das ist allerdings keine Schreibblockade oder das Zeichen dafür, dass mir die Ideen ausgehen. Nein es ist einfach das Resultat einer großen Erschöpfung.

Auf dem Weg zum Glück

Woher kommt diese Erschöpfung? Mein lieber alter Vater (91) ist seit Mitte März schwer krank. Er isst nicht, er trinkt nicht. Wir befürchten das Schlimmste. Doch dann gibt es Tage, da ist er ganz munter, isst ein wenig und trinkt sein alkoholfreies Bier. Dann ist er ansprechbar. Meine Schwestern und ich haben uns viel Mühe gegeben. Manchmal nimmt er das dankbar an, manchmal schlägt er alle Hilfe von sich.

Vati hat in diesen zwei Monaten 13 kg abgenommen, ich 2kg. Co-krank halt. Ich bin mittlerweile an einem Punkt angekommen, an dem mir alle raten, mehr für mich zu tun, mehr auch an mich zu denken.

Was kann ich denn tun? Auch an diesem schönen langen Pfingstwochenende waren meine Aktivitäten auf Wäsche waschen, Vati besuchen und auf der Couch mich “erholen” und Fernsehen beschränkt. Nein! So geht es nicht weiter!

Heute am frühen Morgen erinnerte ich mich daran, dass ich mal gesagt hatte, wenn gar nichts mehr geht, dann finde ich an den Landungsbrücken mit Blick auf die Elbe und auf die Schiffe meine innere Ruhe wieder.

Also griff ich mir um 8:00 Uhr meinen Fotoapparat und los ging’s!

Landungsbrücken

Ach, wie herrlich, so früh an einem Feiertag unterwegs zu sein! Die Luft noch frisch, der Verkehrslärm noch irgendwie weit entfernt!

Vor 10:00 Uhr kann man an den Landungsbrücken noch nichts tun. Doch die Fähren nach Finkenwerder fahren schon. Herrlich! Milder Seewind! Morgensonne! Wenig Touris an Bord! Optimale Aussicht vom Oberdeck! Eine Stunde beschauliche Fahrt an den Docks und am Containerhafen vorbei.

Als ich zurück war, war mein nächstes Ziel Brücke 10. Dort gibt es die besten Fischbrötchen an den Landungsbrücken! Davon hatte ich geträumt!

Mein Frühstück bestand aus einem kühlen Bier und einem sündhaft teuren Krabbenbrötchen. Das musste einfach mal sein! Was für ein Genuss!

Langsam kamen mehr und mehr Touris. Ich konnte in aller Ruhe meiner Lieblingsbeschäftigung auf Reisen nachgehen: Leute gucken.

Schließlich machte ich mich auf den Rückweg. Was für ein schöner Vormittag! Jetzt gerade genieße ich auf meinem Balkon einen wunderschönen Sonnenuntergang bei einem kühlen Glas Wein.

Was macht Ihr so, wenn es Euch schlecht geht?

20 Kommentare

  • Hamburg und der Hafen sind einfach einmalig schön. Ich nehme im Sommer gerne die Fähre zu den Landungsbrücken 🙂
    Liebe Grüße Claudia

    • Hallo Claudia,
      mit dem Begriff “schön” für den Hamburger Hafen habe ich so meine Schwierigkeiten. Es ist reine Industrie. Aber mir gefällt das Leben auf und an der Elbe.
      LG
      Ulrike

  • Freu mich schon auf Anfang August, dann werde ich mir so ne Fahrt auch mal wieder antun :-)))

  • Du hast genau das Richtige getan, liebe Ulrike – rausgehen, sich ablenken, auf andere Gedanken kommen…
    Alles Gute und Liebe dir und deinem Vater. <3

    • Danke! Wenn ich sehe, wie Du Dein schicksal mit Würde und Humor nimmst, dann frage ich mich manchmal, warum ich eigentlich jammere.
      Dir auch alles Gute!
      Ulrike

  • Martina

    Ich weiß, wie schwer solche Zeiten sind und wünsche Dir alles Gute und weiterhin viel Kraft. Es ist auf jeden Fall absolut richtig und wichtig, sich immer wieder Auszeiten zu nehmen, um für sich selbst und den zu pflegenden Menschen wieder Kraft zu schöpfen. Bei mir helfen Theaterbesuche in solchen Zeiten. Das sind meine Auszeit-Inseln.

  • Tu auf jeden Fall auch solche Dinge nur für dich. Wenn es dir besser geht, wird auch dein Vater profitieren. Ich wünsche dir und ihm alles Gute!

  • Ja, man muss was für sich tun. Gerade dann, wenn man denkt “aber ich hab doch gerade keine Zeit”. Da fällt mir immer der Spruch ein, dass man jeden Tag 20min meditieren sollte – außer man ist zu beschäftigt, dann sollte man eine Stunde meditieren.
    Das ist auf fast alles übertragbar, der Grundgedanke bleibt: Wenn du am wenigsten Zeit für dich hast, brauchst du sie am dringendsten.

  • Liebe Ulrike,

    es tut mir sehr leid zu hören, dass es Deinem Vater so schlecht geht. Ich wünsche Dir viel Kraft und dass es Dir gelingt, die Erschöpfung nicht zum Dauerzustand werden zu lassen. Und natürlich auch alle guten Wünsche für Deinen Vater.

    Eine prima Idee, an den Landungsbrücken Kraft zu tanken. Das war und ist mein absoluter Lieblingsort in Hamburg, genau der richtige Platz zum Abschalten und Auftanken.

    So einen Hafen habe ich hier nicht, aber eine Stunde auf dem Beihai herumzuschippern, dabei kann ich gut auftanken.

    Fühl Dich gedrückt – LG Linni

    • Moin Linni!
      In Peking ist mein Kraft-Ort immer die Verbotene Stadt gewesen. Jetzt nicht mehr so sehr, zu voll. Aber der Beihai Park eignet sich sehr gut. Da gibt es so viele schöne, und auch ruhige Ecken zu entdecken
      LG
      Ulrike

  • Liebe Ulrike,

    es tut mir leid zu hören, dass es deinem Vater so schlecht geht. Und auch, dass seine Erkrankung für dich natürlich sehr kraftzehrend und erschöpfend ist. Man möchte alles tun und hofft, dass es nicht zum Schlimmsten kommt, doch die Wochen in einer solchen Situation zehren sehr.
    Ich habe mich daher umso mehr gefreut, dass du dich zu einem Ausflug aufgemacht hast und ihn genießen konntest. Diese Ablenkungen und Auszeiten sind wirklich wichtig – auch wenn man sich manchmal kaum noch dazu aufraffen kann! Im Nachhinein weiß man immer, es hat gutgetan.
    Damit, dass man ununterbrochen für eine kranken Menschen da ist, hilft man nicht besser oder mehr. Irgendwann kippt das Ganze und der eigentlich noch Gesunde kann nicht mehr – wie er eigentlich beabsichtigt – eine positive Wende für den Kranken herbeiführen, sondern er wird selbst krank.
    Ich habe ja eine nicht ganz unähnliche Situation und muss auch sehr aufpassen, dass ich gegensteuere.

    Deinem Papa alles Gute! Ich hoffe, sein Zustand bessert sich – und dir weiterhin viel Kraft und eine Art innere Bremse, die immer dann aktiv wird, wenn es wieder zu viel wird.

    LG Michèle

    • Danke, liebe Michèle!
      Ich werde mich jetzt mehr auf kleine Auszeiten konzentrieren. Das Wetter ist viel zu schön zum Fernsehen! Plane sogar schon wieder einen Wochenendausflug…
      LG
      Ulrike

  • Liebe Ulrike,
    das war das Beste, was Du machen konntest. Einfach mal rausgehen, abschalten und an etwas anderes denken.

    Alles Liebe
    Renate

  • Hallo Ulrike,

    solche Momente, um in so einer schwierigen Situation Kraft zu tanken, sind Gold wert. Die musst Du Dir zwischenzeitlich einfach nehmen. Es hilft Deinem Vater ja auch nicht, wenn Du selbst zusammenklapst.

    Mitfühlende Grüße, denn sowas kennen wir zu genüge,

    Thomas

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