Die Yungang-Grotten – 1000 Buddhas bei Datong

Letztens habe ich etwas über die Yungang-Grotten bei Datong gelesen. Dabei erinnerte ich mich, dass ich nun auch schon zweimal dort gewesen bin und rieb mir erstaunt die Augen, dass ich hier auf meinem Blog noch nichts darüber geschrieben hatte. Denn die Yungang-Grotten sind eine tolle Sehenswürdigkeit.Yungang-Grotten

Sie gehören zu den vielen bedeutenden Anlagen, die vor 1.500 Jahren in steile einsame Felswände entlang der Seidenstraße gehauen wurden. Anhand der vielen wunderschönen Reliefs und Malereien in den Höhlen von Afghanistan bis Peking kann man noch heute erkennen, welchen Weg und welche Entwicklung der Buddhismus von Westen nach Osten, von Indien bis zur Chinesischen See genommen hat.

Yungang-Grotten
Yúngāng-Grotten (云冈石窟, Pinyin yúngāng shíkū ‚Wolkengrat Felsenhöhlen‘) Die meisten Höhlen wurden zwischen 460 und 525 n. Chr. geschaffen. Seitdem wurden immer wieder Renovierungen und Schutzmassnahmen gegen die Erosion durch die Sandstürme aus der Wüste Gobi unternommen. Die hölzernen Vorbauten vor einigen der schönsten bunt ausgemalten Grotten, die heute noch stehen, stammen aus dem 17. Jh.
Ich selbst kenne die Tausendbuddha-Höhlen von Kizil, Beziklik und eben Yungang. Vielleicht stand Yungang nicht ganz oben auf meiner Liste der zu beschreibenden Sehenswürdigkeiten in China, weil ich mit meinem ersten Besuch dort eines meiner fürchterlichsten Erlebnisse in China verbinde. Lest selbst!

Eiskalter und staubiger Winter 1988

Mich hatten die Schilderungen der spektakulären Buddhafiguren von Yungang bei Datong so fasziniert, dass mein einziger Ausflug von Peking 1988 mich eben genau dorthin führte.

Datong 1988

Datong war damals noch ein windzersaustes Nest kurz vor der Mongolei. Es war bitterkalt, damals im Dezember 1988. Das Licht wirkte die ganze Zeit dunstig, leicht schweflig gelb. Über allem hing der Duft nach Kohle. Denn Datong war Zentrum des Kohlebergbaus. Es gab fast keine Möglichkeit, dem Staub zu entgehen. Dazu der schneidende trockene Wind. In der Stadt wickelten sich die Menschen in schwere grüne Mäntel mit dickem Fellbesatz.

Dann machte ich mich auf den Weg zu den Yungang-Grotten. Mehr als eine Stunde Busfahrt durch eine trostlose hügelige Landschaft mit wenig Vegetation. Die Berghänge schienen wüstenartig, in den Erosionsrinnen hatte sich schwarz die Kohle abgesetzt. Manchmal kam uns ein hoch mit Kohle oder Steinen beladener LKW entgegen.

Irgendwann hielt der Bus. Der Fahrer deutete auf eine entfernte Felswand. Da sollte ich hin! Ja, es gab auch ein Häuschen, wo ich Eintritt zahlen sollte. Doch bis ich da war, war ich schon völlig ausgekühlt. Hinter dem Kiosk fingen gleich die hölzernen Vorbauten an, mit denen die gut erhaltenen Höhlen schon seit Jahrhunderten geschützt werden.

Ach, war das herrlich! Schnell hatte ich die Kälte vergessen! Schweigend, ernst mit einem milden Lächeln schauten die Buddhas und ihre Heiligen auf mich herab. Fotografieren streng verboten! Tolle Farben! Manches schien wie ein Märchen aus Tausend und einer Nacht. Nicht alle Höhlen waren von Holz- oder Steinfassaden geschützt. Und so trieb mich der eiskalte Wind immer weiter.

Es gab nur wenige Besucher. Bei manchen Buddhas lagen abgebrannte Räucherstäbchen und Kerzen. Zeichen dafür, dass man ein gläubiger Buddhist den Weg hierher fand.

Langsam war mir nicht nur kalt, sondern ich empfand Hunger und Durst. Weit und breit war kein Laden in Sicht. Also hieß es zurück zur Straße!

Die schreckliche Rückfahrt

Ich hatte keinen Plan, wann ein Bus nach Datong kommen würde. Doch da standen schon einige Männer, da wo ich die Haltestelle vermutete. Nur ein für mich unleserliches Schild kennzeichnete die Haltestelle. Ich fragte die Leute: “Datong?” Manche guckten erstmal weg. Ein, zwei nickten mit einem zögernden Lächeln. Für die Frage nach der Abfahrtszeit reichten meine Chinesisch- und deren Englisch-Kenntnisse leider nicht.

Also blieb mir nur das geduldige Warten in bitterer Kälte. Hin und wieder donnerte ein LKW vorbei. Manchmal kam ein Mann zu uns Wartenden zu. Nicht alle waren angemessen gekleidet. Manche trugen Spaten und Schaufeln. Aus wettergegerbten Gesichtern starrten sie mich mit offenem Mund an. Sie redeten über mich. Aber keiner traute sich näher an mich ran.

Dann kam der Bus! Die Menge der Wartenden geriet in Bewegung. Der Bus hielt ein paar Meter vorher an, damit einige Leute mehr oder weniger in Ruhe aussteigen konnten. Dann fingen wir an, einzusteigen. In dem üblichen Gerangel wurde ich schnell ganz nach außen gedrückt.

Sofort war der Bus voll, voller als voll und ich immer noch draußen. Kurz überlegte ich, ob ich nicht besser auf den nächsten Bus warten sollte. Ob überhaupt noch ein Bus kommen würde? Es wurde langsam dunkel.

Da war ein Streit hinter mir. Schreie, Rufe! Ich drehte mich erschrocken um. Ein Mann lag blutüberströmt auf dem Boden. Ein anderer schlug mit einer Schaufel auf ihn ein! Jetzt gab es für mich nur noch eine Richtung: Hinein in den Bus!

Die Leute im Bus hatten den Vorfall auch bemerkt. Aufgeregtes Diskutieren. Aus der massiven Wand von Körpern vor mir streckten sich mir zwei Hände entgegen. Dankbar ergriff ich sie. Sie zogen mich in den Bus, in dem eigentlich kein Platz mehr war. Meine Füße fanden schmalen Halt auf der untersten Stufe. Ein Ruck! Die Fahrgäste wurden in die letzten kleinen Lücken geschüttelt, dann fuhr der Bus noch mit offener Tür los! Auch die Tür schloss sich langsam. Hinter mir! Ich war drinnen! Erleichtertes Lachen bei allen. Doch dann entdeckte ich, dass mein Tagesrucksack noch draußen hing. Aber kein Problem! Kräftige Hände hielten mich, als der Fahrer in voller Fahrt die Tür öffnete. Andere zogen mich und meinen Rucksack weiter hinein. Endlich war ich in Sicherheit. Aufmunternde Blicke meiner Retter und Gefährten. Erleichtert und ganz glücklich erreichte ich schließlich mein Hotel.

Die Yungang-Grotten 2011

Ich hatte das Glück, 2011 noch einmal die Tausendbuddha-Grotten von Datong zu besuchen und den erstaunlichen Wandel zu erleben, den diese herausragende Sehenswürdigkeit durchgemacht hat.

2001 wurden die Yungang-Grotten UNESCO-Weltkulturerbe. Das war der letzte Anstoß, die Sehenswürdigkeit für die zahlreichen Besucher aufzubereiten. Es entstanden große Parkplätze, ein moderner riesiger Besucherbereich und ein neuer Tempel.

Manchem europäischem Besucher ist dies zu viel Fassade, zu wenig Authentizität. Manch einer spricht sogar von einem “Vergnügungspark”. Ich persönlich finde es gut, denn damit wird auch die Wertschätzung der Geschichte und Kultur gezeigt. Viele Chinesen haben ein großes Interesse an ihrer Vergangenheit. Diese Unmengen an Besuchern brauchen entsprechende ordentlich Räumlichkeiten für ihre Bedürfnisse: Eintrittskarten ohne große Wartezeiten, ausreichende saubere Toiletten und Aufenthaltsräume. Hallen für Zeremonien und Gebete. Wenn dann noch mit Souvenirs usw, Geld verdient wird, das mindesten zu einem großen Teil dem Erhalt der Yungang-Grotten zugute kommt, dann ist das für mich ok.

Mich haben Datong und die Tausendbuddha-Grotten von Yungang 2011 sehr begeistert. Gut, es war Mai: Keine eiskalten Wüstenwinde. Auf dem Weg zu den Grotten erfreute ich mich an schier endlosen wiederaufgeforsteten Flächen. Keine kahlen Berghänge mehr, kein Kohlestaub in der Luft.

Die alten Buddhas strahlen Ewigkeit aus. Viele Gläubige, Pilger, Mönche und Nonnen zeigen ihre Verehrung. Ehrfurchtsvoll verbeugte auch ich mich.


Infos: (Stand 05-2018)

Eintrittspreis: RMB 120,- pro Person

Öffnungszeiten: 8:30 – 17:00 Uhr


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Eine ausführliche Beschreibung der Anlage: Yungang-Grotten

Impressionen

8 Kommentare

  • Na das war ja eine Rückfahrt, das braucht kein Mensch! Sieht auf jeden Fall sehr eindrucksvoll aus. Danke für den Bericht und die Bilder.

    LG aus Norwegen
    Ina

  • Oh, das war wirklich eine gruselige Rückfahrt. 🙁

    Ich war vor ziemlich genau einem Jahr in Datong und habe ebenfalls “vergessen”, über die Yungang-Grotten zu schreiben – und wir waren sicher und bequem und ohne blutige Schlägereien unterwegs…

    Wir waren am selben Tag vorher beim Hängenden Kloster – ich glaube, das die Grotten deshalb bei mir hinten runter gerutscht sind. Das war zuviel “WOW” für einen Tag! Dennoch, ich fand die Anlage – auch so “touristisch aufgemotzt” – ausgesprochen schön. Wundervolle, friedliche Atmosphäre, die Besucherströme verlaufen sich auf dem großen Gelände und es war trotzdem gut möglich, die Statuen in Ruhe zu bewundern.

  • Wunderschön!…
    Aber deine Schilderung der Rückfahrt hat grad eine Gänsehaut des Gruselns bei mir ausgelöst.
    Herzliche Grüße!

  • Eine wirklich schreckliche Ruckfahrt damals!

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