Jade in China: Stein der Unsterblichkeit

Jade heißt auf Chinesisch  Yù, Dieses Schriftzeichen setzt sich aus dem für “König” 王 und einem kleinen Strich als Verzierung zusammen. Damit wird klar gesagt, dass Jade der Schmuck der Könige ist. Es soll rund 500 verschiedene Schriftzeichen in China für das Mineral geben.

Was ist Jade?

Jade ist eher ein Oberbegriff als ein Mineral als solches. In China ist damit etwas anderes gemeint als z.B. in Europa. In China bezeichnet man vor allem das Mineral Jadeit als Jade. Oder aber auch den Nephrit. In der Regel ist es ein grüner Schmuckstein, der fast wie durchscheinend wirkt. Ich bin kein Mineraloge, deshalb kann ich hier gar nicht so genau drüber schreiben. Auf Wikipedia findet Ihr einen ausführlichen Artikel über die Jade: mehr

Das Mineral ist vulkanischen Ursprungs. Es gibt Jade in vielen Schattierungen. Doch überwiegt die grüne Farbe, von einem fast weißen Ton bis hin zu strahlendem, fast wie Glas wirkendem Grün.

Riesige bearbeitete Jadebrocken, die bei Sanxingdui (Chengdu) ausgegraben wurden

Mich hat Jade immer sehr fasziniert. Und ich habe es von Anfang an mit China verbunden. Doch es gibt die entsprechenden Mineralienvorkommen zum Beispiel auch in Amerika. In China findet man seit vorgeschichtlichen Zeiten Jade vor allem in der Provinz Xinjiang im Gebiet um die alten Städte Khotan und Yarkant. Doch auch am Yangtze hat man Jadevorkommen in den Flüssen gefunden. Vor rund 2.000 Jahren kam Jade über die Handelswege der Seidenstraße nach Zentralchina.

Jade in China

Schon seit Jahrtausenden wird Jade in China verwendet. Vor allem als Schmuck, der in religiösen Zeremonien verwendet wird. Es heißt, dass Jade die Verbindung zwischen Menschen und Göttern herstellen kann.

Zeremonial-Geräte, gefunden in Jinsha (Chengdu)

Vor wenigen Jahren stand ich fasziniert im Museum von Sanxingdui, wo sich schier endlos feinste polierte Jade-Objekte aneinander reihten. Zum Teil mehr als 3.500 Jahre alt! Die Objekte, wie u.a. Zeremonialbeile und Schmuckpaletten zeugen von einer außerordentlichen Kunstfertigkeit und hoher Wertschätzung. Der Höhepunkt des Steins in der Beliebtheit bei Riten und Totenkult kam während der Han-Dynastie (206 v.Chr. bis 220 n.Chr.)

Stein der Unsterblichkeit

Immer wieder werden bei den Grabausstattungen wohlhabender Menschen und vor allem der Kaiser der Han-Dynastie vor 2.000 Jahren Unmengen an Objekten aus dem schönen Mineral gefunden. Dabei sollte man auch bedenken, dass das Gestein hart ist und sich gar nicht leicht bearbeiten lässt.

Besonders haben mich dabei die aus hunderten Jadeplättchen gefertigten Totenanzüge beeindruckt. Zunächst habe ich gedacht, dass so etwas einmalig war, der größenwahnsinnige Wunsch eines Kaisers. Aber mittlerweile habe ich einige in den Museen in China gesehen. Natürlich gibt es auch im Nationalmuseum in Peking einen zu bestaunen.

Totengewand aus Jade

Totengewand des Königs Liu Wu (Königreich Chu ca. 150 v. Chr.) bei Xuzhou

Sarkophag

Der Körper des Königs Liu Wu war zusätzlich von einem Sarkophag aus Jade geschützt

Diese Totenanzüge sollten den Körper vor dem Verfall schützen. Die Jade verdeutlichte Status und Reichtum der beerdigten Person. Sie waren aus unzähligen Plättchen hergestellt und mit feinen Goldfäden (bei Kaisern) verbunden. Prinzen und Prinzessinnen bekamen Silberfäden.

Ein weiteres Totenritual war es, die Körperöffnungen des Leichnams mit Jadeobjekten zu verschließen. Auf oder in den Mund legte man dabei gerne eine Zikade. Die Zikade galt im antiken China als Symbol für Unsterblichkeit und Wiedergeburt.

Zikade aus Jade

Zikade

Vor allem in den frühen Zeiten spielten Gegenstände aus Jade bei religiösen Ritualen eine große Rolle. Dem Stein werden auch heilende Wirkungen zugesprochen, u.a. bei Nierenleiden. Ihm werden magische Kräfte auch in der heutigen Esoterik nachgesagt.

Jade als Schmuck und Souvenir

Erst in den letzten Jahrhunderten wurde Jade in China als Schmuck beliebt. Überall kann man schöne Ketten und Anhänger als Souvenir erwerben. Doch sollte man aufpassen: Es gibt viele Fälschungen aus Glas.

Schmuck als Souvenir

Schmuck

Steine, die wie in dem Foto einen starken Weiß-Grün-Kontrast zeigen, sind äußerst beliebt in China. Sind aber mMn leicht aus Glas herzustellen.

Chinesisches Sprichwort
宁为玉碎,不为瓦全。

Nìng wéi yù suì, bù wèi wǎ quán.

Besser ein Stück zerbrochener Jade als einen vollständigen Ziegelstein.

Buddhas Hand, eine Zitrusfrucht ganz aus Jade

Buddhas Hand, eine Zitrusfrucht ganz aus Jade; Qing-Dynastie, Musee Guimet Paris

4 Kommentare

  • Liebe Ulrike,

    richtig toller Beitrag. Ich habe damals einen Jadeanhänger von einem Mönch bekommen, der meinte er wird mir mein Leben lang Glück bringen. Und was soll ich sagen, ab dem Zeitpunkt hatte ich endlich “Glück”. Lag es an dem Stein, oder an dem festen Glauben 🙂 Jedenfalls liebe ich seitdem Jade. Danke für die tollen Fotos!

    LG
    Jörg

  • Christoph

    Vielen Dank für den lesenswerten Bericht. Und das Schriftzeichen für Yù werd ich mir nun auch merken können. 😉

    Wie unterschiedlich Jade doch aussehen kann: Fast wie grüner Marmor oder wie Glas.

    Hast du den prachtvollen Jadekohl im nationalen Palastmuseum in Taipeh schon sehen können?
    Wirklich toll! 🙂

    Beste Grüße nach Hamburg sendet Dir
    Christoph

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