Die fünf Tugendregeln im Buddhismus

Zu den Grundlagen des Buddhismus, die allen unterschiedlichen Richtungen gemeinsam sind, gehören die 5 Silas, die fünf Tugendregeln. Diese sollten die Basis für das Leben jeden Menschens bilden, der sich Buddhist nennt.

Dabei wird von Anfang an berücksichtigt, dass der Mensch schwach und fehlbar ist. Die Regeln sind nicht mit einem strengen “Du sollst” sondern mit einem “ich bemühe mich” formuliert. Das finde ich sehr sympathisch. Es ist also nicht per se eine schreckliche Sünde, wenn man Fehler macht. Man darf es immer und immer wieder versuchen. Mit viel Übung wird man immer weniger Fehler machen.

Die fünf Tugendregeln des Buddhismus
Im Bewusstsein, dass das Leben voller Leiden ist, bemühe ich mich um die Einhaltung der folgenden Regeln:

1. Keinem lebenden Wesen ein physisches Leid anzutun, d.h. nicht zu verletzen, nicht zu töten

2. Nichts mir ungerechtfertigt anzueignen. d.h. nicht zu stehlen, nicht zu betrügen

3. Keinem Wesen durch mein sexuelles Verhalten ein Leid anzutun

4. Kein Wesen durch meine Rede zu verletzen. d.h. nicht zu lügen, nicht zu schwätzen, nicht zu verleumden.

5. Mir nicht das Gehirn mit Rauschmitteln zu vernebeln d.h. mich nicht zu betrinken oder Drogen zu konsumieren

Diese fünf Tugendregeln, die 5 Silas, sind mir vor allem auch dadurch sympathisch, weil sie nicht nur mein eigenes sondern auch das Leiden der anderen im Fokus haben.

Wenn man sich nur an die Einhaltung dieser Regeln hält, sollten so schreckliche Verbrechen wie sexueller Missbrauch und Korruption bei buddhistischen Lehrern, Mönchen und Nonnen eigentlich unvorstellbar sein. Und doch kommt das vor. Ich bin dafür, dass man diese Skandale öffentlich macht, auch von den Verbrechen, die z.B. in Myanmar von Buddhisten an Muslimen verübt werden, spricht. Doch sollte man dabei daran denken, dass dies nicht den buddhistischen Verhaltensregeln entspricht. In meinen Augen haben diese Verbrecher die Bezeichnung “Buddhist” nicht verdient. Und doch sollte Buddha uns als Vorbild dienen. Er hat selbst fürchterlichen Mördern die Aussicht auf Erlösung, das Nirvana, zugebilligt, wenn sie bereuen und solche Taten aus wahrer Einsicht heraus nicht mehr begehen.

Uposatha

Für die Laienbuddhisten gibt es weitere 3 Regeln, die an bestimmten Tagen einzuhalten sind. Dies sind die Vollmond- und Neumondtage, die auch Uposatha-Tage genannt werden:

6. Nicht essen außerhalb der Essenszeiten. Das heißt, ab der Mittagszeit wird nichts mehr gegessen

7. Kein Schmuck, kein Parfüm, kein Makeup; kein Tanz, keine Musik u.ä

8. Nicht auf einem hohen weichen Bett schlafen

Ihr seht: Bei den zusätzlichen Regeln geht es darum, Abstand von einem allzu üppigen und luxuriösen Leben zu gewinnen.

Ich habe schon öfters versucht, so einen Uposatha-Tag einzuhalten. Das ist im täglichen Leben einer Großstadt gar nicht einfach. Neben der Dauerbeschallung durch Musik aus allen Ecken ist mir bewusst geworden, wie oft ich gegen so manche Regel verstoße. Wie schnell ist ein unbedachtes Wort gesprochen! Makeup und Schmuck sind selbstverständlich und es fällt schwer, bewusst darauf zu verzichten.

Natürlich gehört für mich zu einem solchen Tag dazu, dass ich kein Fleisch esse und keinen Alkohol trinke. Gerade Alkohol verträgt sich nicht mit Meditation, die ja für Buddhisten sehr wichtig ist.

In Thailand verbringt man den Uposatha-Tag gerne in einem Tempel. Da meditiert man gemeinsam und das gemeinsame Einhalten der Regeln fällt leichter.

Buddhistische Mönche und Nonnen haben noch weit mehr Regel, an die sich halten sollen.

Die fünf Silas in der ausführlichen Fassung vom Ehrw. Thich Nhat Tanh findet Ihr hier

8 Kommentare

  • Christoph

    Sehr interessant. Danke für den Artikel.
    Im Prinzip Tugenden, die Grundvoraussetzung sind für ein schönes Miteinander auf dieser Welt. Natürlich findet man die ein oder andere Regel auch bei anderen Religionen (10 Gebote,…).

    Ich empfinde den Buddhismus auch als sehr unaufdringliche und dadurch sehr angenehme Glaubensrichtung. Auch wenn ich nicht sehr in diesem Thema bin, spüre ich dieses leben und leben lassen dort mehr als bei anderen Religionen (basierend auf meinem Gefühl, nicht auf Fakten, dafür weiss ich darüber zu wenig).

    Und Fasten tut einfach manchmal gut, ob nur für einen Tag oder 40. Dabei wird der Blick auf andere Dinge wieder geschärft und man nimmt so manches bewusster wahr.

    Eine Frage habe ich aber doch zum Verständnis zur ersten der 5 Tugendregeln:
    Keinem Lebewesen (Pflanzen, Tiere und Menschen) etwas anzutun ist natürlich nicht möglich, sonst könnten wir uns nicht ernähren und würden verhungern. Jedoch verbinde ich Buddhismus irgendwie mit Vegetariern (liege ich da richtig oder habe ich da eine falsche Verbindung im Kopf?).
    Wenn ja, unterscheidet der Buddhismus zwischen schützenswerten (Tieren) und nicht schützenswerten (Pflanzen) Lebewesen?

    Viele Grüße aus Suzhou sendet
    Christoph

    • Danke für Deinen nachdenklichen Kommentar!
      Zu Deiner Frage: Gerade diese erste Regel ist für viele ausschlaggebend, als Vegetarieer zu leben. Aber auch dabei gibt es Ausnahmen. Zum Beispiel hat man bei nomadischen Völkern festgestellt, dass diese nicht ohne Fleisch zu essen überleben würden. Als der Dalai Lama einst Probleme mit dem Magen hatte, riet man ihm dazu, hin und wieder Fleisch zu essen. Auch Buddha selbst hat Fleisch gegessen und soll nach dem Verzehr von verdorbenem Fleisch gestorben sein. Es gibt nämlich auch die Mönchsregel, dass ein Mönch oder eine Nonne alles essen sollen, was ihnen gegeben wird, auch wenn es Fleisch ist. Dabei soll er/sie beachten, dass das Tier nicht eigens für ihn geschlachtet wurde. Dann dürfte er/sie es nämlich nicht essen. Ich denke, dass Pflanzen bei Buddha nicht als “lebende” Wesen angesehen wurden. Und irgendetwas muss der Mensch ja essen.
      Beste Grüße
      Ulrike

  • Ja, das sind sehr einfach formuliert gute Regeln. Aber so ganz ohne Wein komme ich nicht aus. Macht irgendwie schon seit Jahrtausenden Freude und Kontakte zu Mitmenschen. Liebe Grüße von einen Atheisten. Ernestus.

    • Das mit dem Wein ist auch nicht ganz einfach. Ich stehe immer wieder vor der Wahl “Bier (oder Wein) oder meditieren”. Meistens entscheide ich mich jetzt für die Meditation. Die tut mir gut und bringt mehr.
      LG
      Ulrike

  • Das sind im Grunde genommen recht einfache Regeln. Seltsam nur, dass es uns Menschlein so schwer fällt, zumindest zu versuchen, sie zu beachte…

    • Da hast Du sehr recht! Aber mit der “richtigen Rede”, mit der ich niemanden verletzen will, tue ich mich auch schwer. Schnell ist so ein verletzendes Wort raus. Aber egrade deswegen finde ich auch die übung, sich an einem bestimmten Tag auf diese Regeln zu konzentrieren, sehr schön!
      LG
      Ulrike

  • Sehr aufschlussreich. Ich wusste nicht, was die Regel sind und wie sie formuliert sind.

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