Die Stadtmauer von Nanjing

Die Stadtmauer von Nanjing

南京市城墙, Nanjing chengqiang

Nachdem ich nun die Stadtmauer von Nanjing selbst gesehen habe, wundert es mich doch sehr, dass diese so wenig bekannt ist. Nanjings Stadtmauer war einst rund 35 Kilometer lang und damit eine der längsten in ganz China. Heute stehen davon noch 22 Kilometer. Zum Vergleich: Die Stadtmauer von Hannover war im 14. Jahrhundert knapp 2 Kilometer lang. Oder Köln: 1180 wurde die mittelalterliche Stadtmauer errichtet und war die größte mittelalterliche Stadtbefestigung des damaligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Die Befestigungsanlage mit Wall, Graben und Mauer hatte eine Gesamtlänge von 7,5 Kilometern.Nanjing Tor von China Zhonghua Men

Erbaut wurde die Stadtmauer von Nanjing von 1360 bis 1386, als Kaiser Zhu Yuanzhang gerade die Ming-Dynasie begründet hatte. Er machte Nanjing zu seiner Hauptstadt. 200.000 Arbeiter bauten mit genormten Ziegel die auch heute noch beeindruckende Mauer. Diese Ziegel wurden aus Lehm mit einer Beimischung aus Reis hergestellt. Sie bieten Forschern immer noch viel Forschungsmaterial. Zum Beispiel hat man auf vielen Ziegeln Schriftzeichen aus der Ming-Zeit gefunden, die Namen der Handwerker nennen.

Wenn man direkt davor steht, erschließt sich die gigantische Größe der Stadtmauer von Nanjing nicht sofort. Man sieht keine imposanten Stadttore oder Wachtürme wie in Xi’an oder sogar in Peking. Die in Nanjing waren nämlich einst aus Holz.

Am eindrucksvollsten präsentiert sich die Stadtmauer am Tor Zhonghua Men.

Das Tor von China

中华门  Zhōnghuá mén

Erbaut wurde das Zhonghua Tor gleichzeitig mit der Stadtmauer im 14. Jahrhundert. Noch heute erinnert man sich daran, dass hier schon während der Tang-Dynastie (618 – 907) das Südtor der damaligen Stadtmauer stand. Zunächst erhielt es neben der Bezeichnung “Südtor” den Namen Jubao Tor (聚宝门 Jùbăo Mén; “Gathering Treasure Gate”). 1931, nachdem Nanjing während der Republik China Hauptstadt war, wurde das Tor in “Tor von China” umbenannt, um seine Bedeutung für die chinesische Nation herauszustellen.

Stadttor in Nanjing

Stadttor in Nanjing

Zhonghua Men - die Legende
Als Kaiser Zhu Yuanzhang im 14. Jahrhundert das Tor errichten ließ, erwies sich der Untergrund als instabil. Das Tor drohte in der weichen Erde zu versinken. Immer wieder und wieder brach das Tor in sich zusammen. Erst als man einen Schatz im Fundament vergrub, wurde die Lage stabil und das Tor versank nicht weiter.

Es ist das größte der insgesamt 13 Stadttore. Leider sind die mächtigen hölzernen Aufbauten nicht erhalten. Trotzdem macht das Tor immer noch großen Eindruck. In den Gewölben sollen einst Getreide und Waffen gelagert worden sein. Im Ernstfall konnten bis zu 3.000 Soldaten hier versteckt werden.

Kern der Verteidungsanlage sind die drei Innenhöfe. Auch wenn die hölzernen Tore überwunden wurden, so galt es immer noch, sich durch die Höfe zu kämpfen. Das machte das Zhonghua Men zu der wichtigsten Verteidigungsanlage der Stadtmauer von Nanjing.

Changgan Li

Rundum das Zhonghua Men befand sich seit Jahrhunderten ein lebhaftes Geschäftsviertel Changgan Li. Hier lebten reiche und wichtige Familien. Es gab einen großen Reis-Markt und mehr. Heute ist eigentlich kaum noch etwas davon übrig. Aber es gibt eine kleine Gasse, in der man viel ursprüngliches chinesisches Leben entdecken kann mit kleinen Läden und Wäsche auf der Leine.

Nanjing Wäsche auf der Leine

Bekannt ist Changgan Li auch durch ein Gedicht von Li Bai: Changgan Memories

Before the gate, my pacing’s left a mark,
Little by little, the green moss has grown.
The moss is now too deep to sweep away,
And leaves fall in the autumn’s early winds.
This August, all the butterflies are yellow,
A pair fly over the western garden’s grass…

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Meine Eindrücke

Ich war begeistert, als ich entdeckte, wie nahe mein Hotel an dem Tor lag! Auch hatte ich mir die Stadtmauer von Nanjing bei weitem nicht so imposant vorgestellt. Beim Vergleich mit alten Fotos der Mauer wurde mir bewusst, wie sorgfältig man die Anlage und die Gegend um das Zhonghua Men gestaltet hat. Früher war es hier anscheinend sehr kahl. Die Gingko-Bäume, die bei meinem Besuch im November 2017 so golden leuchteten, sind noch jung.

Die kleine Gasse mit den Läden war für mich ein besonderes Highlight. Ich hoffe, dass sie nicht so schnell dem Modernisierungswahn der Chinesen zum Opfer fällt!

Fazit: Wenn Du Nanjing besuchst, solltest Du auf jeden Fall Dir auch die Stadtmauer und das Tor von China ansehen!

Hier geht es zu meinem Reisebericht: Nanjing 2017

Impressionen Stadtmauer von Nanjing

Im Stadttor

Im Tor von China

Nanjing Nanjing Seitengasse Nanjing Huhn im Käfig

 

4 Kommentare

  • Hallo Ulrike,

    Ich kenne die Mauer etwas von einem Besuch in Nanjing.
    Wirklich sehr beeindruckend.

    Auch Nanjing selbst ist eine interessante Stadt.
    Nach meiner Meinung ist Nanjing noch nicht so stark internationalisiert wie Beijing, Xian oder Shanghai.
    Aber das geht in China ja sehr schnell.
    In 10 Jahren kann sich eine Stadt in China sehr stark verändern.

    Viele liebe Grüße!
    Ecki

  • Das ist schon ein kolossales Bauwerk! Da kann sogar die Burghausener Burg nicht mithalten. 😉
    Sehr gut gefallen mir bei all deinen Posts stets die kleinen Alltagsszenen, die du mit einbaust.

  • Nemorino

    Sehr beeindrückend!

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